Zetge
Informationen zum Hersteller
Produktionsgesellschaften:
Zetge-Fahrzeugwerk GmbH
Görlitz, Konsulstrasse 18 (März 1922 – September 1922)
Zetge-Fahrzeug-Werke GmbH
Moys-Görlitz (September 1922 – Februar 1923)
Zetge-Fahrzeug-Werke AG
Moys-Görlitz, Industriegelände Deutscher Herold (Februar 1923 – vermutlich 1926)
Vertriebsgesellschaften:
Zimmer & Gehlich KG (Vertrieb)
Görlitz, Demianiplatz 33, bzw. Jakobstraße 10 (Ausstellungsraum) (Juni 1921 – Juni 1923)
Görlitz, Konsulstrasse 18 (Büro, Lager und Werkstatt) (1923)
Zimmer & Gehlich KG, Zweigniederlassung Dresden (Vertrieb und Export)
Dresden, Gerichtsstraße 27 (Juni 1921 – Juni 1923)
Zimmer & Gehlich Inhaber Hans Knipp (Vertrieb)
Dresden, Mosczinskystrasse 7 (Juni 1923 – April 1925)
Zimmer & Gehlich Inhaber Hans Knipp KG (Vertrieb)
Dresden, Mosczinskystrasse 7 (April 1925 – vor 1932)
Gerhard E. Gehlich (siehe auch unter "Gehlich") und der Ingenieur Georg Zimmer betrieben in Görlitz die offene Handelsgesellschaft „Zimmer & Gehlich“ bevor sie diese am 1. Juni 1921 in die „Zimmer & Gehlich Kommanditgesellschaft“ umgewandelten. Der Elektrotechniker Erich Glotz aus Moys-Görlitz sowie der Kaufmann Georg Siebenhaar aus Görlitz beteiligten sich als persönlich haftende Gesellschafter. Das Unternehmen vertrieb im Großhandel elektrische Motoren sowie Kraftfahrzeuge und entsprechendes Zubehör. Besonders hervorzuheben ist in der weiteren Firmengeschichte die Übernahme der Generalvertretung der Zetge-Fabrikate für das Gebiet Schlesien. Für Kfz-Reparaturen stand eine modern ausgestattete Werkstatt zur Verfügung. Zeitgleich wurde die „Zimmer & Gehlich KG, Zweigniederlassung Dresden“ gegründet, in der dieselben Gesellschafter aufgeführt waren. Dem Ingenieur Hans Knipp wurde für diese Zweigniederlassung Prokura erteilt. Im Oktober 1922 schieden die Gesellschafter Gerhard Gehlich und Georg Siebenhaar aus der Görlitzer KG aus. Im Juli 1924 verließen Georg Zimmer und ein Kommanditist das Görlitzer Unternehmen.
Als produzierende Firma wurde am 21. März 1922 die Zetge-Fahrzeugwerk GmbH mit Sitz in Görlitz gegründet und am 4. Mai desselben Jahres ins Handelsregister eingetragen. Das Unternehmen hatte sich auf die Produktion und den Verkauf von Fahrzeugen, insbesondere Kraftfahrzeugen, spezialisiert. Geschäftsführer war der Ingenieur-Kaufmann Gerhard E. Gehlich aus Görlitz, der bereits als Techniker mehrere Patente angemeldet hatte und weitere plante. Die Marke „Zetge“, welche für die ausgesprochenen Anfangsbuchstaben der Gründer Zimmer und Gehlich steht und bisweilen auch als „Z/G“ geschrieben wird, ließ man rechtlich für Produkte wie Fahrräder und Kraftfahrzeuge schützen; zusätzlich wurde auch der Name „Zetgelette“ für die Verwendung bei Motorfahrzeugen als Schutzmarke eintragen.
Den Firmensitz verlegte man im September 1922 nach Moys und führte fortan den Namen Zetge-Fahrzeug-Werke GmbH. Neuer Geschäftsführer wurde nun Fritz Wolff, der zuvor als Prokurist tätig war. Die GmbH wurde im Mai 1924 aus dem Handelsregister gelöscht, da sie bereits am 24. Februar 1923 in die Zetge-Fahrzeug-Werke Aktiengesellschaft überging. Gerhard Gehlich gründete diese AG gemeinsam mit 61 weiteren Teilhabern. Neben ihm wurde der Görlitzer Kaufmann und Major a.D. Fritz Wolff als kaufmännischer Direktor in den Vorstand der Gesellschaft berufen.
Im Frühjahr 1922 wurde erstmals das als "Modell S" benannte Zetge-Leicht-Kraftrad mit einer Leistung von etwa 3 PS angeboten. Das Fahrgestell bestand aus einem geschlossenen Rohrrahmen, auf dem zwischen einem überwiegend horizontal verlaufenden Oberrohr und einem parallel angeordneten Zwischenrohr ein torpedoähnlicher Tank montiert war. Der DKW-Zweitaktmotor war mit einem liegend ausgerichteten Zylinder eingebaut. Für die Federung des Vorderrads kam eine Kurzschwinge mit zentraler Feder vor dem Steuerkopf zum Einsatz. Die Kraftübertragung auf das Hinterrad erfolgte mittels Riemenantrieb.
Anschließend erschien 1922 das Z/G Herbstmodell „H.M.22“, das auch als „Typ 23“ bekannt wurde. Das Motorrad erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 km/h. Die Schmierung erfolgte automatisch, indem dem Kraftstoff zähflüssiges, helles Motoröl im Verhältnis 1:10 beigemischt wurde. Angetrieben wurde es von einem 2,5 PS starken DKW-Einzylinder-Zweitaktmotor mit zusätzlicher Ventilatorkühlung, ausgestattet mit Leerlauf und Andrehkurbel. Bei einer Bohrung von 55 mm und einem Hub von 60 mm ergab sich ein Hubraum von 143 ccm, was zu einer Steuerleistung von 0,817 PS führte. Die Kraftübertragung auf das Hinterrad erfolgte mittels Keilriemen. Das Gesamtgewicht des Motorrads lag bei nur etwa 55 kg. Lange, parallel zum Motor angeordnete Wannenfußbleche boten Schutz vor Beschädigungen und trugen zu einem komfortablen Fahrgefühl sowie zu einer eleganten Optik bei. Das Vorderrad war über eine Pendelgabel gefedert, die in verschiedenen Ausführungen erhältlich war. Für das Hinterrad standen sowohl eine Bandbremse als auch eine Felgenbackenbremse zur Verfügung. Die Tankform passte man bei diesem Modell etwas an die Rahmenform an. Das Fahrzeug konnte in braun, beige oder grün emailliert bestellt werden; blanke Metallteile waren hochglanzvernickelt.
Angeboten nach „System G.E. Gehlich“ werden um 1923 folgende Fahrzeuge:
- Zetge-Leicht-Kraftrad, 2,5 PS, DKW-Zweitaktmotor
- Zetge-Motorrad, 3,5 PS
- Zetge-Zetgelette, 2,5 PS
- Zetge-Zetgemobil, 3,5 PS
Auch Stahlrodel und Bobschlitten waren in den Werbeanzeigen zum Verkauf angegeben.
Das im Frühjahr 1924 eingeführte Einheitsmodell war in verschiedenen Varianten erhältlich: als steuerfreier Typ A mit einer 2-PS-Motorisierung und direktem Antrieb, als Typ B mit einem 2,5-PS-Motor und Zweiganggetriebe sowie als Typ C mit einem Spezialmotor mit 3,5 PS (teilweise auch mit 4 PS angegeben, wobei nicht abschließend geklärt ist, ob es sich hierbei um einen Baier-Motor handelte). Das Fahrgestell bestand aus einem dreidimensional konstruierten Rahmen in Brückenbauweise mit dreiecksförmigen Rohrverläufen. Die von DKW gelieferten Motoren wurden bei diesem Modell mit vertikal ausgerichtetem Zylinder eingebaut. Die Kraftübertragung erfolgte mittels Riemen und bei den Typen B und C über ein separates Getriebe auf das Hinterrad. Für die Vorderradfederung kam ebenfalls eine Pendelgabel zum Einsatz. Der rechteckige, rot lackierte Tank war zwischen den beiden oberen Rahmenrohren eingefügt, während das Fahrgestell eine schwarze Emaillierung erhielt.
Die Zetgelette war ein dreirädriges Fahrzeug mit einem vorderen Aufbau, der an ein Motorrad erinnerte. Der DKW-Motor war liegend direkt über dem Vorderrad montiert und trieb dieses mithilfe eines Zweigang-Getriebes und eines Keilriemens an. Das Vorderrad wurde durch eine Pendelgabel gefedert. Ausgestattet war das Gefährt mit einem 148 ccm starken DKW-Zweitaktmotor (vermutlich die Type „M“, Modell II), der einen Hub von 60 mm und eine Bohrung von 56 mm besaß. Am hinteren, ebenfalls gefederten Teil des Rahmens befanden sich zwei Räder auf einer gemeinsamen Achse. Der Fahrer saß auf einem Sitz, der ringsum bis zur halben Körperhöhe durch Wände geschützt war.
Das Zetgemobil ähnelte im Aufbau der Zetgelette, war jedoch mit einem etwas leistungsstärkeren 3,5-PS-DKW-Motor ausgestattet. Es verfügte zudem über eine stabilere Vorderradgabel und ein Verdeck für den Fahrer.
Obwohl die Zetge-Motorräder nicht zu den leistungsstarken Rennmaschinen zählten, konnten sie bei Zuverlässigkeitsfahrten gelegentlich Erfolge verzeichnen. Bei der Zuverlässigkeitsfahrt im Jahr 1923 in der Region Görlitz war eine signifikante Anzahl von Zetge-Fahrern vertreten, die die ersten sieben Platzierungen erreichten. Die Marke konnte zudem 1924 bei der Winterfahrt Berlin-Hirschberg einen Sieg erringen.
Die Aktiengesellschaft präsentierte ihre Produkte 1923 und 1924 auf mehreren wichtigen Messen: Dazu gehörten die Berliner Automobil Ausstellung (1923), die Sport-Ausstellung in Stuttgart (1924), die Leipziger Frühjahrsmesse 1924, die technische Messe in Leipzig wie auch die Messe in Frankfurt am Main beider Jahre. Neben den beiden eigenen Vertriebsfirmen offerierten Zetge-Produkte auch die folgenden Generalvertreter: die „Rauma“ Rheinische Automobil-Handelsgesellschaft in Mannheim, die Fahrzeughandlung „Stollstein & Cie.“ in Stuttgart (siehe Stolco), die Paul Loeber GmbH in Berlin, die „Liegnitzer Fahrrad-Zentrale“ von Oskar Reute sowie das Maschinenhaus J. Eberle in München.
Am 23. Juni 1924 meldete die Aktiengesellschaft Insolvenz an. Hierauf erörterte man in einer außerordentlichen Generalversammlung der Aktiengesellschaft im August 1924 Maßnahmen, insbesondere im Hinblick auf die Beschaffung zusätzlicher Finanzmittel sowie den fortlaufenden Betrieb des Unternehmens. Im Anschluss daran finden sich in den Medien keine weiteren Informationen zur Gesellschaft, was darauf hindeutet, dass die Geschäftstätigkeit zurückgegangen ist.
Die „Zimmer & Gehlich KG, Zweigniederlassung Dresden“ wurde am 23. Juni 1923 als eigenständiges Hauptgeschäft im Handelsregister eingetragen. Die bisherigen Gesellschafter der Zweigniederlassung, Gerhard Gehlich, Georg Siebenhaar, Georg Zimmer und Erich Glotz schieden aus, sodass Hans Knipp, Ingenieur und zuvor Prokurist, zum alleinigen Inhaber wurde. Ab diesem Zeitpunkt firmierte das Unternehmen unter dem Namen „Zimmer & Gehlich Inhaber Hans Knipp“. Neben „Zetge“-Motorrädern vertrieb Knipp auch das unter seiner Firma produzierte „Zegemo“-Motorrad sowie Modelle der Marke „EMA“. Die Rechtsform einer Kommanditgesellschaft erhält das Unternehmen im April 1925 durch Eintritt eines nicht persönlich haftenden Gesellschafters. Die Firma „Zimmer & Gehlich Inhaber Hans Knipp“ wird 1932 von Amts wegen aus dem Handelsregister gelöscht.
Im Januar 1926 wurde in Bad Warmbrunn bei Hirschberg die „Auto-Zentrale Bad Warmbrunn GmbH“ gegründet, deren Leitung Gerhard Gehlich gemeinsam mit dem Landwirt Ernst Bothe übernahm. Das Unternehmen beschäftigte sich mit dem An- und Verkauf von Kraftfahrzeugen, betrieb eine Fahrschule, eine Reparaturwerkstatt und eine Tankstelle. Im November 1927 wurde Oberingenieur Gerhard Gehlich als Geschäftsführer der „Autozentrale Bad Warmbrunn GmbH“ abberufen.
(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. Dezember 2025)
Quellen:
(1) Deutscher Reichsanzeiger, 1919-1927
(2) Adressbuch Görlitz, 1923
(3) Adressbuch Dresden, 1924-1925
(4) Der Motorwagen, 1922
(5) Sächsische Staatszeitung, 1922-1923
(6) Dresdner Nachrichten, 1922-1925, 1932
(7) Die Voss, 1922-1924
(8) Sport im Bild, 1923
(9) Der Motorfahrer, 1923-1924
(10) Illustrierte Zeitung Berlin, 1923
(11) Illustrierte Motorzeitung, 1922
(12) Leipziger Tageblatt, 1924
(13) Berliner Börsen-Zeitung, 1924
(14) Hallische Nachrichten, 1924
(15) Kölnische Zeitung, 1924
(16) Hannoverscher Kurier, 1924
(17) Sächsische Dorfzeitung, 1924
(18) Stuttgarter neues Tagblatt, 1922-1924
(19) Berliner Tageblatt, 1924
(20) Deutsche allgemeine Zeitung, 1924
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