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Spiegler

Informationen zum Hersteller

 

Gebrüder Spiegler
Motorfahrzeugbau
Aalen (Württemberg)

Die Gebrüder Spiegler aus Aalen traten bis Mitte der 1920er Jahre zunächst mit Motorrädern unter dem Markennamen Schwalbe auf. Im April 1925 wurde auf der Deutschen Sportschau in Nürnberg erstmals ein neues Spiegler-Motorrad gezeigt; präsentiert wurde es vom Nürnberger Händler Peter Walter. Mit diesem Modell wechselte das Unternehmen zur eigenen Marke Spiegler und stellte zugleich eine technisch eigenständige Konstruktion vor, die bis zum Ende der Motorradproduktion unter diesem Namen geführt wurde.

Das Spiegler-Motorrad unterschied sich konstruktiv deutlich von den bisherigen Schwalbe-Modell. Motor und Rahmen waren neu ausgelegt; es handelte sich damit nicht um eine bloße Weiterführung der bisherigen Type, sondern um eine eigenständige Konstruktion. Kennzeichnend war ein Stahlchassis mit unterem Doppelrohrrahmen. Der geradlinig vom Steuerkopf zum Hinterrad geführte Pressstahlrahmen verlieh der Maschine eine sachliche Linienführung, senkte den Schwerpunkt und ermöglichte es, verschiedene Motorisierungen mit vergleichsweise geringem Aufwand in derselben Rahmenkonstruktion unterzubringen.

Die 350-ccm-Spiegler war mit einem selbst gefertigten Einzylinder-ohv-Motor ausgestattet. Zu dessen Merkmalen gehörten eine vollautomatische Ölung, ein abnehmbarer Zylinderkopf und ein Kolben aus Elektron, einer Leichtmetalllegierung aus Magnesium und Aluminium. Fortschrittlich war auch die Anordnung des Zündmagneten hinter dem Zylinder. Kettenantrieb und Dreiganggetriebe mit Kickstarter entsprachen dem damaligen Stand der Technik; die bis 1926 verwendeten Felgenbremsen an Vorder- und Hinterrad wirkten dagegen bereits veraltet. Die Sitzhöhe betrug 70 cm, die vordere Kette wurde über die Motorentlüftung geschmiert. Zudem gehörte Spiegler zu den ersten deutschen Herstellern, die ihre Krafträder serienmäßig mit Ballonbereifung ausstatteten.

Im März 1926 bot beispielsweise der Spiegler-Händler Fritz Haag aus Botnang bei Stuttgart die 350-ccm-Spiegler mit 1,35 Steuer-PS und 12 PS Motorleistung als Touren- oder Sportmodell für 1.250 Reichsmark an. Spätestens ab Mai waren die Modelle mit einem Dreiganggetriebe von Sturmey-Archer ausgestattet. Haag vertrat Spiegler bis mindestens Herbst 1928.

Das Modelljahr 1927 wurde ab Frühjahr beworben. Moderne Innenbackenbremsen an Vorder- und Hinterrad ersetzten die bisherigen Klotzbremsen. Die Vorderradgabel stammte von KLM; das Auspuffrohr war nun etwas kürzer ausgeführt.

Für 1928 ist eine Ausweitung des Modellprogramms belegt. Zunächst ergänzte eine 500-ccm-Version das Angebot; im Laufe des Jahres kam eine 600-ccm-Ausführung hinzu. Alle drei Hubraumklassen, 350, 500 und 600 ccm, wurden jeweils als Touren- und Sportmodell angeboten.

Neben der Motorradfertigung sind für 1928 auch Automobilvertretungen belegt. Im März jenes Jahres vertraten die Gebrüder Spiegler den 3/15-PS-Dixi-Kleinwagen der Dixi-Werke in Eisenach; im Juli traten sie zusätzlich als Verkaufsstelle für Chrysler-Automobile auf. Im selben Jahr schied Ludwig Spiegler aus der Firma Gebrüder Spiegler aus. Ab September 1928 führte er die Chrysler-Verkaufsstelle am Westlichen Stadtgraben 22 in Aalen, während die Firma Gebrüder Spiegler weiterhin Dixi vertrat.

Ein um 1929 entstandener Verkaufsprospekt nennt drei Hubraumklassen, die jeweils als Touren- und Sportausführung lieferbar waren:

Hubraum

Leistung

Motorsteuerung

Bohrung

Hub

349 ccm

12 PS

ohv

71 mm

88 mm

499 ccm

14 PS

sv

85 mm

88 mm

590 ccm

16 PS

sv

85 mm

105 mm


Im Gegensatz zum stehend angeordneten 350er-Motor wurden die beiden größeren Motoren leicht nach vorn geneigt eingebaut.

Alle Versionen besaßen das bekannte Stahlchassis mit nach unten geführtem Doppelrahmen, Amac-Vergaser, Bosch-Zündung und Tiger-Federgabel mit Stoßdämpfung. Bei den größeren Modellen kam eine Tiger-Doppelfedergabel zum Einsatz. Die Tourenmodelle erhielten Ballonreifen, die Sportmodelle Hochdruckreifen. Gebremst wurde mit 7-Zoll-Innenbackenbremsen an Vorder- und Hinterrad; die Kraftübertragung auf das Hinterrad erfolgte über Ketten. Die Motoren verfügten über automatische Ölung, deren Ölreserve in einem 3,5 Liter fassenden Weißblechbehälter untergebracht war. Auf der Antriebsseite war die Kurbelwelle in einem Rollenlager, auf der Steuerseite in einem Gleitlager geführt. Zur Ausstattung gehörten ein zweifüßiger Mittelständer sowie ein Vorderradständer, der zugleich als Schutzblechhalter diente. Die Maschinen wurden schwarz emailliert; auf Wunsch waren sie auch in Adriablau oder Geraniumrot erhältlich.

Die 350er-Version unterschied sich von den größeren Modellen unter anderem durch einen um 4 Liter kleineren Messing-Benzintank mit einem Volumen von 7 Litern. Schlusslicht, Horn und Tachometer waren als Zubehör erhältlich. Der Kolben bestand aus Leichtmetall. In der Sportausführung war der Auspuff vernickelt; zugleich entfiel die sonst montierte, aus Aluminium gefertigte Expansionsbirne hinter dem Auslasskanal. Fußrasten ersetzten die mit Gummibelag versehenen Fußbretter, und die serienmäßigen Beinschützer wurden bei der sportlichen Variante nicht montiert. Das Fahrzeuggewicht betrug 110 kg.

Auch bei den 500er- und 600er-Versionen waren Öl- und Benzinbehälter in den Stahlblechrahmen integriert. Als Zubehör konnten Horn und Schlusslicht sowie ein über Vorder- oder Hinterrad angetriebener Tachometer geliefert werden. Das Fahrzeuggewicht lag bei etwa 130 kg. Die Sportausführungen erhielten Leichtmetallkolben; die Tourenversion blieb dagegen mit Graugusskolben ausgestattet. Im Übrigen entsprachen die Unterschiede zwischen Sport- und Tourenausführung den bereits bei der 350er beschriebenen Anpassungen.

Im Herbst 1929 standen folgende Modelle in den Preislisten der Motorsportzeitschriften:

Hubraum

Leistung

Preis

350 ccm

12 PS

1.000 RM (Reichsmark)

500 ccm

14 PS

1.000 RM

500 ccm

22 PS

1.150 RM

600 ccm

16 PS

1.030 RM


Neu im Programm war ein Motorradmodell mit dem 22 PS starken 500-ccm-MAG-ohv-Motor.

Zwischenzeitlich hatten sich die Gebrüder Spiegler ein eigenes Markenlogo eintragen lassen. Im Mittelpunkt stand ein Aal, der an das Aalener Stadtwappen erinnerte.

Für das Modelljahr 1930 wurden folgende Typen erwähnt, die unverändert jeweils als Touren- und Sportversion erhältlich waren:

Hubraum

Motorhersteller

Motorsteuerung

200 ccm

JAP

ohv-Doppelport

350 ccm

Küchen

ohc (Königswelle)

500 ccm

MAG

ohv-Doppelport

600 ccm

   

Es ist anzumerken, dass vom Hersteller selbst bislang keine Unterlagen zum Einbau eines Küchen-Motors bekannt sind. Ein Artikel in der Württemberger Zeitung vom Dezember 1929 erwähnt jedoch einen Königswellenmotor; außerdem berichtete die Zeitschrift Motorwelt im Januar 1930 von einer Spiegler mit 350-ccm-Küchen-Königswellen-Motor.

Im März 1930 wurden in der österreichischen Zeitschrift „Das Motorrad“ folgende Modelle aufgeführt:

Hubraum

Motorhersteller

Motorsteuerung

349 ccm

MAG

ohv-Motor

499 ccm

Spiegler

sv-Motor

600 ccm

Spiegler

sv-Motor


Alle drei in der österreichischen Quelle genannten Modelle verfügten über Sturmey-Archer-Dreiganggetriebe, Kettenantrieb und den bekannten Spiegler-Pressstahlrahmen mit unterem Doppelrohrrahmen. Auffällig ist die dortige Angabe eines 350er MAG-Motors, da die übrigen bekannten Quellen für diese Hubraumklasse auf den hauseigenen 350er Motor verweisen. Bislang handelt es sich um den einzigen bekannten Nachweis, der einen 350er MAG-Motor bei Spiegler nennt.

In Österreich wurde Spiegler durch die mechanische Werkstätte von Wilhelm Scheffknecht an der Reichsstraße 47 in Lustenau vertreten. Weitere Vertretungen bestanden in Rumänien durch J. Bergleiter in Sibiu-Hermannstadt sowie im böhmischen Langenbruck-Reichenberg durch Emil Hosak.

Der Pressstahlrahmen wurde im Juni 1930 nicht nur emailliert, sondern auch verchromt angeboten.

Im September 1931 ist die bislang letzte bekannte Verkaufsanzeige für Motorräder der Firma Gebrüder Spiegler dokumentiert. Darin kosteten die 350er-ohv- und die 500er-sv-Type jeweils 861 RM; die 600er-sv-Version war für 896 RM erhältlich.

Ab 1938 vertrat die Firma die Automarke Opel.

 

Rennerfolge:

Nachdem die Firma Spiegler von 1921 bis 1924 Schwalbe-Motorräder bei motorsportlichen Veranstaltungen eingesetzt hatte, setzte das Unternehmen diese Aktivitäten mit dem neuen Spiegler-Motorrad fort. Einsätze sind ab April 1925 belegt. Die wichtigsten Erfolge erzielten die 350-ccm-Spiegler-Motorräder vor allem 1926. Als erfolgreichster Fahrer erscheint in den Quellen der damalige Stuttgarter Spiegler-Vertreter Fritz Haag. Er errang mehrere gute Platzierungen, bevor er im August 1926 bei der Kniebis-Bergprüfungsfahrt angefahren wurde und infolge des Unfalls ein Bein verlor. Dennoch startete er 1927 erneut bei Veranstaltungen des Motorrad-Clubs Stuttgart auf Spiegler.

Die sportlichen Erfolge konzentrierten sich überwiegend auf regionale Veranstaltungen, darunter Gleichmäßigkeitsfahrten durch Württemberg, das Solitude-Rennen und das Karlsruher Wildparkrennen. Genannt werden unter anderem Rupert Spiegler sowie die Stuttgarter Fahrer Richard Haug, Franz Emminger und Fritz Haag. Weitere Einzelerfolge sind für Zörlein, Erwin Gehrung, Fritz Fischer und Alfred Gramm aus dem Stuttgarter Umfeld sowie für Guthmann aus Heidelberg und Sayle aus Nördlingen nachgewiesen. Die Einzelheiten sind in der folgenden Aufstellung zusammengestellt.

Darum

Veranstaltung

Klasse

Fahrer

Platzierung

26.04.1925

Gleichmäßigkeitsfahrt „Durch Württemberg“ des Motorrad-Clubs Stuttgart (DAC)

bis 350 ccm

Richard Haug

Neunter

16.–17.05.1925

Rund um die Solitude

bis 350 ccm

Rupert Spiegler
Richard Haug

Beide genannt, jedoch nicht unter den ersten Sechs

07.06.1925

Wartbergrennen Heilbronn

bis 350 ccm

nicht bekannt

Fünfter

28.06.1925

Burrenwaldrennen

 

Richard Haug

wegen Motordefekts ausgeschieden

18.10.1925

Solitude-Rennen – fliegender Kilometer; Clubmeisterschaft des Motorrad-Clubs Stuttgart

bis 350 ccm

Richard Haug

Sechster

28.03.1926

SMC-Fuchsjagd für Wagen und Motorräder; Schwäbischer Motorsportclub Stuttgart

 

Zörlein

Siebter

25.04.1926

Gleichmäßigkeitsfahrt des Motorrad-Clubs Stuttgart durch Württemberg

bis 350 ccm

Fritz Haag

Zweiter

Erwin Gehrung

Achter

06.06.1926

Hochbergrennen Traunstein

 

nicht bekannt

Erster und Dritter Preis; schnellste Zeit des Tages

13.06.1926

Schriesheimer Bergrennen

bis 350 ccm

Spiegler, Aalen

Zweiter

16.06.1926

Großer Preis der Solitude 1926

bis 350 ccm

Haag, Botnang; Spiegler, Aalen
Sieber, Stuttgart

in den Startlisten

27.06.1926

Flach- und Bergprüfungsfahrt Radolfzell–Schienerberg

Klasse VII

Fritz Haag

Erster

Klasse X

Fritz Haag

Dritter

18.07.1926

Württembergische Zuverlässigkeitsfahrt

bis 350 ccm

Fritz Haag

Erster

15.08.1926

Kniebis-Bergprüfungsfahrt

bis 350 ccm, Junioren

Franz Emminger

Dritter

Fritz Haag

Unfall

05.09.1926

Motorrad-Wettbewerb des Motorrad-Clubs Stuttgart, Geschicklichkeitsprüfung

 

Fr. Emminger, Stuttgart-Zuffenhausen

Zweiter

03.04.1927

6. Gleichmäßigkeitsfahrt des Motorrad-Clubs Stuttgart

bis 350 ccm

Fritz Fischer

Achter

Alfred Gramm

Neunter

22.05.1927

Solitude-Rennen; Klubmeisterschaft Gau Württemberg-Hohenzollern im ADAC

bis 350 ccm

Gramm

Dritter

29.05.1927

5. Karlsruher Wildparkrennen

bis 350 ccm

Fritz Fischer, Botnang

Fünfter

31.07.1927

2. Württembergische Zuverlässigkeitsfahrt des ADAC Gau Stuttgart

 

Schimmel, Aalen
Franz Emminger
Fritz Haag

Nennungen

04.09.1927

4. Benzinverbrauchs-Prüfungsfahrt des Motorrad-Clubs Stuttgart

bis 350 ccm

Fritz Haag, Botnang

Vierter

29.04.1928

Heidelberger Motorsporttag
Schnitzeljagd

 

Guthmann, Heidelberg

Sieger

20.09.1931

2. Pfänder-Bergwertungsfahrt (Bregenz/Österreich)

bis 500 ccm

Helbock, Hard

Teilnehmer

17.–18.06.1933

Geländebergprüfungsfahrt des ADAC auf dem Ipf

bis 500 ccm

Sayle, Nördlingen

Dritter

über 500 ccm

Sayle, Nördlingen

Dritter

 

Zusammengestellt von Frank Grüneboom, Juli 2026.

 

Quellen und Nachweise


Zeitgenössische Zeitungen und Tagespresse
Anzeiger vom Oberland, Jg. 1925, 1928, 1930.
Badische Presse, Jg. 1926.
Bottwatal-Bote, Jg. 1931.
Der Rottumbote, Jg. 1930.
Fürstenfeldbrucker Zeitung, Jg. 1930.
Hannoverscher Kurier, Jg. 1927.
Karlsruher Tagblatt, Jg. 1927.
Marbacher Zeitung, Jg. 1933.
Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 1925, 1928.
Neue Mannheimer Zeitung, Jg. 1928.
Schwäbischer Merkur, Jg. 1927.
Sportzeitung des Stuttgarter Neuen Tagblatts, Jg. 1925–1928.
Stuttgarter Neues Tagblatt, Jg. 1926–1928.
Stuttgarter NS-Kurier, Jg. 1936, 1938.
Süddeutsche Zeitung, Jg. 1925–1927.
Württemberger Zeitung, Jg. 1925–1929.


Motor- und Fachzeitschriften
Auto-Markt Wien, o. J. (um 1930).
Das Motorrad, Jg. 1930–1931.
Das Motorrad (Österreich), Jg. 1927, 1930–1931.
Der Auto- und Motorrad-Besitzer, Jg. 1929.
Motor und Sport, Jg. 1926–1928, 1930.
Motorwelt, Jg. 1926, 1930.
Süddeutscher Auto-Markt, Pößneck, Jg. 1927.


Amts- und Bekanntmachungsblätter
Deutscher Reichsanzeiger, Jg. 1928.

Prospekte und Werbemittel
Prospekt Spiegler Motorräder 350 ccm, 500 ccm und 600 ccm, o. J. (um 1929).
Werbeblatt „Erfolge der Schwalbe- und Spiegler-Motorräder“, o. J. (um 1925).

Hinweis zur Zitierweise: „Jg.“ bezeichnet den ausgewerteten Jahrgang; „o. J.“ steht für „ohne Jahr“.

 

 

 


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