Velo
Informationen zum Hersteller
Julius Ehlgötz
Humboldtstraße 19
Karlsruhe
(1919 bis Januar 1932)
Auto- und Motorenklinik GmbH
Humboldtstraße 19
Karlsruhe
(gegründet 21. Januar 1932)
Die mechanische und elektrotechnische Installationswerkstätte Julius Ehlgötz in Karlsruhe ist bereits 1919 in regionalen Zeitungen nachweisbar. Der Firmensitz befand sich in der Humboldtstraße 19.
In der Werkstatt entstand der sogenannte Velo-Einbaumotor. Als Zweitakt-Motor ausgelegt, ähnelt seine Bauart Motoren von Hanfland und Herko. Im Oktober 1921 warb der Karlsruher Franz Zerr für den Velo-Motor. Wie zu dieser Zeit üblich, wurde das Aggregat zunächst in einfache Fahrradrahmen eingebaut. Zerr nannte eine Höchstgeschwindigkeit von 72 km/h, die für diese Fahrzeugkategorie vergleichsweise hoch erscheint. Er verwendete den Velo-Motor auch für Leichtkrafträder. Ab September 1922 ist das von ihm gefertigte „Zerro-Rad“ dokumentiert (siehe Zerro).
Auch Julius Ehlgötz fertigte auf Grundlage des Motors ein Zweirad. Das Velo-Leichtmotorrad leistete 1,4 PS. Zu den für 1922 bekannten Vertreibern dieser Motorfahrräder zählten neben Franz Zerr u. a. Grab & Sedlmayer in Donaueschingen, Christ. Kammerer in Saulgau, Friedr. Schneider in Kehl, Alois Islinger in Mannheim, Auto-Ell in Stuttgart (siehe Auto-Ell), Jos. Heneberg in Kempten im Allgäu, Friedr. Besenbruch in Frankfurt a. M. und Robert Rösch in Pforzheim.
Robert Rösch belegte am 18. Juni 1922 beim Solitude Bergrennen den vierzehnten Platz in der Klasse der Kleinkrafträder und Fahrräder mit Hilfsmotoren. Bereits am 28. Mai 1922 siegt der Mannheimer Fritz Heidt bei der Zuverlässigkeitsfahrt des Motorfahrer-Club Mannheim in der Klasse der Fahrräder mit Hilfsmotoren bis 150 ccm.
Mit dem Modell 23 wird 1923 ein technisch weiterentwickeltes Fahrzeug vorgestellt. Es besaß einen stehend montierten 2,5-PS-Motor, Kupplung, Kickstarter und Riemenantrieb. Das Vorderrad verfügte über eine Pendelgabel mit horizontaler Federung. Zur Verringerung der Verschmutzung umfasste der vordere Kotflügel das Vorderrad auch seitlich. Im selben Jahr siegte Ehlgötz im Juli auf einer 2,5-PS-Velo bei der Bergprüfungsfahrt von Malsch nach Freiolsheim. Im August gewann der Karlsruher Jörg in der Klasse bis 250 ccm das Motorrad- und Automobilturnier in Herrenalb.
Im Jahr 1924 standen drei Leistungsstufen mit 2 PS, 3 PS und 4 PS zur Auswahl. Ab Herbst warb Ehlgötz mit Motorleistungen von 2,5 PS und 3,5 PS, wobei das leistungsstärkere Motorrad mit einem englischen Zweiganggetriebe ausgestattet war. Ein Einbaumotor mit 2,5 PS wurde einschließlich Magnet und Vergaser für 145 Reichsmark (RM) angeboten. Ein passender Rahmen mit Riemenfelge kostete 75 RM.
Der Karlsruher Fahrer Born wurde am 13. April 1924 Zweiter der Klasse II B bei der Bergprüfungsfahrt Durlach–Thomashof. Beim ersten Karlsruher Wildparkrennen belegte er im August in der Klasse bis 250 ccm ebenfalls den zweiten Platz.
Ein Prospektblatt, vermutlich auf den Jahreswechsel 1924/1925 zu datieren, nennt folgende Modelle:
Type 1: 1,5 PS aus ca. 129 ccm mit Zweigang-Übersetzungsnabe
Type 2: 2,5 PS aus ca. 181 ccm mit Zweigang-Übersetzungsnabe oder mit Zweiganggetriebe, Kupplung und Kickstarter
Type 3: 3 PS aus ca. 235 ccm mit Zwei- oder Dreiganggetriebe, Kupplung und Kickstarter
Die nun verbaute Parallelogrammgabel erinnert mit ihren seitlichen Federn an die Druid-Gabel dieser Zeit.
Auf der Karlsruher Handwerks- und Industrieausstellung vom 2. Mai bis 1. Juni 1925 präsentierten die „Velo Motorradwerke Julius Ehlgötz“ ein von Ingenieur Münchbach[i] konstruiertes neues Zweirad. Das als „VW-Motorrad“ bezeichnete Modell besaß einen seitengesteuerten 4-PS-Viertaktmotor mit ca. 350 ccm Hubraum und englischem Dreiganggetriebe. Die Spitzenleistung wurde mit 7 PS angegeben; die Höchstgeschwindigkeit soll bis zu 90 km/h betragen haben. Wahlweise standen Riemen- oder Kettenantrieb zur Verfügung. Das Modell besaß zudem eine Parallelogrammgabel, einen Stecktank und einen vermutlich von der Firma „Johest-Werke GmbH“ stammenden Auspufftopf. Der Preis betrug im August 1250 RM.
Bei der Schwarzwald-Winterfahrt im November 1925 belegten Binninger den ersten und Post den sechsten Platz in der Klasse bis 350 ccm.
Im Adressbuch für die Landeshauptstadt Karlsruhe aus dem Jahr 1926 werden unter dem Motorradhersteller Julius Ehlgötz Getriebemaschinen von 350 bis 700 ccm erwähnt; weitere Hinweise auf eine „Velo“ mit mehr als 500 ccm liegen bislang nicht vor.
Noch 1927 annoncierte Ehlgötz seine Motorräder; die Linienführung des Modells blieb unverändert. Angeboten wurden zwei Motorvarianten: 350 ccm für 1020 RM und 500 ccm für 1125 RM. Kostenfreier Fahrunterricht wurde als zusätzlicher Service angeboten. Mitte des Jahres endeten die Werbeaktivitäten für Zweiräder; danach firmierte Julius Ehlgötz als Automobil- und Motorradzylinderschleiferei.
Bei der Karlsruher Motorrad-Gymkhana errang Menzinger 1927 in der Klasse bis 350 ccm noch einen ersten Platz. Danach sind keine weiteren motorsportlichen Erfolge von „Velo“-Motorrädern nachweisbar.
Anfang 1932 wurde die „Auto- und Motorenklinik GmbH“ in Karlsruhe, Humboldtstraße 19, gegründet. Unternehmensgegenstand war die Auto- und Motorradzylinder- sowie Kurbelwellenschleiferei, die Reparatur und Instandsetzung von Motoren aller Art sowie die Fabrikation und der Handel mit Kraftwagen und Motorrädern.
Später wurde das Unternehmen in die Essenweinstraße 46 verlegt. Dort entstanden in der Nachkriegszeit Leichtkrafträder vom Typ Rapido. In den 1960er Jahren erfolgte der Umzug in der Printzstraße. Das Unternehmen spezialisierte sich auf die Fertigung von Druckluftkompressoren.
(Zusammengestellt von Frank Grüneboom, Mai 2026)
Quellen
Adressbuch Karlsruhe. 1921; 1925 – 1926.
Badischer Beobachter. 1924 – 1925.
Badische Neueste Nachrichten. 1951.
Badische Presse. 1922; 1925 – 1929.
Badische Gewerbe- und Handwerkerzeitung. 1919.
Durlacher Wochenblatt. 1927.
Karlsruher Tagblatt. 1921 – 1927; 1929; 1934.
Karlsruher Zeitung. 1932.
Mannheimer General-Anzeiger. 1922.
Prospekt „Velo. Das rassige Geschäfts- und Tourenrad“. O. J. [ca. 1924].
Stuttgarter Neues Tagblatt. 1922; 1925.
Süddeutsche Zeitung. 1922.
Website der Firma Ehlgötz: https://ehlgoetz.de/. Abgerufen im Mai 2026.
[i] Vermutlich handelte es sich um Kurt Münchbach. Dieser fuhr neben Ludwig Jahraus am 27. September 1925 bei der „Bruchsaler Zuverlässigkeitsfahrt“ in der Klasse über 350 ccm mit einer „Münchbach“ auf den siebten bzw. 8 Platz. Eine weiter Münchbach wurde bei der Motorrad Gymkhana am 09. Oktober 1927 in Karlsruhe vom Karlsruher Nöting eingesetzt, dort in der Klasse über 500 ccm.
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