Stolco
Informationen zum Hersteller
Stolco
Stollstein & Co.
Ostendstraße 83, Stuttgart
(ca. 1922–1924)
Anfang der 1920er Jahre betreibt Johannes Stollstein in der Stuttgarter Ostendstraße 83 ein Wirts- und Speisehaus. Nachdem er die Gastwirtschaft verpachtet hat, entsteht unter derselben Anschrift gemeinsam mit zwei Teilhabern die Motorradhandlung „Stollstein, Layer und Lange“.
Bereits Mitte 1922 vertreibt das Unternehmen das frühe Zetge-Leichtkraftrad mit 2,5-PS-DKW-Motor (siehe Zetge). Ab Juli 1922 bewirbt Stollstein & Co. daneben das eigene Leichtkraftrad Stolco. Auch dieses Modell ist mit einem 2,5- bis 3-PS-DKW-Motor ausgestattet, der bei der Stolco im Gengensatz zur Zetge jedoch stehend eingebaut ist. Ein Zweiganggetriebe mit Leerlauf überträgt die Kraft per Keilriemen auf das Hinterrad. Für den Fahrkomfort sorgt eine für diese Zeit typische Pendelgabel mit Horizontalfederung.
Ab April 1923 übernehmen Johannes Stollstein und seine Frau für kurze Zeit wieder selbst den Betrieb ihrer Wirtschaft.
Im Mai 1923 erreicht Ernst Lange bei der Gleichmäßigkeitsfahrt „Rund um Stuttgart“ auf einer Stolco den siebten Platz in der Klasse bis 250 ccm. Im darauffolgenden Monat nehmen Chr. Dötterer, Gerhard Müller, E. Tröscher und Ernst Lange in der Klasse bis 200 ccm mit und ohne Tretvorrichtung an der Solitude-Bergprüfungsfahrt teil. Hans Stollstein startet in der Klasse bis 130 ccm ohne Tretvorrichtung und belegt den zweiten Rang.
Vom 19. bis 21. Juli 1923 ist zudem die Teilnahme von insgesamt drei Stolco-Maschinen an der ADAC-Reichsfahrt vorgesehen: Hans Stollstein in der Klasse bis 150 ccm sowie Ernst Lange und Gerhard Müller in der Klasse bis 250 ccm. In den später veröffentlichten Siegerlisten erscheinen diese Maschinen jedoch nicht.
Zum bisher letzten Mal wirbt die Firma Stollstein im Juli 1923 mit zwei Motorvarianten zu 2 beziehungsweise 3 PS.
Im September 1923 gründen die Eheleute Stollstein gemeinsam mit den Eheleuten Maier sowie Erwin Wurz in Stuttgart die „Fahrzeug- und Lichtmaschinen-AG“. Gegenstand des Unternehmens sind die Herstellung und der Vertrieb von Fahrzeug- und Lichtmaschinen. Die Eheleute Stollstein bringen neben Grundstücken auch Maschinen, Werkzeuge und Rohmaterialien in die AG ein. Vermutlich geht die Stollstein & Co. in die neue Aktiengesellschaft auf. Im Februar 1924 scheidet Johannes Stollstein als Vorstand aus der AG aus.
Die Eheleute Stollein übernehmen im Herbst erneut den Betrieb ihrer Gastwirtschaft. Johannes Stollstein stirbt 1928 nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 52 Jahren.
Zusammengestellt von Frank Grüneboom, Mai 2026.
Quellen
Adressbuch Stuttgart. 1920; 1923–1925.
Der Rottumbote. 1922.
Deutscher Reichsanzeiger. 1923–1924.
Hoppenstedt: Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften. 1923/24.
Riedlinger Zeitung. 1927.
Schwäbischer Merkur. 1922–1923.
Stuttgarter Neues Tagblatt. 1923; 1926; 1928.
Süddeutsche Zeitung. 1922–1923.
Württemberger Zeitung. 1924–1925.
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