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Informationen zum Hersteller

Eduard Molitor, Motorradbau

Aalen in Württemberg                                                         (Dezember 1922 – ca. 1926)

E.M.A. Verkaufsgesellschaft mbH

Frankfurt am Main, Kleine Eschenheimer Straße 15            (Juli 1925 – ca. 1926)

 

Zeitgleich zu seinem Hotelbetrieb führte Eduard Molitor im Zeitraum ab Oktober 1920 in Aalen auch ein Automobilhaus. Als Alleinvertrieb für den Neckar- und Schwarzwaldkreis sowie Hohenzollern bot er ab Anfang 1921 unter anderem den DKW-Fahrrad-Hilfsmotor an. 

Komplette DKW-Motoräder und die DKW-Einbaumotoren offerierte er ab Ende 1922. Weitere Zubehörartikel wie Auto-Dynamo-Beleuchtungen waren dort ebenso erhältlich. Molitor begann des Weiteren einen Fahrradrahmenbau aufzunehmen und plante damit ab Januar 1923 in den wirtschaftlichen Motorradbau einzusteigen. Hierfür suchte er bereits im Dezember 1922 unter der Firmenbezeichnung „Eduard Molitor, Motorradbau“ einen „erfahrenen, äußerst tüchtigen, energischen Fachmann (Ingenieur)“ als Betriebsleiter. Für die entstandenen Motorfahrzeuge ließ er sich die Marke „E.M.A.“ (Eduard Molitor, Aalen) rechtlich schützen.

Mit ersten „E.M.A.“-Motorrad-Ausführungen erreichte man bereits im Jahr 1922 respektable Erfolge in diversen Sportveranstaltungen, beispielsweise bei der Nordbayerischen Zuverlässigkeitsfahrt in Schweinfurt am 6. und 7. Mai 1922, bei der Eduard Molitor auf einer 1,3 PS E.M.A. den dritten Platz in der Hilfsmotoren-Klasse erreichte. Einen Sieg erzielte Willi Stutz auf einer E.M.A im Juni 1922 in der Klasse der Kleinkrafträder bei der Stuttgarter Solitude-Bergprüfungsfahrt. Eduard Molitor und Hans Bauer aus Aalen folgten auf dem dritten und vierten Platz, Schwammberger aus Stuttgart belegte den zehnten Platz. Willi Stutz konnte weiterhin Ende August 1922 gute Platzierungen bei der Bad Kissinger Automobil- und Motorradsportwoche erreichen. Stutz und Eduard Molitor nahmen außerdem beim Siebengebirgsrennen um den Goldenen Kranz in Solingen teil und konnten dort den ersten und den zweiten Platz in der Klasse bis 175 ccm Hubraum belegen.

Das erste käufliche E.M.A.-Leichtmotorrad wurde Ende März 1923 in Werbeanzeigen angeboten. Die Tourenmaschine war mit „A 23“, die Sportmaschine mit „B 23“ bezeichnet. Angetrieben wurde das Kraftrad von einem 2,5 PS DKW-Einzylinder-Zweitaktmotor „Type M Modell II“, der mit vier Übersetzungen arbeitete. Montiert war er mit liegender Zylinderposition in einem geschlossenen Rohrrahmen und besaß eine Bohrung von 56 mm und einen Hub von 60 mm. Dies ergab 148 ccm Hubraum und entsprach 0,85 Steuer-PS. Zur Verstärkung der Motorkühlung war er mit einem zusätzlichen Ventilator ausgestattet. Die Motorleistung übertrug man mittels Riemen auf das Hinterrad. Das Vorderrad war mit einer Pendelgabel geführt, an der eine gekapselte, horizontal wirkende Feder für komfortables Fahren diente. Der Tank fasste knapp sieben Liter Mischbenzin. Als Höchstgeschwindigkeit waren in den Beschreibungen 60 km/h angegeben. Preislich lag das Leichtmotorrad Anfang 1924 bei 650 Goldmark.

Im Jahr 1923 findet man weitere erfolgreiche Sportteilnahmen. Die Gleichmäßigkeitsfahrt „Rund um Stuttgart“ am 6. Mai 1923 bestritten die beiden Fahrer Römer und Kröner auf E.M.A.-Motorrädern in der Klasse bis 250 ccm und erreichten den zweiten und den dritten Platz. Teilnehmer auf E.M.A.-Motorrädern bei der Solitude-Bergprüfungsfahrt im Juni 1923 waren unter anderem Molitor, Willi Stutz, Hans Bauer, J. Schüle und L. Riedel. Die ADAC-Reichsfahrt 1923 beendete Eduard Molitor in der Klasse der Kleinkrafträder bis 150 ccm Hubraum mit einem 15. Platz bei den Industriefahrern. Kröner konnte in der gleichen Klasse der Privatfahrer sogar den fünften Platz erreichen.

Die General-Vertretung der E.M.A.-Motorräder lag für das Gebiet Niederrhein in den Händen der „Ernst Küper & Co. GmbH“ in Düsseldorf. In Dresden konnte man im Jahr 1924 E.M.A.-Fahrzeuge bei der Firma „Zimmer & Gehlich“ erwerben. Molitor hingegen übernahm über sein Autohaus im Mai 1924 die Vertretung von Büssing Nutzfahrzeugen für das Jagstkreis-Gebiet.

Neben dem bisherigen Leichtmotorrad „A 23“ ergänzte man Ende Februar 1924 das Motorradprogramm mit den neuen Modellen „A 24“ und „B 24“. 

Die als Getriebemaschine „A 24“ bezeichnete Ausführung besaß einen 3 PS DKW-Einzylinder-Zweitaktmotor der „Type Z Modell II“, der mit vertikal ausgerichtetem Zylinder montiert war.  Versehen war dieser mit einem integrierten Zweiganggetriebe, Leerlauf, Korklamellen-Kupplung und einer Handanwerfkurbel. Die Zylinderbohrung war zunächst mit 59 mm und der Hub mit 64 mm ausgelegt, was einen Hubraum von 175 ergab und einer Steuerleistung von 1,00 PS entsprach. Auf der rechten Fahrzeugseite war zudem eine Ventilatorkühlung montiert. Das Fahrgestell glich in der Konstruktion stark dem des bisherigen Leichtmotorrades. Mit acht Liter Fassungsvermögen des Kraftstofftanks waren damit Strecken bis zu 300 km möglich. Die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 75 km/h angegeben. Im Februar 1924 war der Preis für diese Maschine mit 800 Goldmark in den Werbeanzeigen notiert. Das Modell kam ab ca. April 1924 als 2,5 PS Ausführung mit jeweils 60 mm Bohrung und Hub und somit knapp 170 ccm Hubraum und 0,972 PS Steuerleistung in den Handel. Vermutlich hatte der Motorenlieferant DKW das Antriebsaggregat leicht abgeändert.

Den Motor des Sportmodells „B 24“ bezog man nicht von DKW. Der hier verwendete 4,5 PS Zweitaktmotor mit einer Bremsleistung von 5,3 PS besaß einen Hubraum von 192 ccm. Die Zylinderbohrung war mit 60 mm bemessen, der Hub mit 68 mm. Das Dreigang-Getriebe war separat angeordnet und mit Leerlauf, Korklamellen-Kupplung und Kickstarter ausgeführt. Der Kraftstofftank fasste 8,5 Liter. Mit diesem Modell waren Geschwindigkeiten bis zu 85 km/h möglich. Der Preis für das Zweirad war im Februar 1924 mit 1100 Goldmark angegeben.

Weitere sportliche Teilnahmen von E.M.A. Motorrädern findet man 1924 zum Solitude Bergrennen vom 18. Mai, das Eduard Molitor in der Gruppe B II als Zehnter beendete. Eugen Steidle kam hier auf den 15. Platz, Karl Kugler folgte ihm auf dem 16. Platz. Beim Bergrennen Hindelang-Oberjoch erreichte Molitor einen dritten Platz der Industriefahrer in der Klasse bis 150 ccm Hubraum. Der Privatfahrer Emil Kröner jr. aus Geislingen siegte hier in der Klasse bis 250 ccm.

Zur Saison 1925 brachte das Unternehmen das Modell „A 25“ heraus. Als Motor diente hierbei der bekannte 3 PS DKW-Einzylinder Zweitaktmotor mit 0,97 Steuer-PS, was ca. 170 ccm Hubraum entsprach. Auch bei diesem Modell war der Zylinder vertikal ausgerichtet eingebaut. Im Motorgehäuse integriert war ein Zweiganggetriebe, Kickstarter und Kupplung. Die Kraftübertragung zum Hinterrad erfolgte per Gummikeilriemen. Den Rahmen fertigte man aus nahtlosgezogenen Stahlrohren. Mit acht Liter Fassungsvermögen war der dreiecksförmige Kraftstofftank ausreichend für eine Strecke von ca. 250 km dimensioniert. Die als Außenbackengummiklotzbremse ausgeführte Hand- und Fußbremsen wirkten beide auf das Hinterrad. Im Juli 1925 kostete dieses Motorrad 950 Mark.

Einen weiteren Sieg und einen zweiten Platz konnte sich die Firma Eduard Molitor beim Burrenwald-Rennen im Juni 1925 in der Senioren-Klasse bis 200 ccm sichern. In der Junioren-Klasse erzielte Erwin Bögel dort ebenfalls einen zweiten Platz.

In Frankfurt errichtete man im Juli 1925 die „E.M.A. Verkaufsgesellschaft mbH“ für den Zweck des Großvertriebs der „E.M.A.“ Motorräder in den Gebieten Hessen und Hessen-Nassau. 

Weiterhin präsentierte man Ende 1925 auf der „Deutschen Automobil-Ausstellung“ in Berlin das Modell „A 25“ nun mit einer Leistung des DKW-„Type Z, Modell III“-Getriebemotors von 4 PS bei 64 mm Bohrungsdurchmesser, einem Hub von 64 mm und somit einer Hubraumgröße von 206 ccm und einer Steuerleistung von 1,18 PS. Der Verkaufspreis wurde zudem deutlich reduziert. Das 2,5 PS Modell „A23“ sowie ein steuer- und führerscheinfreies 2 PS Modell, mit 52mm Bohrung und 60 mm Hub und somit 0,74 Steuer-PS, komplettierten das Programm der Saison 1926. Auch auf der Frankfurter Messe im April 1926 stellte man die E.M.A.-Motorräder aus. Neben seinen E.M.A.-Motorrädern lieferte Molitor aber auch Fahrzeugkomponenten wie beispielsweise Auspuffe für Motorräder und Autos.

Zur Mitte des Jahres 1926 entstand die „Fahrzeugvertrieb GmbH“ in Aalen, deren Geschäftsführer Eduard Molitor und der Kaufmann Richard Ockert waren. Als Unternehmenszweck der Firma wurde der Handel mit Kraftfahrzeugen, Fahrrädern, deren Ersatzteile sowie die Übernahme von Vertretungen angegeben. Den Motorradbau beendete man vermutlich zu dieser Zeit.

 

(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. Mai 2026)                                                                              

Quellen:

(1)   Stuttgarter neues Tagblatt, 1921-1926

(2)   Deutscher Reichsanzeiger, 1919-1928

(3)   Württemberger Zeitung, 1921-1924

(4)   Illustrierte Motorzeitung, 1922

(5)   Süddeutsche Zeitung, 1922-1924

(6)   Solinger Tageblatt, 1922

(7)   Rheinische Volkswacht, 1922

(8)   Echo der Gegenwart, 1922

(9)   Schwäbischer Merkur, 1923-1925

(10) Die Voss, 1923

(11) Der Mittag, 1923

(12) Der Motorfahrer, 1924

(13) Anzeiger vom Oberland, 1924

(14) Sächsische Dorfzeitung, 1924

(15) Münchner neueste Nachrichten, 1924-1925

(16) Adressbuch Frankfurt, 1926

(17) Badische Presse, 1925

(18) Deutsche allgemeine Zeitung, 1925

(19) Kölnische Zeitung, 1923-1925

(20) Westfälische Zeitung, 1925

(21) Biberacher Tagblatt, 1925

(22) Verbo Schussen-Bote, 1925

(23) Riedlinger Zeitung, 1926

(24) Auto-Markt, 1926


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