Ge-Ma-Hi
Informationen zum Hersteller
Ge-Ma-Hi-Werke Marquardt & Hillmann GmbH
Magdeburg-Neustadt, Insleberstraße 18 (4. April 1923 – 12. Dezember 1923)
Ge-Ma-Hi-Werke Marquardt & Hillmann Aktiengesellschaft
Magdeburg-Neustadt, Insleberstraße 18 (29. August 1923 – ca. Januar 1926)
Nach seinem Ausscheiden aus der Firma „Marquardt & Bülow GmbH“ (siehe Bülow) gründete der Kaufmann Willy Marquardt gemeinsam mit dem Werkmeister Hermann Hillmann am 4. April 1923 in Magdeburg die „Ge-Ma-Hi-Werke Marquardt & Hillmann GmbH“. Der Unternehmenszweck umfasste die Produktion von Fahrzeugen sowie den Handel mit allen für diesen Geschäftsbereich relevanten Waren.
Bereits zum 29. August desselben Jahres firmierte man um in die „Ge-Ma-Hi-Werke Marquardt & Hillmann, Aktiengesellschaft“. Der Unternehmenszweck blieb im Wesentlichen unverändert. Die beiden bisherigen Geschäftsführer der GmbH, Willy Marquardt und Hermann Hillmann übernahmen den Vorsitz der AG. Gründer der Aktiengesellschaft waren:
- Ge-Ma-Hi-Werke Marquardt & Hillmann GmbH (Magdeburg)
- Karl Heinrich Marquardt (Magdeburg)
- Fabrikdirektor Max Marquardt (Hameln)
- Kaufmann Willem Meinesz (Hameln)
- Direktor Willy Brandt (Hannover)
Die GmbH wurde zum 12. Dezember 1923 aufgelöst und im Januar 1925 aus dem Handelsregister gelöscht.
Zu den ersten produzierten Fahrzeugen gehörte das Motorrad des Typs „H.H. 23“. Es besaß einen Rahmen aus Stahlblech und eine Vorderrad-Pendelgabel mit einer waagerechten Doppelfeder. Konstruktiv ist dies derart ausgeführt, dass die Federn in Kombination mit dem verwendeten Sicherheitsbügel den Fahrer während der Fahrt bei eventuellem Federbruch nicht an der Weiterfahrt hindern und ihn so vor einem Sturz bewahren. Das Motorrad war mit zwei Bremsen ausgestattet, wobei eine auf eine fest am Hinterrad montierte Bremsscheibe wirkte. Der Antrieb erfolgte durch einen einzylindrigen 2,5-PS-DKW-Zweitaktmotor mit Lomos-Riemenscheibenkupplung inklusive Leerlauf und Dreigangschaltung; in manchen Quellen wird auch von einem Vierganggetriebe berichtet. Die Form der Schutzbleche und die über die gesamte Länge zum Motor passenden Fußbretter schützten Fahrer, Mitfahrer und Motor wirksam vor Straßenschmutz. Ein Johest-Auspuff sorgte zudem für einen leisen Betrieb.
Zu Beginn der 1920er Jahre waren Lastendreiräder für den Transport von Waren sehr gefragt. Das Unternehmen stellte für diesen Einsatz den Geschäftslieferwagen vom Typ „P.H. 23 B.“ bereit. Sein Rohrrahmenfahrgestell verlief schräg vom Gabelhalsrohr zur Hinterachse und bot Platz für den Tank. Der Motor befand sich in einem separaten Rahmen, der an einer gefederten Vorderrad-Pendelgabel befestigt war und sich beim Lenken zusammen mit dem Rad bewegte. Über einen Keilriemen wurde das Vorderrad angetrieben. Eingebaut war ein Einzylinder-Zweitakt-DKW-Motor mit 2,5 PS Leistung; er verfügte über eine Untersetzung, eine Kupplung und einen Handstarter. Der Kraftstoff gelangte per Schlauch vom Tank zum Antriebsaggregat. Das Dreirad war ausschließlich mit einem Warenkasten erhältlich, der auf zwei halbelliptischen Blattfedern über der Hinterachse ruhte und bis zu drei Zentner fassen konnte. Um das erhöhte Transportgewicht sicher zu handhaben, waren drei Bremsen verbaut, wobei zwei davon auf die Hinterräder gleichmäßig wirkten.
In Ingolstadt übernahm der Mechanikermeister E. Stubenrauch die Alleinvertretung für dieses Gebiet. Ge-Ma-Hi Motorräder konnte man zudem in Augsburg bei der „Halag AG“ und in Halle beim Motorrad-Spezial-Geschäft von „Carl Dahlhelm“ erhalten.
Im Jahr 1924 wurde das Modell „H.H. 24“ präsentiert. Das Fahrgestell bestand aus einem konventionellen, geschlossenen Rohrrahmen, wobei der Tank zwischen den beiden horizontalen oberen Rahmenrohren positioniert war. Das Vorderrad verfügte über eine Parallelogrammgabel mit zentral angeordneter Vertikalfeder. Ausgestattet war das Fahrzeug weiterhin mit einem 2,5 PS DKW-Einzylinder-Zweitaktmotor sowie einem Riemenantrieb zum Hinterrad. Die traditionell langen Trittbretter wurden beibehalten.
Neben Zweirädern wurde auch der kleine steuerfreie „ESBE“-Einbau-Zweitaktmotor angeboten. Entwickelt und hergestellt war dieser von der Magdeburger Firma „Schäffer & Budenberg GmbH“. Der Motor hatte eine Leistung von 2,5 bis 3 PS an der Bremse und eine Steuerleistung von 0,749 PS, was einem Hubraum von etwa 131 ccm entsprach. Die Bohrung war mit 52,5 mm, der Hub mit 60,4 mm bemessen. Zu dieser Zeit war der Motor als steuer- und führerscheinfrei eingestuft.
Der ESBE-Motor wurde im eigenen Modell „W.M. 24“ eingesetzt, das einen Doppelrahmen im Dreiecksverbund besaß. Am Vorderrad kam ebenfalls eine Pendelgabel zum Einsatz, deren Doppelfeder horizontal angeordnet war. Der Antrieb des Hinterrads erfolgte über einen Riemen auf der rechten Seite des Leichtkraftrads. Im Hinterrad war die Zweiradgetriebenabe mit Kupplung und Leerlauf verbaut, die von Fichtel & Sachs geliefert wurde. Als Maximalgeschwindigkeit gab man 70 km/h für dieses Zweirad an. (Das Motorrad sein Bau und seine Behandlung)
Im Jahr 1925 ergänzte das Unternehmen seine Produktpalette neben der Type „W.M. 24“ um ein neues Motorrad mit Viertaktmotor. Das als mittelschweres Kraftrad klassifizierte Modell war mit einem 5 bis 7 PS starken englischen „Precision“-Einzylinder-Viertaktmotor vom Typ „D.23“ ausgestattet, wie er ebenfalls in Fahrzeugen der Marke Beardmore-Precision verwendet wurde. Aus diesem Grund erhielt das Modell die Bezeichnung „Deutsche Beardmore“. Der Motor verfügte über seitengesteuerte Ventile und einen Hubraum von 348 ccm, bei einer Zylinderbohrung von 70 mm und einem Hub von 90 mm. Das Fahrgestell bestand aus einem geschwungenen Stahlrohrrahmen sowie einer Parallelogramm-Vorderradgabel mit seitlichen Federn. Ein formschöner vorderer Kotflügel bot dem Fahrer Schutz vor Straßenschmutz.
Beide Modelle konnten Anfang des Jahres 1925 auch im Rahmen einer Ratenzahlung erworben werden. Es ist anzunehmen, dass nur noch eine geringe Stückzahl dieser Fahrzeuge produziert wurde. Im September wurde die Liquidation der Gesellschaft beantragt, welche anschließend durch eine außerordentliche Hauptversammlung bestätigt wurde.
Die Ge-Ma-Hi Motorräder waren sportlich betrachtet eher selten auf Rennstrecken zu sehen und tauchten hauptsächlich bei Zuverlässigkeitsfahrten auf. Im April 1924 nahmen sie am Rennen um den „Großen Grade Preis“ sowie am „Großen Pokal der Stadt Hannover“ teil. Im Mai folgten Einsätze bei den Rennen „Rund um Anhalt“ und dem „Herkules-Bergrennen“ bei Kassel, während im Juni das „Münchhausen Rennen“ in Bodenwerder auf dem Programm stand. Bei der ADAC-Reichsfahrt im September 1924 trat der Berliner Robert Picard sen. an, und im März 1925 beteiligten sich Franz Naue, Ingenieur Meißner und Reinhold Beck mit „Ge-Ma-Hi“-Maschinen an der Deutschlandfahrt.
(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. Mai 2026)
Quellen:
(1) Deutscher Reichsanzeiger, 1923
(2) Hoppenstedt, Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, 1924
(3) Illustrierte Motorzeitung, 1924
(4) Der Motorfahrer (D), 1924
(5) Ingolstädter Anzeiger, 1924
(6) Münchner Neueste Nachrichten, 1924
(7) Kleinauto und Kraftrad, 1924-1925
(8) Berliner Börsen-Zeitung, 1925-1926
(9) Kölnische Zeitung, 1925
(10) Hallesche Zeitung, 1925
(11) Hallische Nachrichten, 1924
(12) C. Walther Vogelsang, Das Motorrad sein Bau und seine Behandlung
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