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Astra

Informationen zum Hersteller

Astra-Motorengesellschaft mbH
Luisenstraße 58, München
(15.03.1923- mind. September 1924)
Forstenriederstraße 1, München 
(mind. Dezember 1924 - 31.08.1926)

Landsbergerstraße 123, München (etwa Juni 1923 - August 1924)
(vermutlich Fertigung bzw. Werkstatt, keine offizielle Firmenanschrift)

 

Die Münchener „Astra-Motorengesellschaft mbH“ wird am 15.03.1922 gegründet. Mit Eintragung ins Handelsregister beschreibt man den zukünftigen Firmenzweck mit der Herstellung und dem Vertrieb von Motorrädern und Kraftfahrzeugen. Bereits im ersten Monat tritt man als Generalvertretung der Münchener „Otto-Werke GmbH“ auf und vertreibt deren Motorfahrräder, die unter dem Markennamen „Flottweg“ angeboten werden (siehe Flottweg).

Unter dem Namen „Astra“ bietet man ein eigenes Zweizylinder-Motorrad mit einem 2,6 PS Motor an, eine Verkaufsanzeige dokumentiert dies bereits im Oktober 1922. Bei diesem Motor handelt es sich um den bekannten Bosch-Douglas-Motor der „Stockdorfer Motorenwerk AG“ (siehe SMW). Diese hat die Fabrikation von der „Robert Bosch AG“ übernommen, um das Aggregat für die Verwendung als Motorrad-Einbaumotor umzurüsten. Dazu erhielten sie von Bosch das Alleinerzeugungsrecht, die gesamten Vorrichtungen sowie die Werkzeuge.

Bei der „Astra-Motorengesellschaft mbH“ scheint es neben der Firmenadresse, der Luisenstraße 58 in München, von Mitte 1923 bis Herbst 1924 eine Werkstatt bzw. Fertigung an der Landsbergerstraße 123 in München gegeben zu haben. Zumindest werden an dieser Anschrift Mitarbeiter gesucht bzw. später Gewerberäume zur Vermietung angeboten. 

Im Mai 1924 beteiligt sich Astra an der Motorrad-Sport-Ausstellung in Stuttgart. Das eigene Motorrad verfügt weiterhin über den längs eingebauten Zweizylinder Bosch-Douglas-Motor. Die Leistungsangaben variieren in dieser Zeit zwischen 2,6 PS, 2,75 PS bzw. 3 PS. Ausgestattet ist das Kraftrad mit einem Zweinganggetriebe.

Von Beginn an sind der Kaufmann August Krüppel und der Ingenieur Bruno Ollech für die „Astra-Motorengesellschaft mbH“ als Geschäftsführer tätig. Ab Juni 1924 tritt der Kaufmann Emil Peltzer-Teacher als weiterer Geschäftsführer auf. August Krüppel verlässt Anfang November 1924 die Firma und gründet mit der „Motorfahrzeug Vertrieb, A. Krüppel“ an gleicher Anschrift (Luisienstraße 58, München) ein neues Unternehmen. Dieses übernimmt die Generalvertretung der „Otto-Werke GmbH“ und der „Astra-Motorengesellschaft mbH“. Zu dieser Zeit verlegt die Letztgenannte ihren Firmensitz an die Forstenriederstraße 1 in München.

Ende 1924 werden die neuen Modelle für das Geschäftsjahr 1925 vorgestellt. Diese verfügen weiterhin über Rohrrahmen, machen jedoch mit ihrem runden Tank einen modernen und dynamischen Eindruck. Angeboten werden diese mit folgenden Motoren:

350 ccm

Blackburne

ohv

(Sportmodell)

350 ccm

Blackburne

sv

(Tourenmodell)

350 ccm

JAP

ohv

 

550 ccm

Blackburne

sv

 


Alle Modelle sind mit einem Burman-Dreiganggetriebe ausgestattet.

Das 350 ccm Tourenmodell mit dem untengesteuerten Einzylinder Blackburne-Motor verfügt über eine Bohrung von 71 mm und einen Hub von 88 mm, dies entspricht einer Leistung von 1,3 Steuer-PS, die Bremsleistung wird mit ca. 8 PS angegeben. Montiert ist ein Amac-Vergaser und ein Bosch-Magnet. Die Ölung erfolgt automatisch aus einem 3,5 Liter Öltank, zusätzlich steht eine Handpumpe zur Verfügung. Der Brennstofftank fasst 9 Liter. Anfangs sorgt eine Druid-Federgabel für Fahrkomfort, ab Dezember 1924 werden in Werbeanzeigen von Astra die moderneren Parallelogrammgabeln mit Zentralfederung abgebildet. Vorderrad und Hinterrad sind mit je einer Astra-Bremsnabe ausgestattet, die per Hand bzw. Fuß bestätigt werden. Die Bremsnaben werden von Astra gefertigt und auch anderen Fahrzeugherstellern angeboten. Mit seinen zwei seitlichen Werkzeugkästen wiegt das Zweirad ca. 90 kg.  

Das Sportmodell ist baugleich, jedoch mit dem oben aufgeführten Blackburne 350 ccm ohv Motor ausgestattet. Beim ebenfalls verfügbaren JAP 350 ccm ohv Motor dürfte auch eine Doppelport-Version verbaut worden sein. 

Vermutlich ab Mai 1925 wird der 550 ccm Motor von Blackburne im Modellprogramm durch einen 500 ccm JAP sv Motor ersetzt. August Krüppel verlangt im Herbst für dieses Modell 1750 Reichsmark (RM), das 350er Spormodell kostet 1600 RM und das 350er Tourenmodell 1500 RM. 

Astra Motorräder werden in Cannstatt und Stuttgart durch die Firma Wilhelm Merkle und in Augsburg durch Anton Mair vertrieben. 

Im Sommer des Jahres 1926 scheint man sich auf die seitengesteuerten Modelle zu konzentrieren. Der wirtschaftliche Erfolg blieb wohl aus, so dass die Gesellschaft Ende August 1926 aufgelöst wird.

Sportliche Aktivitäten sind zu Astra ab April 1923 dokumentiert. Ludwig Fischer wird Fünfter auf der Berg- und Flachprüfungsfahrt bei Landshut-Geisenhausen in der Klasse bis 7 PS mit einer 2,6 PS Astra. Er siegt am gleichen Tag auf einer Flottweg in der Klasse bis 2,5 PS. Seinen ersten Sieg auf Astra erzielt er bei der Zuverlässigkeitsfahrt „Durch Bayerns Berge“ im Juni 1923. 

Ludwig Fischer wird im Juli 1924 in der 350er Klasse Dritter beim Motorradrennen in Mühldorf und im September Zweiter bei der Ruselbergfahrt. Der Geschäftsführer Bruno Ollech vertritt die eigene Marke im gleichen Jahr erfolgreich mit einer Goldenen Plakette bei der Gesellschaftsfahrt nach Baden Baden.

Mit den neuen 350er Modellen mit Motoren von Blackburne und JAP startet Astra sehr erfolgreich in die Motorsportsaison 1925. So belegen Ludwig Fischer und Ernst Henne den 2. und 3. Platz beim Ettaler-Bergrennen anlässlich der ADAC-Winterfahrt, Henne fährt hier eine Astra-Blackburne. Bernhard Werner aus Suhl wird am 14. Juni Erster beim Bergrennen in Saalfeld. Die schnellste Zeit der Motorräder fährt Ernst Henne im gleichen Monat beim Burrenwald Rennen, sein Markenkollege Hierlemann wird Dritter bei den Junioren. Einen Monat später ist Henne beim Bahnrennen in Augsburg mit seiner 350er Astra erneut der schnellste Fahrer des Tages. Gleiches gilt für Josef Hasenknopf aus Endorf beim ebenfalls im Juli stattfindenden Motorradrennen in Moosburg. Zu erwähnen sind für den Monat August noch der zweite Platz von Fischer bei der ADAC-Bergprüfungsfahrt bei Freiburg und der Sieg von Henne beim ADAC-Oberjochrennen. Im italienischen Monza fährt Henne im September dann noch auf den 6. Platz mit seiner 350er Astra-JAP.

Deutlich weniger Rennerfolge erzielte man im Jahr 1926. Zu nennen sind hier noch der Sieg des Suhlers O. Schröpfer im Juni bei der Bergprüfungsfahrt auf dem Ködelberg bei Kronach und der Sieg mit der besten Zeit für Motorräder von Bernhard Werner bei der 3. Naumburger Bergprüfung im August des Jahres. 

Weitere Fahrer auf Astra-Motorräder in den Jahren waren Karl Adam, Landolf Rhode, Hans Prieger, Bauer, Fritz Maien, Schöller, Karl Eisinger, Willi Oesterlein, Hans Sandler, Dirscherl und Otto Schötter. 


(Zusammengestellt von Frank Grüneboom, März 2026)

Quellen:

Adressbuch Augsburg 1926
Adressbuch München, 1923-1926
Allgemeine Automobil Zeitung, 1925
Allgemeine Zeitung, 1924-1925
Anzeiger vom Oberland, 1925
Astra Motorradprospekt, ca. 1924
Auto und Kraftrad, 1925
Badische Presse, 1924-1925
Berliner Börsen-Zeitung, 1925
Biberacher Tagblatt, 1925
Coburger Zeitung, 1926
Das Motorrad, 1925
Der Motorfahrer, 1923-1924
Der Rottumbote, 1925
Deutscher Reichsanzeiger, 1922, 1924
Illustrierte Motorzeitung, 1925 
Karl Reese, Motorräder aus München, 2005 (Werbeanzeige Seite 11, ursprüngliche  Quelle nicht bekannt)
Merseburger Korrespondent, 1926
Motor und Sport, 1925-1926
Münchner Neueste Nachrichten, 1922-1929
Österreichischer Europa Motor, 1925
Rosenheimer Anzeiger, 1924-1925
Sportzeitung des Stuttgarter neuen Tagblatts, 1925
Stuttgarter neues Tagblatt, 1924-1925
Württemberger Zeitung, 1925


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