Alba
Informationen zum Hersteller
Alba-Werk
Fabrik für Automobil- und Flugzeugteile GmbH
Pasewalker Chaussee (03.08.1918-07.12.1921)
Stettin-Möhringen
Alba-Werk
Fabrik für Motore und Motorfahrzeuge GmbH
An der Pasewalker Allee (ab 07.12.1921-1926)
Stettin-Möhringen
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Stettiner Präzisionsmaschinen Fabrik, Eisen- u. Metallgießerei GmbH
Elsenstraße 9.10 (1923 bis mind. 1930)
An der Pasewalker Chaussee (1926-1927)
Stettin-Möhringen
Möhringer Präzisionswerke GmbH
An der Pasewalker Chaussee (06.05.1927-bis in die 1930er Jahre)
Stettin-Möhringen
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Fahrzeug-Vertrieb
Manfred Baruch
Körnerstr. 75 a (ab 20.05.1926 -existierte noch 1932)
Stettin
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Firmengeschichte:
Alfred Baruch, der Namensgeber der Marke „Alba“, beschäftigt sich in Rügenwalde (Ostsee) mit der Fabrikation und dem Vertrieb von Fahrrädern. Hierzu lässt er bereits im Mai 1905 das Warenzeichen „Bogislaw“ eintragen. Seine Einzelfirma erlischt zwei Jahre später.
(Anmerkung: Im weiteren Verlauf wird der Markennamen „Bogislav“ geschrieben, ob es sich hier um einen Schreibfehler handelt, ist leider nicht nachvollziehbar.)
Mit der „Bogislav-Fahrrad-Industrie Inh. Alfred Baruch“ verfolgt Herr Baruch sein Projekt anschließend im ca. 45 km östlich gelegenen Stolp weiter. Diese Firma wird im Juli 1912 in „Automobil-Centrale Alfred Baruch, Inh. Paul Strohmenger“ umbenannt und von Paul Strohmenger weitergeführt.
Bereits im November 1911 wird die „Automobil-Centrale Alfred Baruch“ in Stettin eingetragen. Alfred Baruch zieht es auch privat nach Stettin, was gut 250 km weiter westlich liegt.
Seine „Automobil-Centrale“ befindet sich zu Beginn in der Falkenwalder Straße, ab ca. 1924 am Paradeplatz in Stettin. Eine dazugehörige Garage und Werkstatt befinden sich ab 1917 an der Pasewalker Chaussee, Stettin-Möhringen, dem späteren Firmensitz der Alba-Werke. Seit 1917 ist Alfred Baruch Generalvertreter der Opel-Werke, ab 1920 der Büssing-Werke und ab 1924 ergänzen die Produkte der Dixi Fahrzeugfabrik als dritte Marke das Angebot.
Parallel zu seiner Automobilvertretung beantragt Alfred Baruch im April 1918 das Markenzeichen „ALBA“ und „ALBA-WERK“. Daraufhin wird im August die „Alba-Werk Fabrik für Automobil- und Flugzeugteile GmbH“ gegründet.
Alba entwickelt und produziert einen 1,5 PS Viertakt Fahrrad-Einbau-Motor. Die dazugehörige Schutzmarke FEM und das zeitgleich verwendeten Dreipunktlogo lässt sich Walter Dieterle aus Leipzig schützen (siehe Dieterle). Zusammen mit Markardt & Winter aus Swinemünde (siehe Mawi) teilt Walter Dieterle sich den Vertrieb der Alba-Motoren in Deutschland. Mit einer Bohrung von 60 mm und einem Hub von 70 mm verfügt der Motor über einen Hubraum von knapp 196 ccm. Er wird schrägstehend in den Motorrad- oder Fahrradrahmen eingebaut und mittels Schellen befestigt. Der Antrieb erfolgt über einen Keilriemen. Ausgestellt wird das Produkt 1921 auf der Nürnberger Sportwoche und der Berliner Automobilausstellung. Im Oktober bietet man den Motor auch in einem verstärkten Fahrradrahmen an.
Zu dieser Zeit befinden sich in den Montagehallen der Alba-Werke fast 100 Werkzeugmaschinen. Alle Einzelteile des FEM-Alba werden im eigenen Betrieb bearbeitet. Alba hat sich bis dahin bereits einen guten Ruf in der Automobil- und Flugzeugteile-Branche erworben. Das Leipziger Tageblatt aus dem Jahr 1923 berichtet, dass Alba seit 1920 eigene Motoren und ab 1921 eigene Rahmen gefertigt hat.
Da sich das Unternehmen immer mehr auf die Fabrikation von Motoren und Motorfahrzeuge konzentriert, wird es im Dezember 1921 unbenannt in „Alba-Werk Fabrik für Motore und Motorfahrzeuge GmbH“.
Der Alba Generalvertreter für Südbayern, die Last-Kraftwagen-Gesellschaft Riepp & Horn, stellt auf der Deutschen Gewerbeschau in München 1922 einen eigenen Spezialrahmen mit Alba-Motor aus. Auch Eugen Seeger bietet in seinen Vomo-Leichtmotorrädern wahlweise Alba- bzw. Snob-Motoren an. Auf der Düsseldorfer Fachausstellung für Fahrräder und Hilfsmotoren 1922 wird Alba durch die Firma F.W. Schmidt (siehe Silvania) vertreten. Die Zweiräder der Firma Haja weisen ebenfalls starke Ähnlichkeit mit denen von Alba auf. Verbaut wurden die Motoren ebenso bei Motofa (im Jahre 1925) und augenscheinlich auch bei Runge.
Die Alba-Werke verfügen schnell über ein überregionales Netz an Vertretern und Abnehmern ihrer Produkte, damit grenzen sie sich deutlich von den meisten Herstellern ihrer Zeit ab, denen oft selbst eine regionale Bedeutung verwehrt bleibt.
Neben dem oben beschriebenen Einbaumotor wird auch ein 1,5 PS Leichtmotorrad mit diesem Motor angeboten. Hierfür ist alternativ zum Direktantrieb eine untersetzte Riemenscheibe oder ein Zweiganggetriebe gegen Aufpreis erhältlich. Im Dezember 1922 ergänzt man die Produktpalette um einen stärkeren Viertaktmotor. Dieser wird als 2 PS Motorfahrrad mit untersetzter Riemenscheibe oder als 2,5 PS Leichtmotorrad mit Zweiganggetriebe angeboten. Beide Motoren verfügen über eine Bohrung von 65 mm und einen Hub von 76 mm. Der Zylinder ist stehend ausgerichtet. Im März 1923 entfiel die Steuervergünstigung für dieses Zweirad, sodass es im Spätsommer 1923 nicht mehr annonciert wurde.
Dafür werden im Herbst auf der „Deutschen Automobilausstellung“ zwei Neukonstruktionen für das Modelljahr 1924 präsentiert. Es steht ein Getriebemotorrad als Type A 2,25 PS (200 ccm) und als Type B 3 PS (250 ccm) zur Auswahl. Die stehend angeordneten ohv-Motoren haben birnenförmige Zylinder mit einem abnehmbaren Zylinderkopf. Das Kurbelgehäuse, das Getriebe und der Ölbehälter mit automatischer Zahnradpumpe bilden eine Einheit. Die Schwungmasse liegt nun außerhalb des Kurbelgehäuses auf der linken Motorseite. Das Modell A kann steuerfrei und ohne Führerschein gefahren werden. Es verfügt über eine effektive Leistung von 3 bzw. 3,25 PS. Der Stahlrohrrahmen wird im eigenen Werk hergestellt. Die 3 PS Ausführung verfügt über einen stärker dimensionierten Rahmen, ansonsten entspricht sie konstruktiv dem kleineren Modell. Die Leistung liegt bei ca. 4,25 Brems-PS.
Alba Motorräder werden 1924 im Ausland unter anderem auf dem Genfer Autosalon und auf der Wiener Motorradausstellung präsentiert. Auch in Italien finden sich Verkaufsanzeigen für das Alba-Leichtmotorrad.
Im Inland werden im Dezember 1924 auf der „Deutschen Automobilausstellung“ in Berlin die neuen Modelle für das Jahr 1925 vorgestellt. Die Type A – 3 PS Tourenmaschine nutzt den bekannten 200 ccm Motor des Vorjahres, die effektive Leistung wird mit 3,25 PS angegeben. Die Type B - 4 PS ist baugleich, der Motor verfügt über 250 ccm und 4,5 Brems-PS.
Gleichzeitig werden beide Maschinen als Sportmodell angeboten. Diese unterscheiden sich durch einen Sportlenker und Fußrasten anstatt Fußbrettern. Als Höchstgeschwindigkeit wird bei der Type A Sport 75 km/h und bei der Type B Sport 80 km/h genannt.
Neu ist auch das Gepäck-Dreirad Type G 2,25 PS. Es verfügt über den 3 PS Motor der Tourenmaschine und ist somit ebenfalls steuer- und führerscheinfrei zu fahren. Die Preise liegen Mitte 1925 bei 1675 Reichsmark (RM) für das Gepäck-Dreirad, 1150 RM für des 3 PS Modell bzw. bei 1250 RM für das 4 PS Zweirad. Zu dieser Zeit stellt Alba vermutlich vom Riemenantrieb auf Kettenantrieb um.
Im Januar 1926 wird ein weiteres Modell beworben. Ausgestattet mit dem 350 ohv-Kühne-Motor wird das Modell C 25 mit einer Leistung von 12 PS angegeben.
Wie lange bei Alba Zweiräder gefertigt wurden ist leider anhand der vorliegenden Unterlagen nicht ermittelbar. Am 19. September 1925 wird das Konkursverfahren über die Alba-Werke GmbH eröffnet. Ende November 1925 wird das Konkursverfahren über das Vermögen des Alfred Baruch eröffnet. Darunter fällt auch das ihm gehörende Grundstück „An der Pasewalker Chaussee“, auf dem sich das Alba-Werk befindet.
Bereits im Februar 1926 werden diese Räumlichkeiten durch die „Stettiner Präzisionsmaschinen-Fabrik“ genutzt, deren Hauptsitz an der Elsenstraße 9.10 liegt. Sie setzt anfangs noch die Fertigung der Alba-Krafträder und Motore fort. Auch die Fertigung von Ersatzteilen und Reparaturen der Räder gehören zum Angebot. Im Mai 1926 bietet man noch 50 Maschinen u.a. mit Kühne-Motor an. Mit Eintragung der „Möhringer Präzisionswerk GmbH“ ins Handelsregister im März 1927 übernimmt diese den Firmensitz an der Pasewalker Chaussee. Geschäftsführer ist, wie bei der parallel existierenden Fima „Stettiner Präzisionsmaschinen-Fabrik“, u.a. Richard Kirsten. Teilweise finden sich noch Handbücher und Ersatzteillisten des Modelljahres 1925, die nachträglich auf die „Möhringer Präzisionswerk GmbH“ umgestempelt wurden.
Die „Automobil-Zentrale“ am Paradeplatz geht an den technischen Kaufmann Max Porcher über, er führt im Jahr 1926 neben der Vertretung von Opel auch die Marke Alba, aber bereits im darauffolgenden Jahr offeriert er nur noch Fahrzeuge von Opel.
Mit der Firma “Fahrzeug-Vertrieb Manfred Baruch“ bietet im Mai 1926 ein weiteres Unternehmen ebenfalls Reparaturen an Alba Motorrädern sowie Ersatzteile und Umbauten von steuerpflichtig gewordenen Alba Maschinen auf steuerfreie Maschinen an. Sie wird erst am 12. Januar 1926 ins Handelsregister von Stettin eingetragen und hat ihren Firmensitz an der Körnerstr. 75 a in Stettin. Inhaber ist bis November 1927 Manfred Baruch, der bereits Ende 1923 Prokurist bei Alba war. Danach übernimmt Alfred Hirsch das Unternehmen, dass noch bis in die 1930er Jahre existierte.
Nachdem im April 1927 das Konkursverfahren über das Vermögen von Alfred Baruch eingestellt wird, gründen Alfred und Manfred Baruch im Oktober die „Opel Verkaufsgesellschaft Alfred und Manfred Baruch“ in Frankfurt (Oder) mit einer Zweigniederlassung in Landsberg (Warthe) als offene Handelsgesellschaft. Gesellschafter sind der Kaufmann Alfred Baruch, Frankfurt (Oder), Diplomkaufmann Manfred Baruch, Landsberg (Warthe) und Frau Gertrud Baruch, geb. Loewy, Frankfurt (Oder). Diese Firma gerät 1931 in finanzielle Schwierigkeiten.
Anmerkung:
Es bestand kein Bezug der Alba-Werke Stettin zu einem französischen Autohersteller der 1910er und 1920er Jahre, sowie zu einem italienischen Automobilwerk der 1910er Jahre, die beide ebenfalls den Markennamen Alba nutzten.
Als Generalvertreter der Alba-Werke wirbt die „Hagener Fahrzeug-Industrie GmbH“ mit der Herstellung von Alba-Fahrrädern und Fahrradersatzteilen. Auch hier liegen keine detaillierten Unterlagen vor, die näheren Einblick auf die Fahrradproduktion und mögliche Zusammenhänge zu den Stettiner Alba-Werken geben.
Die „Illustrierte Motorzeitung“ vom 21. September 1922 weist darauf hin, dass der Gruhn Motor dem Alba völlig gleicht, auch in Leistung und Bohrung/Hub. Es sind nicht die einzigen Motoren, die dem Alba Motor ähneln, so trifft dies auch auf Produkte von Bubi, Cambra, Charlett, EBS, und RS Schmidt zu.
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Modellübersicht:
Es beginnt mit dem Alba Einbau-Motor. Informationen zu diesem, auch als FEM-Alba (Fahrrad-Einbau-Motor) bezeichneten Aggregats, findet sich im August 1921 in einer Werbeanzeige, lt. Zeitungsartikel des Leipziger Tageblatt aus dem Jahr 1923 soll der Motor aber schon 1920 von Alba gefertigt worden sein.
Für den 1,5 PS Viertaktmotor mit seitlich gesteuerten Ventilen (sv) wird eine Bohrung von 60 mm und ein Hub von 70 mm angegeben. Daraus resultieren ca. 0,75 Steuer-PS, dies entspricht etwa 196 ccm. Der Kolben ist aus Spezialguss und verfügt 1921 noch über drei, ab 1922 über zwei Kolbenringe. Die Schwungmasse befindet sich im Aluminiumkurbelgehäuse, auf der Antriebsseite läuft die Kurbelwelle in einem Kugellager. Mitgeliefert wird ein Graetzin Vergaser Typ GS 16.
Eine Handpumpe zur Schmierung ist schräg rechts im Benzintank eingebaut. Dieser fasst 3 Liter Benzin und 1 Liter Öl. Der Zündmagnet (Fischer 30/1) wird über Zahnräder angetrieben, welche gekapselt auf der rechten Motorseite liegen. Der Motor wiegt etwa 12 kg und ermöglicht mittels Keilriemenantrieb Höchstgeschwindigkeiten von 50 km/h bzw. Steigungen von bis zu 10 Grad.
Das Triebwerk kann mittels Schellen in das Rahmendreieck eines „jeden Fahrrades“ eingebaut werden. Dabei wird der Motor schräg nach vorne geneigt montiert, die Kühlrippen verlaufen nach dem Einbau waagerecht.
Schon früh bietet man auf Wunsch ein kräftiges Rad an. Verbaut werden Alba-Motoren bei Konfektionären wie Riepp & Horn, Eugen Seeger (Vomo) und Motofa.
Die Motorgehäuse unterschieden sich auf der Antriebsseite. Bei der frühen Version ist der Alba Schriftzug unten am Gehäuse zu finden, bei einer späteren Ausführung unterhalb des Zylinderfußes. Noch im Juli 1924 wird der Motor von Alba beworben.
Neben diesem Motor fertigt Alba eine weitere Komponente für Motorzweiräder. Das Alba-Getriebe für Leichtmotorräder wird ab Juli 1923 annonciert. Es verfügt über zwei Gänge, eine Kupplung, Leerlauf und einen Kickstarter. Das Gewicht wird mit ca. 4 kg angegeben. Anfangs wird es für Motorräder bis 2 PS beworben, im Jahr 1924 dann für Motorräder bis 2,5 PS. Natürlich ist das Getriebe Bestandteil der eigenen Produkte, auf die nun näher eingegangen wird.
Das Alba-Leichtkraftrad 1,5 PS verfügt über 0,75 Steuer-PS und somit knapp 200 ccm. Bei einer 60 mm Bohrung und einem Hub von 70 mm entsprechen die Daten dem FEM Alba-Einbau-Motor. Dieser wird schräg nach vorne geneigt in einen u-förmigen Spezialrahmen eingebaut. Die Vorderradfederung erfolgt über eine Hilfsgabel und Kurzschwinge. Eine Freilaufbremsnabe und eine Riemenfelgenkeilbremse verzögern das Hinterrad. Der Tank fasst 3 Liter Benzin und 1 Liter Öl. Verkauft wird das Zweirad 1922 mit Hupe, Laterne, Nummernschild, Kippständer und gegen Mehrpreis mit einer elektrischen Beleuchtung und Gepäckträger. Auf Wunsch steht eine untersetzte Riemenscheibe zur Wahl.
Gegen Ende des Jahres wird ein Zweiganggetriebe optional angeboten, es dürfte sich dabei um das oben beschriebene, eigene Getriebe gehandelt haben. Durch den Einbau erhöht sich das Gewicht des Fahrzeugs von 40 kg auf 45 kg. Dafür sind dann Steigungen bis zu 15 Grad möglich. Der Schalthebel befindet sich am oberen Rahmenrohr.
Im Jahr 1924 ersetzt man die 26x1,75 Zoll Räder durch 26x2 Zoll Räder. Unverändert besteht die Wahl zwischen einem direkten Antrieb, der untersetzten Riemenscheibe oder dem Zweiganggetriebe. Der Kraftstoffverbrauch wird in der „Flugwelt“ 1923 mit 1,8 Liter angegeben.
Als Generalvertreter der Alba-Werke und Konfektionär stellt die „Last-Kraftwagen-Gesellschaft Riepp & Horn“ ihr eigenes „Alba“ Modell mit Zweiganggetriebe im April 1922 auf der Deutschen Gewerbeschau in München aus. Es verfügt über einen eigenen Rahmen und eine Pendelgabel. Im März 1923 erscheint von dieser Firma eine Anzeige, die ein modifiziertes Modell zeigt. Es verfügt über eine moderne Parallelogrammgabel und einen geschlossenen Kettenkasten. Die Pedale sind durch Fußbretter ersetzt worden.
Beim Alba-Motorfahrrad 2 PS ist der Motor und Zylinder nun senkrecht stehend montiert. Der Kolben besteht aus Spezialguss und hat drei Kolbenringe.
Der auf 65 mm Bohrung und 76 mm Hub erweiterte Motor mit Graugusszylinder verfügt über eine Leistung von 0,96 Steuer-PS und somit ca. 250 ccm Hubraum. Unverändert bleibt die innenliegende Schwungmasse, das Kugellager auf der Antriebsseite, eine Ölung durch Handpumpe sowie der Antrieb über einen Lederkeilriemen.
Wie das 1,5 PS Leichtkraftrad verfügt dieses Modell 1922/1923 ebenfalls über die schmalere 26x1,75 Zoll Bereifung. Der Tank hat mit 5 Liter Benzin und 1,5 Liter Öl ein deutlich größeres Fassungsvermögen. Mittels untersetzter Riemenscheibe und der höheren Leistung sind 60 km/h bzw. 10 Grad Steigung möglich. Auch hier verzögern eine Freilaufbremsnabe und eine Riemenfelgenkeilbremse das Rad.
Das Alba-Leichtmotorrad 2,5 PS wird ebenfalls Ende 1922 eingeführt, es verfügt serienmäßig über ein Zweiganggetriebe. Die Abmessungen des Zylinders entsprechen mit 65 mm Bohrung und 76 mm Hub denen der 2 PS Version. Für diese Type wird eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h und eine maximale Steigung von 15 Grad angegeben. Letztmalig wird das Modell Ende März 1923 anlässlich der ersten österreichischen Motorradausstellung in den vorliegenden Quellen erwähnt.
Auf der Automobilausstellung in Berlin werden im Herbst 1923 die neuen Modelle des Alba-Getriebemotorrades – Modell 1924 vorgestellt. Dabei dürfte die Type A 2,25 PS die oben beschriebene 2,5 PS Version ersetzt haben. Dieses steuerbefreite Zweirad, das auch ohne Führerschein genutzt werden kann, ist mit einem ohv-Einzylinder-Viertaktmotor ausgestattet. Dieser Motor hat eine Bohrung von 60 mm, einen Hub von 69 mm, einen Hubraum von 195 ccm und leistet 0,745 Steuer-PS. Die Leistung wird mit 3 PS effektiv bzw. 3,25 Brems-PS angegeben. Die Motor-Getriebe-Einheit wurde neu konstruiert, so bilden Kurbelgehäuse und Zweiganggetriebe zusammen mit dem rippengekühlten 1,5 Liter fassenden Ölbehälter eine Einheit. Das Gehäuse ist ohne Teilfugen aus Aluminiumguss gefertigt. Die Kurbelwelle läuft in Doppel-Kugellagern. Eine automatische Zahnradpumpe im Kurbelgehäuse sorgt für die Schmierung. Der Zylinder steht senkrecht und hat eine Tropfenform, die in den Prospekten als Birnenform bezeichnet wird. Der Zylinderkopf ist abnehmbar, der Kolben aus Aluminium gefertigt. Auf der linken Motorgehäuseseite befindet sich die außenliegende Schwungmasse. Nochmals erweitert wird der Brennstofftank, der nun ausschließlich 7 Liter Benzin fasst. Das Zweirad erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h, hat eine Hinterradbremse und ein Gewicht von ca. 70 kg. Unverändert wird das Vorderrad mittels Hilfsgabel und Kurzschwinge gefedert, die Räder haben eine Größe von 26x2 Zoll.
Neben einer Tourenmaschine wird auch eine Sportversion angeboten.
Als zweites Modell bietet Alba 1924 die Type B 3 PS an. Mit 66 mm Bohrung und einem Hub von 73 mm ergibt sich ein Hubraum von 249,7 ccm bzw. 0,953 Steuer-PS. Die Bremsleistung dieser Maschine liegt bei ca. 4,25 PS. Hierdurch wird eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h erzielt. Abweichend zur Type A 2,25 PS werden zwei unabhängige Hinterradbremsen eingebaut. Die Zeitschrift „Der Motorfahrer“ aus dem Jahr 1924 berichtet, dass der Rahmen gegenüber der 2,25 PS Version bedeutend stärker dimensioniert wurde. Die Maschine wiegt 75 kg. Auch hier steht neben der Tourenmaschine eine Sportversion im Angebot.
Neu ins Programm des Jahres 1924 wird noch das Gepäckdreirad Typ G 2,25 PS aufgenommen. Das Transportdreirad richtete sich an Gewerbetreibende und ist aufgrund seiner Steuerfreiheit attraktiv. Daneben benötigt man keine Zulassung und es kann ohne Führerschein gefahren werden. Das Rahmenheck wird durch Blattfedern gedämpft, der Antrieb erfolgt über ein Vorgelege mittels Kette, die Nutzlast wird mit 150 kg bzw. 4-5 Zentnern angegeben. Verbaut ist der 2,25 PS-Motor der Tourenmaschine, das Dreirad kostet im Januar 1925 1650 Reichsmark und wird bis Sommer 1925 von Vertretern der Marke Alba angeboten.
Auf der „Deutschen Automobilausstellung“ in Berlin werden im Dezember 1924 die Modelle des Jahres 1925 vorgestellt. Abweichend zum Vorjahr sorgt eine Parallelogrammgabel mit zwei seitlichen Federn für Dämpfung. Auch der Auspufftopf wurde verändert. Das vordere Schutzblech ist an den Seiten heruntergezogen. Zwei seitlich am Gepäckträger montierte Kästen mit Ledertaschen ersetzen den vormals hinten am Gepäckträger angebrachten Werkzeugkasten. Der vormals direkt am Getriebe wirkende Handschalthebel wird durch eine Tankschaltung ersetzt.
Die Type A 3 PS Tourenmaschine wird im Januar 1925 für 1150 Reichsmark angeboten. Sie verfügt über den bekannten 200 ccm Motor des Vorjahres, die effektive Leistung wird mit 3,25 PS angegeben. Die technischen Daten sind leicht abweichend bzw. präziser angegeben, so beträgt die Bohrung 60 mm, der Hub 69,4 mm, dies ergibt 0,749 Steuer-PS bzw. einen Hubraum von 196 ccm. Verzögert wird das Krad nun über Komet Nabenbremsen im Vorder- und Hinterrad.
Die optional verfügbare Type A Sport unterscheidet sich durch einen Sportlenker und Fußrasten anstatt Fußbrettern. Das Sportmodell kommt auf eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 75 km/h.
Die Type B 4 PS Tourenmaschine verfügt im Modelljahr 1925 über die gleichen Modifikationen wie die Type A 3 PS. Der größere 250 ccm Motor wird vom Modell B des Jahres 1924 übernommen. Auch hier steht eine Sportversion zur Verfügung, dieses Modell B Sport bietet eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Ab März des Jahres scheint man das Sportmodell auf einen Kettenantrieb modifiziert zu haben. Im Juli kostet diese Alba 1250 Reichsmark.
Beim letzten Motorradmodell von Alba, dem Modell C 25 12 PS, verzichtet man auf den hauseigenen Motor und nutzt nun den 350 ccm ohv-Einbaumotor von Kühne. Bei 1,35 Steuer-PS gibt man ca. 13 Brems-PS als Leistung an. Verbaut ist ein separates Getriebe. In einer undatierten Werbeanzeige wird der Primärtrieb mit einem offenen Kettenkasten abgebildet, historische Fotoaufnahmen dokumentieren aber auch eine Version mit geschlossenem Primärkettenkasten. Der sportliche Charakter der Maschine wird durch Fußrasten und Kettenantrieb unterstrichen.
Vermutlich wird eines dieser Modelle am 28.06.1925 beim Motorradrennen in Swinemünde eingesetzt, zumindest nimmt dort eine 349 ccm Alba Sport teil. Eine erste Werbeanzeige fand sich im Januar 1926. Deutlich nach der Insolvenz der Alba-Werke werden im Mai 1926 noch Maschinen dieses Typs von der „Stettiner Präzisionsmaschinenfabrik Eisen- und Metallgießerei GmbH“ angeboten.
Rennsportgeschichte:
Alba selbst wirbt im April 1922 u.a. mit dem zweiten Platz bei der „Internationalen Bergprüfungsfahrt Königsaal-Jilowischt“, dem ersten Platz auf der Radrennbahn in Turin sowie mit der besten Zeit bei der „Bergprüfungsfahrt des Mitteldeutschen Auto- und Motorradklubs“. Im Oktober wird der Leipziger Alba-Vertreter Kurt Hödel Fünfter seiner Klasse bei der Reichsfahrt.
Auch wenn Alba bei der ADAC-Winterfahrt 1923 die beste Zeit aller Kleinkrafträder bis 0,75 Steuer PS erreicht, so läuft das weitere Jahr weniger erfolgreich. In Swinemünde wird Hödel Zweiter in der Laienklasse bis 200 ccm, Aurich wird bei der Reichsfahrt 1923 Siebter in der Klasse bis 250 ccm. Im September trägt man den „Große Alba-Preis“ in Braunschweig aus. Hier belegt Lentz den vierten und Hödel den fünften Platz in der Klasse bis 250 ccm.
Mit neukonstruierten Alba ohv-Modellen startet man in die Sportsaison 1924. Die Zeitschrift „Der Motorfahrer“ berichtet, dass diese Sportmodelle mit einer Wasserkühlung ausgestattet sind. Mit einer Pendelgabel nach System „Druid“, einem geänderten Zylinderkopf, dessen Auslassseite nach hinten ausgerichtet ist, und einer hochgelegten Auspuffanlage, die sich auf der rechten Fahrzeugseite befindet, weichen die Modelle deutlich von den ebenfalls neu eingeführten Serienmodellen ab. Siege durch Braun und Ponath sowie ein zweiter Platz von Michaelis bei der Fernfahrt „Rund um das Stettiner Haff“, Siege von Braun, Berkhahn* und Gebhard bei der „Dauerprüfungsfahrt Breslau-Stettin“ sowie ein Sieg Schröders bei der Zuverlässigkeitsfahrt „Rund um den Ruppiner See“ beweisen die Leistungsfähigkeit der Maschinen. Beim Avus Motorradrennen in Mai wird Hönicke Dritter, den zweiten Preis holt er sich beim Motorradrennen in Oelsnitz. Anschließend siegt Berkhahn (Stettin) auf Alba beim damals größten Motorradrennen Deutschlands, dem Bäderrennen von Swinemünde.
Die Wettbewerbsfähigkeit sinkt im Folgejahr wieder, zwar ist Otto Weber bei der „ADAC-Deutschlandfahrt“ in der 250er Klasse erfolgreich, aber nennenswerte Siege bleiben weitestgehend aus. Beim Hainbergrennen wird Stolberg Zweiter bis 150 ccm und Dritter bis 250 ccm, er siegt anschließend beim Rennen „Hannover-Hamburg-Hannover“ in der Klasse bis 175 ccm, hier wird Weber Zweiter.
Die erste 350er Alba wird im Juni 1925 beim Bäderrennen in Swinemünde erwähnt. Vermutlich wurde das Modell mit dem 350er Kühne Motor ausgestattet und bereits eine Woche vorher bei der 4. Bergprüfungsfahrt des ADAC in Gottleuba-Hellendorf eingesetzt. Paul Lemke* aus Stettin wird hier Dritter, Kurt Dietze aus Dresden Siebter.
Letztmalig findet sich ein Alba-Rennsieg im Juni 1926 beim Internationalen Motorradrennen in Leipzig durch Hödel in der 250er Klasse.
Alba vertrieb seine Produkte sehr erfolgreich und überregional. So wundert es nicht, dass Alba auch auf sehr vielen überregionalen Motorsportveranstaltungen vertreten und erfolgreich war. Dennoch kann man festhalten, dass der Schwerpunt der Erfolge auf Zuverlässigkeitsfahrten liegt. Mit den neuen ohv-Modellen 1924 wurde das Renngeschäft wieder belebt, doch bereits 1925 fehlte erneut die Wettbewerbsfähigkeit. Die 350er Modelle mit Kühne Motor kamen vermutlich erst Mitte 1925 zum Einsatz, nur 3 Monate vor dem Konkurs des Unternehmens.
*(in der Literatur finden sich abweichende Schreibweisen für „Berkhahn / Berghahn“ und „Lemke / Lemcke“)
(Zusammengestellt von Frank Grüneboom, Dezember 1925)
Quellen:
Adressbücher Stettin 1911-1927, 1929-1931
Allgemeine Automobil Zeitung 1923
Badische Presse 1925
Behandlungsvorschriften über Alba Leichtmotorräder
Bergische Zeitung 1926
Berliner Börsenzeitung 1922, 1924
Berliner Tageblatt 1922, 1924
Der Auto-Markt 1926
Der Mittag 1922
Der Motorfahrer 1921-1924
Deutscher Reichsanzeiger 1905, 1907, 1911-1912, 1918, 1921-1924, 1927-1928, 1931
Die Motorräder des Jahres 1923 – Verlag der Automobilwelt – Flugwelt
Die Voss 1922, 1923
Dresdner Nachrichten 1925
Beckumer Volkszeitung 1924
Behandlungsvorschrift für das Alba Getriebemotorrad
Ersatzteile-Katalog für Alba-Getriebemotorräder Type A und B
Hallische Nachrichten 1925
Hamburger Fremdenblatt 1922
Hamburgischer Correspondent 1923
Hannoverscher Kurier 1923-1925
Illustrierte Motorzeitung 1924
Kleinauto und Kraftrad 1924-1925
Kölnische Zeitung 1924
Leicht-Motorräder C. Walther Vogelsang,1. Auflage 1923
Leipziger Tageblatt 1923
Mannheimer General-Anzeiger 1922
Münchner neueste Nachrichten 1922-1925
Österreichischer Motor - der Flug 1924
Prospekt „Die Drei Punkte des FEM-Alba“
Prospekt „Der zuverlässigste und stärkste aller Fahrrad-Einbau-Motore“
Prospekt „ALBA das führende Leicht-Motorrad“ 8/1923
Prospekt „ALBA-Getriebe ALBA Einbau-Motor“ 7/1924
Prospekt „ALBA das führende Getriebemotorrad“
Riesaer Tageblatt 1926
Stuttgarter neues Tagblatt 1922-1923, 1925
undatierte Werbeanzeigen (2)
Weißeritz-Zeitung 1921
Westfälisches Tageblatt 1925
Wittener Tageblatt 1925
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