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PER

Informationen zum Hersteller

Kurt Passow Aktiengesellschaft

Braunschweig                                                                                      (September 1923 – Juli 1924)

Klein Stöckheim                                                                                   (Juli 1924 – Januar 1925)

Zwickau                                                                                               (Januar 1925)

Per Kraftfahrzeug-Verkaufs-Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Braunschweig, Klein Stöckheim                                                           (Dezember 1923 – ca. 1926)

Zwickau                                                                                               (ca. 1926)

Passow & Co. GmbH

Zwickau, Kohlenstraße 8                                                                      (November 1924 – ca. 1925)

Zwickau, Reichenbacher Straße 70/72                                               (1926)

Berlin-Charlottenburg, Berliner Straße 133   (Verkaufsbüro)                (1925)

Berlin, Courbierestraße 12                                                                   (1925)

 

Anfang 1923 entwickelten Kurt Passow, der das Pawa-Sesselrad konstruierte, und Wilfried von Eisenhart-Rothe diverses Zweiradzubehör wie Landkartenhalter und reichten dafür mehrere Patentanmeldungen ein. Im Juli desselben Jahres beantragten sie ein Patent für ein Kraftfahrrad. Vermutlich wurde bereits zu dieser Zeit das oben angesprochene Pawa-Motorrad nicht mehr gefertigt. 

Am 3. September 1923 gründete Kurt Passow zur fortgesetzten Finanzierung und Produktion seiner Motorradkonstruktionen die „Kurt Passow Aktiengesellschaft“ mit Sitz in Braunschweig. Die Eintragung der Gesellschaft ins Handelsregister erfolgte eine Woche später. Unternehmensgegenstand war die Herstellung sowie der Handel von Motorfahrzeugen. Sämtliche Aktien wurden von den Gründern übernommen, diese waren:

Zunächst wurde Hans Henning Rimpau in den Vorstand berufen; wenige Tage später folgte Kurt Passow als weiteres Vorstandsmitglied. Zu stellvertretenden Vorständen wurden Fritz Heinrich Musculus sowie Wilfried von Eisenhart-Rothe bestellt. Im Aufsichtsrat waren unter anderem Generalleutnant a.D. Artur von Eisenhart-Rothe (Dessau) und der Geheime Medizinalrat Professor Dr. Passow (Berlin) vertreten. Der Ingenieur Wilfried von Eisenhart-Rothe ist der im Jahr 1901 geborene Sohn des Generalleutnants Artur von Eisenhart-Rothe.

Zur Erweiterung der Produktion und des Vertriebs wurde am 23. Dezember 1923 der Gesellschaftsvertrag der „Per Kraftfahrzeug-Verkaufs-GmbH“, welche zwei Monate vorher durch Umbenennung der „Per, Konstruktions- und Handelsgesellschaft für Kraftfahrzeuge und Industriebedarf mbH“ entstand, auf die neue Unternehmensaufgabe geändert. Die Firma verfolgte nun denselben Unternehmenszweck wie die Aktiengesellschaft und war hauptsächlich mit dem Vertrieb deren Produkte betraut. Zum Geschäftsführer der Gesellschaft wurde der Kaufmann Fritz Heinrich Musculus bestellt. Der Markenname „PER“ lässt sich vermutlich auf die Nachnamen der Ingenieure Passow und von Eisenhart-Rothe zurückführen.

In den Fachzeitschriften wird das PER-Motorrad, welches bereits auf der „Deutschen Automobilausstellung“ im Herbst 1923 in Berlin vorgestellt wurde, folgendermaßen beschrieben: „Als Baustoff wird bei dem Per-Motorrad Stahlblech verwendet. Die beiden großen Seitenbleche, die oben durch verschiedene Bleche und in der Mitte durch zweckentsprechende Querschotten, unten aber durch das Fußbrett zu einem starren, äußerst widerstandsfähigen Ganzen vereinigt sind, nehmen in sich alle Teile auf. Hinter dem vom Blech umschlossenen Steuerkopf befindet sich der schubkastenartig herausnehmbare Tank. Hierunter sitzt der Motor, von vorn und von unten gegen Verschmutzung geschützt. Die Kühlung erfolgt durch eine vordere Öffnung und durch große Luftschlitze an der Seite des Rades. Hinter dem Motor schließt sich das durch Kette getriebene Getriebe an. Beide sind ebenfalls gegen Schmutz von unten gesichert. Nach hinten dient der Schwanz als Schutzblech, als Hinterradträger, als Gepäckträger oder als Soziussitz und außerdem zum guten Abströmen der Luft. Über dem Getriebe befindet sich der Sitz, unter dem noch der Werkzeugkasten vom Sitz aus zugänglich angeordnet ist. 

Als Antriebsquelle wurde ein 3,5-PS-Motor gewählt, damit der Fahrer auf Touren einen Sozius oder Gepäck mitnehmen kann. Schwächere Maschinen sind diesen Ansprüchen nicht gewachsen. Stärkere sind den Motorradfahrern vielfach zu schwer und verbrauchen zu viel Brennstoff. Der Motor P-Z-24 ist ein Hochleistungs-Zweitakter mit innenliegenden Schwungmassen. Die Leistung beträgt effektiv 3,5 PS bei 74 mm Bohrung und 80 mm Hub, also 343 ccm Zylinderinhalt. Der Motor zeichnet sich durch seine absolute Betriebssicherheit, bei großer Lebensdauer und hervorragender Wirtschaftlichkeit aus. Gerade Motoren dieser mittleren Stärke haben sich z.B. in England ganz besonders eingebürgert, während in Deutschland zur Zeit noch die Fabrikation der leichten oder ganz schweren Motorräder überwiegt. 

Wegen der Verkleidung der Antriebsteile mußte ihrer Anordnung erhöhte Beachtung geschenkt werden. Die Antriebsteile mußten trotzdem leicht zugänglich und herausnehmbar sein, und zwar am Motor: Vergaser, Zündkerze, Benzinhahn und Leitung, sowie die Ölpumpe. Ferner muß man den Unterbrecher erreichen können. Alle anderen Teile sind auch beim Auto schwer zugänglich. Störungen daran ließen sich unterwegs schlecht beheben. Bei dem Per-Motorrad sind nun alle oben erwähnten betriebswichtigen Teile übersichtlich so vor dem Fahrer angeordnet, daß er sie vom Sitz aus bedienen kann. Dies ist ein besonderer Vorteil. Wie das frühere Liegen unter dem Auto, so ist nun auch das unschöne Knien und Bücken neben dem Motorrad endlich unnötig geworden. Der Magnet, an dem es kaum Störungen gibt, ist durch eine Seitenklappe zugänglich. Der gesamte Motor, der an drei Punkten befestigt ist, wird zusammen mit dem Fußbrett nach unten herausgenommen. Das Herausnehmen und Wiedereinsetzen geht schnell vor sich und ist sehr einfach. Außer dem schon erwähnten Werkzeugkasten ist der Kippständer vom Sitz aus zu bedienen. Das Nachstellen der Kette erfolgt auf einfache Weise gleichfalls vom Sitz aus. Das Getriebe hat zwei Gänge, Leerlauf und Kickstarter. Auch dieses ist einfach herausnehmbar. Die Räder, in Größe 24 x 2.5, sind leicht herauszunehmen und untereinander auszuwechseln, da die Riemenfelge abnehmbar ist. Dieser Umstand ermöglicht die Mitnahme eines Reserverades. Je eine Hand- und Fußbremse wirken auf das Hinterrad, ohne die Herausnehmbarkeit des Rades zu stören. Der Sitz ist dem Fahrzeug angepaßt und besonders bequem. Er ist doppelt gefedert. Der unter dem Sitz befindliche Werkzeugkasten ist vorne spitz, um das Abströmen der heißen Luft zu begünstigen. Zu erwähnen ist ferner die Vorderradfederung, die sich durch Einfachheit und gute Wirkungsweise auszeichnet. Sie ist so gebaut, daß keine Bruchgefahr des Vorderradträgers vorhanden ist. Der Steuerwinkel ändert sich beim Fahren nicht. Die herausnehmbaren Brennstoffbehälter trägt die Einfüllöffnung derart, daß man auch den Brennstoff direkt aus einer Flasche oder Kanne eingießen kann. Der Tank faßt 10 l [Anmerkung: 8 Liter Kraftstoff und 2 Liter ÖL] und hat einen Griff zum Herausziehen und Tragen. Die Ölung des Motors erfolgt durch eine halbautomatische Ölpumpe. Öl und Betriebsstoff sind getrennt.“ Etwas später stand optional auch ein Dreigang-Getriebe zur Verfügung. Mit einem Fahrzeuggewicht von 115 kg konnte eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 80 km/h erzielt werden. Das PER-Motorrad wurde in silber-blaugrauer Lackierung mit weißen Linien ausgeliefert und war zudem mit leichtem Seitenwagen, Lieferseitenwagen oder ab 1926 auch als Dreiradlieferwagen mit verschiedenen Kastenaufbauten erhältlich.

Kurt Passow nahm 1924 mit einer PER in der Klasse bis 350 ccm Hubraum an der Deutschlandfahrt teil, musste das Zuverlässigkeitsrennen jedoch vorzeitig beenden. Ein weiterer gemeldeter PER-Fahrer war Julius Tönjes aus Braunschweig, wobei nicht belegt ist, ob er das Rennen tatsächlich antrat. Bei der ADAC-Reichsfahrt im September 1924 ging Tönjes hingegen an den Start. Zudem wurde Thomas Tierney, ebenfalls ein Braunschweiger PER-Fahrer, in der Nennungsliste aufgeführt.

Nachdem die Vorstandsmitglieder Rimpau, Musculus und Eisenhart-Rothe im Juni 1924 zurücktraten, übernahm Passow die alleinige Leitung der Aktiengesellschaft. Im Juli desselben Jahres beschloss die Generalversammlung, den Firmensitz zunächst nach Klein Stöckheim und dann im Januar 1925 nach Zwickau in Sachsen zu verlegen. Auch die „Per Kraftfahrzeug-Verkaufs-GmbH“ zog etwa 1926 nach Zwickau um.

Zur Auflösung der Aktiengesellschaft und Umfirmierung in eine neue Gesellschaftsform gründete Kurt Passow am 28. November 1924 die „Passow & Co. GmbH“ mit Sitz in Zwickau. Der Unternehmenszweck der neuen Gesellschaft bestand -analog zur bisherigen Aktiengesellschaft- in der Konstruktion und dem Bau von Maschinen, Apparaten und Fahrzeugen sowie deren Vertrieb; darüber hinaus kamen der An- und Verkauf von Kraftfahrzeugen und der Handel mit Industriebedarfsgütern hinzu. Hierfür unterhielt die GmbH ein Vertriebsbüro in der Berliner Straße 133 in Charlottenburg. An gleicher Anschrift war auch die „Charlottenburger Karosseriefabrik Wilhelm Franck“ gemeldet, die möglicherweise die Blechteile der PER gefertigt haben könnte. Ab etwa April 1925 wurde das Motorradmodell als „PW 25“ bezeichnet. Die Fertigung erfolgte ab diesem Zeitpunkt im Werk Zwickau. Die Produktion des PER-Motorrads wurde vermutlich im Jahr 1926 eingestellt.

Nach Beendigung der PER-Produktion zog Kurt Passow nach Naumburg an der Saale und gründete dort im Juli 1927 die Firma „Kurt Passow“. Noch im selben Jahr erfolgte die Umfirmierung in „Kurt Passow & Co., Kommanditgesellschaft“. Im Oktober wurde zur Abwendung eines Konkurses ein gerichtliches Vergleichsverfahren eingeleitet, das bereits im folgenden Monat wieder aufgehoben werden konnte. Im April 1933 erfolgte schließlich von Amts wegen die Löschung der Firma aus dem Handelsregister.

In den 1930er Jahren beschäftigte sich Passow mit der Filmproduktion und war unter anderem für die filmische Dokumentation einer Flugexpedition verantwortlich. Es ist wahrscheinlich, dass Passow hierbei Unterstützung von Wilfried von Eisenhart-Rothe erhielt, der ab 1942 als Prokurist bei der Klangfilm Versorgungseinrichtung GmbH tätig war. Darüber hinaus wurde etwa 1939 das „Taschenbuch der Heere“ unter Passows Namen veröffentlicht.

Anmerkung:

- Im Buch „Der Motor des Kraftrades“ von Dipl.-Ing. Heßler wird die Behauptung aufgestellt, der PER-Motor sei von Ernst Eichler konstruiert worden. Diese Angabe gilt als wenig belastbar. Sie wurde jedoch in Veröffentlichungen von Motorradhistorikern übernommen. Die bislang durchgeführten Recherchen konnten keine nachweisbaren Verbindungen zu den Unternehmen von Ernst Eichler feststellen.

 

(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. Dezember 2025)

Quellen:

(1)   Deutscher Reichsanzeiger, 1921-1928, 1933, 1942

(2)   Internetseite „Lexikon der Wehrmacht.de“

(3)   Österreichischer Motor – Der Flug, 1924

(4)   Illustrierte Motorzeitung, 1924

(5)   Der Motorfahrer, 1924

(6)   Heßler, Der Motor des Kraftrades, 1925

(7)   Klein-Auto und Kraftrad, 1925

(8)   Karlsruher Tagblatt, 1924

(9)   Ohligser Zeitung, 1924

(10) Berliner Tageblatt, 1924

(11) Münchener neueste Nachrichten, 1924

(12) Sächsische Staatszeitung, 1925-1926

(13) Handelsregister Berlin, 1924-1927

(14) Adressbuch Berlin, 1925

(15) Motor und Sport, 1926

(16) Berliner Börsen-Zeitung, 1923, 1927-1928

(17) Saale Zeitung, 1928

(18) Der sächsische Erzähler, 1934

(19) Kölnische Zeitung, 1939


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