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KG (Krieger-Gnädig)

Informationen zum Hersteller

Gebr. Krieger                                                                    

Suhl, Rimbachstraße 41                                        (Januar 1920 – Juli 1922)

Motorfahrzeugbau Gebrüder Krieger GmbH

Suhl, Lauter 40                                                (Dezember 1924 – 1935)

Rennsteig Motorradwerk Hermann Schilling

Suhl, Schneid                                                   (März 1927 – Juli 1937)

 

Die Firma „Gebr. Krieger“ wurde am 1. Januar 1920 als offene Handelsgesellschaft von dem Kaufmann Peter Krieger sowie den Ingenieuren Oskar und Max Krieger gegründet. Das Unternehmen hatte sich auf die Produktion von Motorfahrzeugen spezialisiert, insbesondere auf Motorräder. Im August 1921 wurde der Kaufmann Karl Siegmund zum Prokuristen ernannt.

Die Brüder Krieger stammten aus Krefeld, wo Peter Krieger vor dem Ersten Weltkrieg als Buchhalter arbeitete. Gemeinsam mit seiner Mutter Christine Krieger lebte er in der Alten Linnerstraße 64. Ein weiterer Bruder, Karl Krieger, war um 1909 Chauffeur des Kaisers und zählte zu den ersten Piloten mit Flugführerzeugnis. Er wohnte in Berlin-Johannisthal und war zuletzt bei der Germania-Flugzeugwerke GmbH am Leipziger Luftschiffhafen beschäftigt. Am 30. August 1918 kam er beim Absturz während eines Überführungsfluges ums Leben.

Die Marke „Krieger-Gnädig“

Gemeinsam mit dem Berliner Ingenieur Erich Gnädig wurde eine Motorradkonstruktion entwickelt, die unter dem Markennamen „Krieger-Gnädig“ oder „K.-G.“ bekannt war. Basis der Konstruktion war ein von Erich Gnädig patentierter Dreiecksrahmen mit leistungsstarkem Motor. Zusätzlich wurde durch die Firma „Gebr. Krieger“ ein Gebrauchsmusterschutz für einen Motorradrahmen beantragt. Die Motorkonstruktion griff zahlreiche Prinzipien aus dem Flugmotorenbau auf, einem Bereich, für den sich Erich Gnädig (siehe unter „Gnädig“) bereits vor dem Ersten Weltkrieg stark interessierte.

Werbeabbildungen des Motorrads aus dem Jahr 1920 zeigen noch eine skizzenhafte Variante mit einer Parallelogramm-Vorderradgabel, die in dieser Art aber nicht ausgeführt wurde. In der Serie kam stattdessen eine Pendelgabel mit vertikal montiertem Blattfederpaket zum Einsatz. Der Dreiecksrahmen entsprach größtenteils den Patentskizzen. Für mehr Fahrkomfort war der Sattel mit Parallelogrammfederung ausgestattet. Bereits ein Jahr später wurden technische Details präziser beschrieben: Der luftgekühlte Einzylinder-Viertaktmotor hatte einen Hub von 99 mm und eine Bohrung von 80 mm, was etwa 498 ccm Hubraum und 1,92 Steuer-PS ergab. Die Bremsleistung betrug 4 PS. Im Inneren kam ein Aluminiumkolben zum Einsatz. Die hängenden Ventile waren über Kipphebel und Stoßstangen gesteuert, die an der Vorderseite des Motors angebracht waren. Der Auspuff befand sich seitlich rechts am Zylinder, während der Zündmagnet vorne am Kurbelgehäuse platziert war. Eine vom Motor angetriebene Pumpe sorgte mittels Umlaufschmierung für die Ölversorgung der wichtigen Komponenten. Das ans Motorgehäuse angebaute Dreiganggetriebe mit Leder-Konuskupplung wurde per Schalthebel in der Tankmitte bedient und leitete die Kraft via Kardanantrieb ans Hinterrad weiter. Der Tank fasste 10 Liter Kraftstoff. Am Hinterrad wirkten eine fußbetätigte Innenbackenbremse und eine handbetätigte Außenbandbremse. Gestartet wurde das Motorrad per Kickstarter. Bei einem Gesamtgewicht von rund 120 kg konnte eine Höchstgeschwindigkeit von circa 100 km/h erreicht werden.

Generalvertretungen für das Motorrad waren im Gebiet Sachsen die Leipziger Handlung von Gustav Haferkorn, in München bei Ingenieur Max Kehl, in Mannheim die „Motorrad-Zentrale“ von Karl Lövenich sowie in Nürnberg bei August Heinz ansässig. In Berlin-Charlottenburg wurden K.G.-Motorräder im Motorrad-Spezialhaus der Gebrüder Retiene angeboten. Darüber hinaus erfolgte der Vertrieb in Amsterdam über den Importeur „H.S.N. Menko & Co.“.

Der Kölner Hersteller Cito zeigte Interesse an der Erweiterung seines Zweiradprogramms und prüfte daher das Produktangebot der Gebrüder Krieger. In der außerordentlichen Hauptversammlung der Cito-Werke Aktiengesellschaft am 3. Juli 1922 wurde über die Übernahme der Firma „Motorfahrzeugbau Gebrüder Krieger“ abgestimmt und deren Akquisition beschlossen. Das Suhler Unternehmen wurde als betriebswirtschaftlich solide bewertet und verfügte über umfangreiche Rohstoffbestände. Die Produktion der schweren Motorräder wurde in Suhl unter Leitung der neuen Eigentümer fortgeführt. 

Das Modell zeichnete sich durch zahlreiche sportliche Erfolge aus. Bei der Solitude-Bergprüfungsfahrt bei Stuttgart im Juni 1922 erhielten Wilhelm Böbel und Max Krieger aus Suhl in der Klasse bis 750 ccm zwei der insgesamt vier Ehrenpreise. In der Kategorie bis 500 ccm Hubraum wurden Oskar Krieger sowie Fritz Heer aus Pforzheim mit Ehrenpreisen ausgezeichnet. Auch nach dem Verkauf an Cito nahm Oskar Krieger weiterhin erfolgreich an Wettbewerben auf einem „Krieger-Gnädig“-Motorrad teil, etwa bei der Veranstaltung „Durch Schlesiens Berge“ im August 1922. Ebenso waren Max und Oskar Krieger mit einer K.G.-Maschine für die Bad Kissinger Autowoche im September 1922 gemeldet. Beim Solitude-Bergrennen im Juni 1923 erschienen die Brüder Krieger erneut mit ihren Maschinen in der offiziellen Teilnehmerliste. Weitere Informationen zur Entwicklung des „Krieger-Gnädig“-Motorrads finden sich in den Einträgen zu „Cito“ und „Allright“. In den folgenden Jahren betrieben die Gebrüder Krieger in Suhl weitere Unternehmen.

So wurde Oskar Krieger im Mai 1922 Geschäftsführer und Inhaber der „Sumag, Suhler Maschinen- & Apparatebau-Gesellschaft mbH“, die seit Oktober 1921 bestand. Das Unternehmen stellte Maschinen, Maschinenteile, Apparate sowie Fahrzeugteile her und vertrieb diese. Im Frühjahr 1926 wurde die Firma aufgelöst.

Im Dezember 1922 übernahm Peter Krieger die Geschäftsführung der neu gegründeten Suhler Firma „Farmav, Fahrzeug- und Maschinen-Vertrieb, GmbH“. Das Unternehmen widmete sich dem Vertrieb sowie gegebenenfalls der Herstellung von Maschinen, Fahrzeugen und Sportartikeln. Nachweislich bestand die Firma mindestens bis ins Jahr 1925.

Um 1924 startete Max Krieger als Industriefahrer bei Rennen in der 500-ccm-Klasse häufig auf Motorrädern der Nürnberger Victoria Werke, beispielsweise bei der Eisenacher Bergprüfungsfahrt im August desselben Jahres. Bereits im Dezember 1923 hatte er gemeinsam mit Oskar Krieger die „Motorfahrzeughandels-GmbH“ in Suhl gegründet, deren Geschäftsfelder unter anderem die Herstellung und der Vertrieb von Motorfahrzeugen und Maschinen sowie Reparaturdienste und Fahrzeugvertrieb umfassten. Die Firma bestand mindestens bis zum Jahr 1928.

Die Marke „Original-Krieger“

Die Firma „Motorfahrzeugbau Gebrüder Krieger GmbH“ wurde am 9. Dezember 1924 in Suhl gegründet und stand unter der Leitung des Ingenieurs Oskar Krieger. Das Unternehmen widmete sich der Produktion und dem Vertrieb von Motorfahrzeugen und Maschinen. Darüber hinaus übernahm es Reparaturarbeiten sowie verschiedene Vertretungen.

In deren Werbeanzeigen tauchte ein Motorradmodell auf, das stark an die erste Krieger-Gnädig erinnerte, wobei der weiterhin verwendete Doppelrohrrahmen einige kleinere Modifikationen aufwies. Der oben gesteuerte Einzylinder-Viertaktmotor mit 500 ccm war ebenfalls als Blockkonstruktion mit dem Getriebe dargestellt. Anders als zuvor ähnelte die Auslassseite nun gewöhnlichen Zylindern. Die verbesserte Kardananbindung von Allright kam auch hier zum Einsatz. Der Zündmagnet befand sich hinter dem Zylinder, während die Kotflügel weiter nach unten gezogen waren und die Räder über Innenbackenbremsen verfügten. Die Parallelogrammfederung des Sattels wurde weggelassen. Oskar Krieger fuhr mit solch einer Original-Krieger bei der Deutschlandfahrt im März 1925.

Ende November 1925 übergab Oskar Krieger die Geschäftsführung an den Suhler Fabrikbesitzer Ernst Hermann Schilling. Im Jahr 1926 wurde unter der neuen Leitung das Motorradmodell „K. II“ eingeführt, dessen Konzeption konventioneller gestaltet war. Die bisherige Blockkonstruktion des Antriebs wich einem seitengesteuerten 350 ccm Einzylinder-Viertaktmotor der englischen Marke Blackburne mit einer Bohrung von 71 mm und einem Hub von 88 mm sowie außenliegender Schwungscheibe. Die Kraftübertragung erfolgte über einen Kettenantrieb zum Hinterrad sowie über ein separates Hurth-Dreigang-Getriebe mit Leerlauf, Korklamellenkupplung. Innenbackenbremsen kamen bei beiden Rädern zum Einsatz, der Schalthebel wurde weiterhin mittig am Tank positioniert. Das Gesamtgewicht der Maschine lag bei 110 kg. Dieses Motorrad war ab Werk für 1.220 Mark erhältlich, auch eine bequeme Ratenzahlung wurde angeboten.

Die Motorradproduktion der GmbH endete vermutlich Ende 1926 und wurde im Anschluss daran von der Firma „Rennsteig Motorradwerk Hermann Schilling“ fortgeführt. Im Mai 1934 übernahm Oskar Krieger, der inzwischen in Krefeld lebt, als alleiniger Gesellschafter die Geschäftsführung der GmbH. Im Juni 1935 wurde beschlossen, die Gesellschaft aufzulösen und in eine Einzelfirma umzuwandeln. Die Geschäfte führte ab diesem Zeitpunkt Oskar Krieger als Einzelkaufmann und Alleininhaber fort.

Die Marke „Rennsteig“

Am 12. März 1927 wurde im Handelsregister Suhl die Firma „Rennsteig Motorradwerk Hermann Schilling“ eingetragen. Alleiniger Eigentümer war der Fabrikant Hermann Schilling, der bereits seit 1907 auch die „Ernst Friedrich Schilling, Suhler Waffen- und Fahrradschmiede“, ein Holzsägewerk sowie eine Schmiede zur Herstellung von Waffen- und Fahrradteilen führte. Paul Schilling erhielt als Kaufmann Prokura. Unter dem neuen Markennamen setzte das Unternehmen die Produktion und den Vertrieb der „Original-Krieger“ Motorräder fort.

Ab dem Jahr 1927 und in den folgenden Jahren wurden laut Preislisten diese Modelle angeboten:

Die oben genannten Modelle waren mit Münchner Hurth-Getrieben sowie vermutlich Tiger-Federgabeln der Firma KLM aus Köln ausgestattet. Optional konnten die Rennsteig-Maschine mit dem patentierten Dehne-Schaltlenker versehen werden. Mit dem zusätzlichen Produktangebot separat gesenkgeschmiedeter Rahmenfittinge ist davon auszugehen, dass das Unternehmen die Rahmen der genannten Motorradausführungen eigenständig fertigte. Dieses nachweisbare Qualitätsbewusstsein war vermutlich auch ausschlaggebend für die Gewährung einer dreijährigen Garantie auf die Fahrgestelle.

Die Motorräder, die gelegentlich als „Rennsteig-Krieger“ bezeichnet wurden, nahmen selten an sportlichen Wettbewerben teil. Beim Gabelbach-Bergrennen am 24. Juli 1927 erreichte Keller aus Fulda den zweiten Platz in der Klasse bis 350 ccm, gefolgt von seinem Landsmann Gaß, der den dritten Platz belegte.

Hermann Schilling verstarb am 13. März 1929. Nach seinem Tod wurde zunächst ein Vergleichsverfahren und schließlich ein Konkursverfahren über seinen Nachlass eröffnet. Im Zuge dessen bot der Nachlassverwalter Bruno Meffer das Rennsteig-Motorradwerk, einschließlich der Fabrikationseinrichtung und des Markennamens, zum Verkauf oder zur Vermietung an. Die Firma wurde im Juli 1937 durch behördliche Entscheidung aus dem Handelsregister gelöscht.

 

(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. März 2026)

Quellen:

(1)   Deutscher Reichsanzeiger, 1920-1937

(2)   Berliner Börsen-Zeitung, 1907, 1920

(3)   Adressbuch Krefeld, 1914

(4)   Adressbuch Suhl, 1925, 1928

(5)   Leipziger Tageblatt, 1918

(6)   Der Motorfahrer, 1920

(7)   Kölnische Zeitung, 1922

(8)   Hallische Nachrichten, 1922

(9)   Süddeutsche Zeitung, 1922-1923

(10) Stuttgarter neues Tagblatt, 1922

(11) Kölnische Zeitung, 1922

(12) Illustrierte Motorzeitung, 1922

(13) Handelsadressbuch Berlin, 1922

(14) Mannheimer General-Anzeiger, 1922

(15) Neue Mannheimer Zeitung, 1925

(16) Karlsruher Tagblatt, 1925

(17) Motor und Sport, 1926-1929

(18) Das Motorrad, 1930

(19) Wiener Sporttagblatt, 1927

(20) Allgemeine Sport Zeitung, 1927

(21) Hallische Zeitung, 1927

(22) Auto- und Motorrad-Markt Pössneck, 1926


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