Motolop
Informationen zum Hersteller
Motolop Motoren GmbH
Bahnhofstraße 13
Mannheim-Käfertal
(28.05.1920-12.11.1920)
Ende Mai 1920 wurde die Motolop Motoren GmbH gegründet. Zweck des Unternehmens waren die Herstellung und der Vertrieb von Motoren und Motorfahrzeugen. Die Geschäftsführung übernahmen zunächst der Ingenieur Alexander Richard Dähnert und der Kaufmann Karl Lynker.
Der Firmensitz lag in der Bahnhofstraße 13 in Mannheim-Käfertal. Unter derselben Anschrift war auch Ferdinand Schlimms Mechanische Werkstätte ansässig. Schlimm übernahm bereits Anfang August 1920 die Geschäftsführung von Karl Lynker.
Gut drei Monate vor der Gründung der GmbH war unter dem Markennamen „Motolop“ ein von Alexander Richard Dähnert entwickelter Fahrradhilfsmotor vorgestellt worden. Der stehende Viertakt-Einzylinder-Motor wurde am Steuerrohr des Fahrrads montiert und saß damit oberhalb des Vorderrads. Eine konstruktive Besonderheit war die Trennung von Motorgehäuse und außenliegender Schwungmasse; dadurch konnte der Schwerpunkt tiefer liegen. Der dadurch entstehende Zwischenraum bot Platz für einen Bosch-Magnetzünder. Zur besseren Kühlung waren die Ventile an der Vorderseite angeordnet. Für den 1 PS leistenden Motor wurden im März 1920 eine Bohrung von 56 mm und ein Hub von 66 mm angegeben; daraus ergab sich ein Hubraum von etwa 163 ccm. Der Kraftstoffverbrauch soll bei 2 Litern auf 100 km gelegen haben. In der „Illustrierten Motorzeitung“ vom September 1922 werden bei unveränderter Leistung eine Bohrung von 50 mm und ein Hub von 50 mm genannt; dies entsprach einem Hubraum von etwa 98 ccm. Gestartet wurde der Motor von Hand mittels Kickstarter. Der Antrieb auf das Vorderrad erfolgte über einen Keilriemen mit zwischengeschalteter Leerlaufkupplung. Eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 50 km/h soll möglich gewesen sein. Einschließlich Tank betrug das Gesamtgewicht 12,5 kg. Motolop lieferte zu diesem Motor eine verstärkte Vorderradgabel, die die gewöhnliche Fahrradgabel ersetzte.
Am 12. November 1920 wurde das Konkursverfahren über das Firmenvermögen eröffnet. Sieben Tage später, am 19. November, schied Ferdinand Schlimm als Gesellschafter aus. Hinweise auf eine Fortführung des Unternehmens oder eine Produktion nach der Konkurseröffnung sind bislang nicht bekannt. Der oben erwähnte Artikel in der „Illustrierten Motorzeitung“ aus dem Jahr 1922 könnte jedoch auf eine spätere Weiterführung oder zumindest auf eine fortbestehende Vermarktung hindeuten
Die Firma „Ferdinand Schlimm Maschinen- und Apparatebau“ in Mannheim-Käfertal wurde nach Ferdinand Schlimms Tod im Jahr 1930 von dessen Witwe Emma weitergeführt.
Anmerkung: Die von Motolop genutzte Motoranordnung über dem Vorderrad findet sich auch bei Herstellern wie Beck, Cockerell, Delta, Flottweg und NMK.
(Zusammengestellt von Frank Grüneboom, Juni 2026)
Quellen
Adressbuch Mannheim, 1919–1921; 1924.
Deutscher Reichsanzeiger, 1920; 1931.
General-Anzeiger für Bonn und Umgegend, 1921.
Illustrierte Motorzeitung, 1922.
Karlsruher Zeitung, 1920.
Mannheimer General-Anzeiger, 1920.
Neckar-Bergstrass-Post, 1930.
Neue Mannheimer Zeitung, 1926.
Wiener Sport-Tagblatt, 1920.
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