NMK
Informationen zum Hersteller
„Navigator“ Schiffsmotorenwerk GmbH
Amalienstraße 55
Karlsruhe
(1923–1926)
„Navigator“ Motorengesellschaft mbH
Westendstraße 1
Karlsruhe
(1926–1927)
Die 1894 als Nähmaschinenhandlung gegründete Firma „Peter Eberhardt“ entwickelte sich rasch zu einem vielseitigen Fahrzeug- und Automobilbetrieb. Zunächst ergänzten Fahrräder der Marken Dürkopp, Opel und Karola das Angebot. Ab etwa 1902 kamen Reparatur und Verkauf von Motorzweirädern und Automobilen hinzu. Die vertretenen Automobilmarken wechselten zunächst; neben Piccolo und Peugeot gehörten später insbesondere Wanderer, die bis 1929 angeboten wurden, sowie Opel dazu. Die Opel-Vertretung bestand bis zum Konkurs des Unternehmens im Jahr 1931.
Karl und Ludwig Eberhardt, die Söhne des Firmengründers Peter Eberhardt, traten 1908 als Teilhaber in das Unternehmen ein. 1909 erwarben sie das Haus Amalienstraße 57; der Firmensitz wurde 1910 innerhalb der Straße von Hausnummer 18 dorthin verlegt. Am neuen Standort standen eine moderne Ausstellungsfläche, Büro- und Lagerräume sowie eine Fahrradreparaturwerkstätte zur Verfügung. Ein 450 Quadratmeter großer Garagenanbau bot zusätzlich Platz für 50 Automobile samt Werkstatt. Im selben Jahr wurde auch das Nachbarhaus Amalienstraße 55 erworben. Im Zuge dieser Veränderungen firmierte das Unternehmen fortan als „Automobilhaus Peter Eberhardt“. Peter Eberhardt schied 1912 aus dem Betrieb aus und verstarb 1917.
Im Mai 1922 beantragte das Unternehmen den Namen „Peka“ als Warenzeichen. Die Bezeichnung leitete sich offenbar von Peter Eberhardt, Karlsruhe, ab und wurde rasch zu einem Begriff für qualitativ hochwertige, sportliche Motorrad-Seitenwagen.
Die Geschäftshäuser Amalienstraße 55–57 wurden umfassend modernisiert und erweitert. Kurz vor der Neueröffnung des Autohauses im Juni 1930 verstarb Mitinhaber Karl Eberhardt; seine Ehefrau Margarete übernahm daraufhin seine Firmenanteile.
Am 1. Oktober 1931 wurde das Konkursverfahren über die Firma sowie über die Privatvermögen von Margarete und Ludwig Eberhardt eröffnet. Erst vier Jahre später konnte es nach langem Hin und Her abgeschlossen werden.
Die „Navigator“ Schiffsmotorenwerk GmbH in Karlsruhe wurde am 23. März 1922 gegründet. Unternehmenszweck war die Herstellung und der Vertrieb von Schiffsmotoren, insbesondere der unter dem Namen „Navigator“ angebotenen Motoren. Zum Geschäftsführer wurde Karl Eberhardt bestellt; seine Ehefrau Margarete erhielt Prokura. Mit der „Navigator“ sowie der zwei Monate später gegründeten „Peka Fahrzeugbau Karlsruhe GmbH“, die Seitenwagen herstellte, erschlossen sich die Brüder Eberhardt neben dem Autohaus zusätzliche Geschäftsfelder. Alle drei Unternehmen waren in der Karlsruher Amalienstraße angesiedelt.
Im Juni 1922 bot das Unternehmen patentgeschützte Zweitakt-Bootsmotoren mit Leistungen von 2,5 PS, 5 PS und 10 PS für Innen- und Außenbordbetrieb an. Vermutlich erwies sich dieses Geschäftsfeld jedoch als nicht ausreichend tragfähig. Ende 1924 wurde die Firma in „Navigator“ Motorengesellschaft mbH umbenannt. Der Geschäftszweck konzentrierte sich fortan auf Herstellung und Vertrieb von Kleinmotoren unterschiedlicher Art, insbesondere der weiterhin unter dem Namen „Navigator“ geführten Motoren.
Unter der Marke NMK wurde daraufhin ein Fahrradhilfsmotor angeboten. Die Bezeichnung NMK steht vermutlich für die Anfangsbuchstaben von „Navigator-Motorengesellschaft mbH, Karlsruhe“. Gefertigt wurde der Motor bei der Magnetzünderfabrik Unterberg & Helmle.
Der effektiv 0,75 PS starke Einzylinder-Zweitakt-NMK-Radmotor ließ sich an jedes gewöhnliche Fahrrad anbauen. Zur Befestigung wurde die Vorderradgabel durch eine separate Hilfsgabel ergänzt. Federnd aufgehängt, trieb der Motor das Vorderrad über ein Winkelrad an; Riemen oder Kette waren nicht erforderlich. Bei 37 mm Hub und 42 mm Bohrung ergab sich ein Hubraum von gut 50 ccm. Erreicht wurden Geschwindigkeiten von bis zu 32 km/h. Die Nutzung war steuerfrei und ohne Führerschein möglich.
Neben dem eigenen „Automobilhaus Peter Eberhardt“ übernahm Albert Meier aus Durlach die Markenvertretung des NMK-Motors. Außerdem wurde der Motor über die Berliner Niederlassung von Unterberg & Helmle in der Köpenickerstraße 40/42 vertrieben. Im November 1925 wurde er dort für 183 Reichsmark angeboten; ein Fahrrad mit angebautem Motor kostete 297 Reichsmark. Präsentiert wurde der NMK-Radmotor zudem auf der Deutschen Automobilausstellung in Berlin 1925 sowie auf der Technischen Frühjahrsmesse in Leipzig 1926. Eine weitere Verwendung fand der 7,5 kg schwere Motor bei Invalidendreirädern.
Die enge Verbindung zu Unterberg & Helmle (UH) zeigte sich auch personell und räumlich. Bereits im September 1924 erhielt Dr. Theodor Stern Prokura bei der „Navigator“ Schiffsmotorenwerk GmbH. Der Karlsruher Diplom-Ingenieur war einer der Geschäftsführer von UH. Zudem befand sich der Sitz der „Navigator“ Motorengesellschaft mbH vermutlich bereits 1925 in der Westendstraße 1. Eigentümer der Immobilie war Adolf Mann, ein weiterer Gesellschafter von UH. Am 17. Mai 1927 übernahm Adolf Mann die Geschäftsführung der „Navigator“. Karl Eberhardt, Gretel Eberhardt und Dr. Theodor Stern schieden aus der „Navigator“ aus; Stern schied zugleich auch bei UH aus.
Noch in der Adressbuchausgabe der Stadt Karlsruhe für die Jahre 1932/33 wurde die „Navigator“ Motoren-Gesellschaft mbH an der Westendstraße 1 geführt. Im Februar 1935 wurde die Firma jedoch von Amts wegen aus dem Handelsregister gelöscht.
Anmerkung: Die von NMK genutzte Motoranordnung über dem Vorderrad findet sich auch bei Herstellern wie Beck, Cockerell, Delta, Flottweg und Motolop.
(Zusammengestellt von Frank Grüneboom, Juni 2026)
Quellen
Adressbücher
Adressbuch der Stadt Karlsruhe: 1923; 1925; 1926; 1927; 1928; 1932/33.
Zeitungen und Zeitschriften
Allgemeine Automobil-Zeitung: 1926.
Badischer Beobachter: 1930.
Badische Landeszeitung: 1897; 1917.
Badische Presse: 1900; 1902; 1903; 1907; 1909; 1910; 1925; 1926; 1927.
Badische Wirtschaftszeitung: 1922; 1930; 1931.
Der Volksfreund: 1926; 1931.
Deutscher Reichsanzeiger: 1922; 1927; 1935.
Durlacher Tagblatt: 1925; 1926.
Karlsruher Tagblatt: 1899; 1910; 1912; 1922; 1927; 1930; 1935.
Karlsruher Zeitung: 1924; 1933.
Kölnische Zeitung: 1925.
Neue Mannheimer Zeitung: 1925.
Firmen- und Werbematerial
Prospektblatt „NMK-Radmotor“, 1925.
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