Bülow
Informationen zum Hersteller
Ernst Bülow
Kraftfahrzeugwerk
Magdeburg-Neue Neustadt, Insleber Straße 1 (1924)
Ernst Bülow war ab April 1918 als Teilhaber an der Firma „Marquardt & Bülow GmbH, Maschinenfabrik“ in Magdeburg beteiligt. Der Unternehmensgegenstand umfasste die Herstellung und den Verkauf von Sparherden sowie die Fertigung von Armaturen, Eisenkonstruktionen, Blecharbeiten und den Handel mit landwirtschaftlichen Maschinen. Die Geschäftsführung lag bei Karl Marquardt, Willy Marquardt und Ernst Bülow. Es ist anzunehmen, dass die Gesellschaft im Verlauf des Jahres 1921 aufgelöst wurde. Anschließend verfolgten Bülow und Willy Marquardt getrennte geschäftliche Interessen. Im April 1923 gründete Willy Marquardt gemeinsam mit Werkmeister Hermann Hillmann die „Ge-Ma-Hi-Werke Marquardt & Hillmann GmbH“ in Magdeburg, deren Geschäftszweck sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Fahrzeugen erstreckte (siehe „Ge-Ma-Hi“). Ernst Bülow setzte zunächst unter eigenem Namen den Handel mit Sparöfen und Herden fort. Der Firmensitz lag an der Insleber Straße 1 in Magdeburg-Neue Neustadt.
Bülow erweiterte seine Produktpalette Anfang 1924 aufgrund der steigenden Nachfrage nach Leichtmotorrädern. Das hierbei neu entworfene „Bülow“-Leichtmotorrad zeichnete sich durch ein besonderes Fahrwerk aus: Der Rahmen bestand aus zwei 6 mm starken Birkensperrholzplatten, die zwischen dem stabilen Aluminiumsteuerkopf und den hinteren Stahlblechachsträgern durch Böden und Querversteifungen eine bootsähnliche Form bildeten. Steuerkopf und Stahllager wurden mit dem Holz über Schraubverbindungen fest zusammengefügt. Der acht Liter fassende Brennstoffbehälter sowie der Werkzeugkasten waren geschützt in der Karosse untergebracht. Auf beiden Seiten befand sich eine Klappe für einen einfachen Zugang zum Motor. Die Holzteile waren mit einem Schutzanstrich versehen. Das Vorderrad wurde von einer Pendelgabel mit vertikaler Zentralfeder geführt. Es gab verschiedene Motorvarianten: Zweitakt-Einbaumotoren mit 2-2,5 PS oder 3 PS, aber auch Viertaktmotoren wurden als Verbauoption angeboten. Das Modell „P. 24“ verfügte über Kupplung, Leerlauf und zwei Gänge (vermutlich unter Verwendung der Fichtel & Sachs Doppelübersetzungsnabe), das Modell „F. 24“ besaß Leerlauf, Zweigang-Getriebe und einen Kickstarter. Der stabile Gepäckträger konnte einen Soziussitz aufnehmen. Optional war ein Rennlenker verfügbar, alternativ zum vernickelten Rundlenker. Fußbretter und breite Bleche an der Vorderseite schützten den Fahrer vor Straßenschmutz. Das Leichtkraftrad wog etwa 45 kg und wurde im Mai 1924 auf der Stuttgarter Motorrad-Sport-Ausstellung präsentiert.
Die Bülow-Räder fanden aber vermutlich wenig Anklang und wurden nur in kleiner Stückzahl produziert. Die Herstellung endete bald, worauf Bülow darauffolgend sich auf den Handel landwirtschaftlicher Maschinen konzentrierte und diesen Geschäftsbereich bis etwa 1940 weiterführte.
(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. März 2026)
Quellen:
(1) Deutscher Reichsanzeiger, 1918, 1923
(2) Stuttgarter neues Tagblatt, 1924
(3) Adressbuch Magdeburg, 1940
(4) Hallesche Zeitung, 1921
(5) Volksstimme, 1921
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