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Bekamo

Informationen zum Hersteller

Berliner Kleinmotoren AG

Berlin W8, Mohrenstraße 57                                                      (Februar 1922 – ca. 1923)

Berlin NW 21, Alt-Moabit 94                                                      (1923)

Berlin NW, Bremerstraße 48                                                      (1923)

Berlin W15, Brandenburgische Straße 37                                   (ca. 1925 - November 1927)

Bekamo-Kraftfahrzeug AG (vornehmlich als Vertriebsgesellschaft)

Berlin NW 21, Alt-Moabit 94                                                      (Juli 1923 – ca. 1925)

Berlin W 15, Brandenburgische Straße 37                                  (ca. 1925 – Anfang 1929)

 

Bekamo-Motoren-Gesellschaft, Kaehlert & Ruppe

Rumburg (Böhmen)                                                                   (Mitte 1924 – 1926)

 

Am 20. Februar 1922 wurde die „Berliner Kleinmotoren Aktiengesellschaft“ mit Sitz in Berlin gegründet. Das Unternehmen war auf den Vertrieb und die Herstellung von Kleinmotoren sowie darauf bezogenen technischen Maschinen spezialisiert. Zum Vorstand wurde der Ingenieur Karl Mühlbauer aus Erkner (Mark) bestellt (siehe unter „MGF“). Die Geschäftsstelle befand sich in der Mohrenstraße 57 in Berlin. Die Gründer, welche sämtliche Aktien übernommen haben, waren:

- Kaufmann Paul Eismann (Berlin, Alt Moabit 94)

- Rechtsanwalt Kurt Schlueter (Berlin, Leipziger Straße 82)

- Privatbeamter Otto Meumann (Berlin, Quitzowstraße 127)

- Kaufmann Werner Schüler (Berlin-Schönholz, Haus Nr. 6)

- Fräulein Else Meyrowitz (Berlin-Wilmersdorf, Holsteinische Straße 22)

Bereits im April 1922 wechselt der Vorstand und der Kaufmann Paul Eismann übernimmt die Firmenleitung. Karl Mühlbauer wird im Januar 1923 Prokurist der Firma, gleichzeitig wird der Kaufmann Hans Spiegler zum weiteren Vorstandsmitglied berufen.

Die Marke „Voran“:

Ab Juli 1922 wurde ein Fahrrad-Einbaumotor unter dem Markennamen „Voran“ angeboten. Bei dem Motor handelt es sich um einen Einzylinder-Zweitaktmotor mit einer Bremsleistung von 1,9 PS, der leicht schräg nach vorne in handelsübliche Fahrräder eingebaut werden konnte. Mit einem Bohrungsdurchmesser von 53 mm und einem Hub von 65 mm verfügt er über einen Hubraum von etwa 143 ccm sowie über eine Steuerleistung von 0,73 PS. Das Gesamtgewicht beträgt ca. 11 kg. Laut Hersteller besteht der Zylinder aus hochwertigem Spezialguss und ist mit sieben funktionalen Kühlrippen ausgeführt. Das Kurbelgehäuse wird aus Aluminiumguss gefertigt. Das für den Zweitaktbetrieb erforderliche Schmieröl wird separat zugeführt. In Werbeanzeigen wurden erreichbare Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h angegeben.

Die Motoren werden u.a. von der Berliner Firma „Vinzelberg & Vetter GmbH“ vertrieben. Die ebenfalls in Berlin ansässigen Motorradhersteller Harras und Festax verwendeten dieses Aggregat als Antrieb für ihre Leichtkrafträder. (siehe „Harras“)

Durch die „Berliner Kleinmotoren AG“ wurde der Motor außerdem in einem speziell konstruierten Leichtmotorradrahmen verwendet und unter dem Namen „Voran“ als „Modell 1922“ vermarktet. Zum Einsatz kam ein geschlossener Rahmen mit einer Kurzschwingengabel am Vorderrad, wobei die Kraft mittels Riemen übertragen wurde. Die Herstellung dieser Modelle erfolgte vermutlich bis ins erste Halbjahr 1923.

Die Voran-Leichtmotorräder wurden gelegentlich auch bei sportlichen Veranstaltungen eingesetzt. Beispielsweise war Joseph Thevis im Juli 1922 mit einer „Voran“ in der offiziellen Teilnehmerliste zum Motorradrennen auf der Berliner Olympiabahn verzeichnet. Einen Monat früher war eine Voran-Maschine in der Nennungsliste zum AVUS-Rennen zu finden.

Im Jahr 1923 interessieren sich die Berlin-Burger Eisenwerke für die „Berliner Kleinmotoren AG“. Ein Angebot, welches eine Interessensgemeinschaft, einen Erwerb oder eine Fusion zum Ziel hatte wurde vorgelegt. Die Offerte wurde offenbar dahingehend angenommen, dass eine Kapitalerhöhung um 70 Millionen Mark durch die Ausgabe neuer Aktien beschlossen wurde, wobei deren Erwerb dem beteiligten Konsortium vorbehalten war. 

Die Marke „Bekamo“:

Die „Berliner Kleinmotoren Aktiengesellschaft“ präsentiert unter dem Markennamen „Bekamo“ ab Mai 1923 ein neues Produkt. Der renommierte Ingenieur Hugo Ruppe, Entwickler des kleinen DKW-Motors, konstruierte für Bekamo einen neuen Hochleistungs-Zweitaktmotor mit Hilfskolben. Das neue Konzept ermöglichte es, das Funktionsprinzip des Zweitakters nahezu vollständig auszuschöpfen. Das Bekamo-Aggregat erzielt bei einem Hubraum von 129 ccm eine effektive Leistung von 3,5 PS. Mit einer Bohrung von 50 mm und einem Hub von 66 mm ergibt sich eine Steuerleistung von 0,7425 PS. Weitere Varianten sind mit 145 ccm und effektiven 4 PS sowie mit 171 ccm und 5 Brems-PS erhältlich.

Das Konstruktionsmerkmal dieses Motors besteht in einem zusätzlichen Hilfs- bzw. Pumpenzylinder (75 mm Bohrung, 14 mm Hub), der gegenüber dem Arbeitszylinder liegt und gegenläufig zu diesem arbeitet. Der Hauptkolben weist zudem eine Durchbohrung bzw. einen Kanal auf, durch den während der Ansaugphase Frischluft in den Überströmkanal geleitet wird. Beim nächsten Takt wird diese Luft – vor dem Gemisch und unter erhöhter Kompression beider Kolben – in den Verbrennungsraum gepresst. Dadurch werden die Frischgase konsequent von den Abgasen getrennt und eine gleichzeitige Kühlung des Zylinders gewährleistet.

Die Hilfspumpe verbessert die Ansaugung signifikant, indem sie durch erhöhten Unterdruck im Kurbelgehäuse eine zuverlässige Füllung in allen Drehzahlbereichen sicherstellt; auch bei höheren Drehzahlen bleibt ein Leistungsabfall aus. Der aus Leichtmetall gefertigte, kühlrippenversehene aufgeschraubte Zylinderkopf in Verbindung mit der Luftspülung gestattet einen Dauerbetrieb ohne nennenswerte Erwärmung. Der Motor ist als Getriebeblock mit zwei Gängen, Leerlauf, großdimensionierter Korkkonuskupplung sowie dem Ruppe’schen Schwungradmagnet als Zündapparat ausgeführt. Eine Präsentation des Motors erfolgte durch Ingenieur Hugo Ruppe persönlich im Rahmen eines Vortragsabends beim Motorradklub Berlin im August 1923.

Dieses Antriebsaggregat verwendeten sodann einige Motorradhersteller wie beispielsweise die Marken TX, Eichler, Brand, Defa, Autoflug und JAK. Die Firma „Brand & Sohn“ bewarb die Bekamo-Motoren dabei als Produkt „eigener Fabrikation“, so dass davon ausgegangen werden kann, dass „Brand & Sohn“ eine Lizenz zur Motorenfertigung seitens Bekamo erhielt.       

Der Bekamo-Motor wurde auch in kleineren Automobilen eingesetzt. So verwendete beispielsweise die „Onnasch-Motorfahrzeugfabrik“ in Köslin diesen Motor für ihr dreirädriges „Taschenauto“, das für zwei bis drei Personen konzipiert war und entweder mit einer 3,5 PS oder einer 7,5 PS Motorisierung angeboten wurde, wobei davon auszugehen ist, dass der leistungsstärkere Motor nicht von Bekamo stammte. Auch die „Märkische Kraftfahrzeugfabrik“ in Ravensbrück stattete einen Kleinkraftwagen mit dem 3,5 PS Bekamo-Motor aus. Deren Fahrzeug war für zwei Personen ausgelegt, wog etwa 150 Kilogramm und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h.

Den Kunden wird der neue Motor auch bereits eingebaut in ein „Bekamo-Leichtmotorrad“ wahlweise mit 129 ccm (steuer- und zulassungsfrei) oder mit 145 ccm Hubraum angeboten. Das Kastenrahmen-Fahrgestell besteht aus Eschenholz, Blechverbindungen und T-Träger-Profilen. Werkzeugkasten und 6-Liter-Tank sind in diesem Rahmen untergebracht, das Vorderrad wird über eine Parallelogrammgabel abgefedert. Die Kraftübertragung auf das Hinterrad erfolgt per Gummi- oder Lederkeilriemen. Das Motorrad wiegt nur 52 kg und ist blau oder silbergrau emailliert. Spätere Modelle besaßen einen Stahlblechrahmen, der vermutlich von der Firma „J. Kinkel“, Berlin, geliefert wurde.     

Zum Vertrieb der Motoren und der Fahrzeuge gründete man bereits am 20. Juli 1923 die „Bekamo-Kraftfahrzeug-Aktiengesellschaft“ mit Sitz in Berlin-Wilmersdorf. Die Gründer dieser weiteren AG, die sämtliche Aktien übernahmen, waren:

- Ed. P. Eismann GmbH (Berlin)

- Grundbesitz Centrum GmbH (Essen)

- prakt. Arzt Dr. Isidor Müller (Karlsbad)

- Frau Frieda Spiegler, geb. Fleischer (Berlin)

- Werner Joachim Henrich (Berlin-Friedenau)

Als Direktor der Aktiengesellschaft war Hans Glaser benannt.

Im Geschäftsjahr 1923 litt die Berliner Kleinmotoren AG unter dem allgemeinen Währungsverfall, weshalb ein Substanzverlust des Firmenkapitals unausweichlich war. Trotz einer starken Nachfrage nach Kleinmotoren konnte diese auch nur unzureichend bedient werden, da die Gesellschaft von ihren Zulieferern häufig im Stich gelassen wurde und dadurch Verluste erlitt. Für das Jahr 1923 wurde dennoch ein Reingewinn von 10.482,6 Billionen Mark ausgewiesen. Hinzu kam, dass zu dieser Zeit in der Verwaltung der Gesellschaft einige Unstimmigkeiten herrschten.

Bereits im Mai 1923 erzielten die Rennfahrer Max Hucke und Joseph Thevis beim Stadionrennen in Berlin bedeutende Platzierungen auf Bekamo-Motorrädern. Hucke belegte den ersten Rang in der Klasse bis 150 ccm auf einer 145 ccm Bekamo, während Thevis mit dem gleichen Modell den dritten Platz erreichte. In der nächsthöheren Klasse bis 200 ccm fuhr Thevis erneut mit derselben Maschine auf den fünften Platz und wurde in der Klasse bis 250 ccm Vierter. Hucke schied in dieser Kategorie mit einer leistungsstärkeren Bekamo aus. Bei der drei Wochen später veranstalteten Berliner Sportwoche sicherte sich das Team von Bekamo vier erste Plätze. Zudem überzeugte Hucke im Berliner AVUS-Rennen am 24. Juni 1923, indem er sowohl in der Klasse bis 150 ccm als auch in der 200er Klasse jeweils den ersten Platz errang. Auch andere prominente Rennfahrer wie der Berliner Rudolf Schirmer, Harry Herzogenrath aus Köln und der junge Mannheimer Franz Islinger erzielten auf Bekamo-Motorrädern oder mit Bekamo-Motoren ausgestatteten Rennmaschinen verschiedener Marken beachtliche Erfolge. So errang Harry Herzogenrath beim Straßenrennen um die Meisterschaft des Klubs für Motorsport Köln im September 1923 auf einer Bekamo in der Klasse I den dritten Platz. Im darauffolgenden Jahr holten die Kölner Fahrer Faust und Heinrich Wronker auf Eichler-Bekamo-Maschinen beim Ullein-Erinnerungsrennen auf der Radrennbahn in Köln-Riehl im Juni Siege in den Klassen bis 150 ccm und bis 250 ccm.

Auf der Berliner AVUS-Rennstrecke stellten vom 6. bis 8. Dezember 1923 der Tsingtau-Flieger Gunther Plüschow mit einer ununterbrochenen Fahrt von über 48 Stunden auf einer Eichler-Bekamo-Maschine sowie die Fahrer Fritz Rahn, Max Hucke und Joseph Thevis mit einer kontinuierlichen Fahrzeit von über 72 Stunden unter Fahrerwechsel zwei neue Weltrekorde auf. Nach Angaben zeitgenössischer Zeitungsberichte wurden hierfür von der Firma Eichler modifizierte, aufgebohrte Bekamo-Motoren mit einem Hubraum von etwa 157 ccm verwendet.

Bei der Frühjahrszuverlässigkeitsfahrt des Motorradfahrerklubs Mannheim im April 1924 erzielte der ortsansässige und damals 13-jährige Franz Islinger auf einer Bekamo den ersten Platz in der Kategorie Kleinkrafträder. Ebenfalls im April nahmen der Magdeburger Fahrer Meinecker mit einer Bekamo sowie Max Hucke mit einer Eichler-Bekamo am Wettbewerb um den „Großen Grade-Preis“ in der Region Magdeburg teil. Dabei belegte Meinecker den zweiten Platz und Hucke den fünften Platz in der Fachklasse. Otto Hartung, Motorradhändler aus Halle, errang beim lokalen Rennen „Rund um den Petersberg“ im Mai 1924 auf einer Eichler-Bekamo einen Sieg.

Hucke nahm beispielsweise mit einer Brand-Bekamo an der Deutschen Motorrad-Klubmeisterschaft im Mai 1924 in der Klasse bis 150 ccm Hubraum auf der Berliner AVUS-Rennstrecke teil und belegte dort den vierten Platz. Ein weiterer Erfolg konnte Hucke bereits beim Karlsbader Bergrennen im Juli 1923 verbuchen. Auch Joseph Thevis erzielte schon bei der „Deutschen Tourist Trophy“ in Swinemünde im Juli 1923 einen Sieg und gewann gemeinsam mit Hucke im September 1923 drei erste Plätze beim Motorradrennen auf der Olympia Bahn in Berlin. Auch Rennmaschinen von TX und Eichler wurden mit Bekamo-Motoren ausgestattet. So stellte Rudolf Ahrens im Mai 1924 auf einer TX-Bekamo-Maschine während des Kilometerrennens auf der Berliner AVUS einen neuen deutschen Rekord in der Klasse bis 200 ccm auf. Bei der „Deutschen Tourist-Trophy“ am 12. und 13. Juli 1924 im Rahmen des Bäderrennens in Swinemünde starteten die Berliner Ebstein auf einer Brand-Bekamo sowie Rudolf Ahrens auf einer TX mit Bekamo-Motor. Ahrens erreichte in der Kategorie bis 200 ccm Hubraum den zweiten Platz.

Weitere Siege erzielte man:

- bei der Verbrauchs- und Schnelligkeitsprüfung in Schleiz im Juni 1923

- beim Gabelbach Rennen in Ilmenau im August 1923

- bei der Deutschen Motorrad Bahnmeisterschaft in Leipzig im August 1923

- beim Schöberberg Rennen in Rumburg (Böhmen) im Juli 1924 und im Juli 1925

- bei der Bergprüfung am Ettersberg in Weimar im Juli 1924

- beim Karlsbader Bergrennen im Juli 1924 und im Juli 1925

- beim Internationalen Bahnrennen in Marienbad im Juni 1925

 

Die „Bekamo Motoren-Gesellschaft, Kaehlert & Ruppe“ wurde als zusätzliche Produktionsfirma etwa Mitte 1924 in Rumburg/Böhmen gegründet. Unternehmensgegenstand war die Herstellung von Benzinmotoren und elektrischen Apparaten. Als Geschäftsführer waren der Ingenieur Arthur Kaehlert sowie der Kaufmann Hugo Ruppe vermerkt. Während Kaehlert vermutlich von Berlin nach Rumburg umzog, blieb Ruppe weiterhin in Berlin ansässig. Im Rahmen verschiedener Sportveranstaltungen wurden Teilnehmer im Namen des Unternehmens „Kaehlert & Ruppe“ gemeldet; so starteten beim Marienbader Bahnrennen im Juni 1924 vier Bekamo-Fahrzeuge für die Firma. Zu den Fahrern zählten Paul Luedtke und Kurt Pohle, wobei letzterer mutmaßlich mit einer TX-Bekamo in der Klasse bis 175 ccm den Sieg errang. Im Juli 1926 wurde ein Vergleichsverfahren über das Vermögen der Gesellschaft sowie der beiden persönlich haftenden Gesellschafter eröffnet.

Zur Person Arthur Kaehlert:

Arthur Kaehlert war Ende Januar 1919 gemeinsam mit Jörgen Skafte Rasmussen (siehe „DKW“) Geschäftsführer der in Berlin gegründeten „Kleinmotorenvertriebsgesellschaft mbH“ mit Sitz in der Potsdamer Straße. Das Unternehmen widmete sich dem Verkauf von Kleinmotoren, insbesondere Fahrrad-Hilfsmotoren der „Zschopauer Maschinenfabrik J.S. Rasmussen“. Um 1921 entwickelte sich daraus die „Kleinmotoren- und Magnet-Fabrik GmbH“, die weiterhin an derselben Adresse residierte und von Kaehlert geführt wurde. Im März 1923 trat Ingenieur Hugo Ruppe als Geschäftsführer bei. In dieser Zeit zog das Unternehmen in die Reinickendorfer Straße. Im Juni 1925 legte Kaehlert die Geschäftsführung nieder. Schließlich wurde die „Kleinmotoren- und Magnetfabrik GmbH“ im März 1929 aus dem Handelsregister gestrichen. Anfang 1930 gründete Kaehlert den „Ingenieur Arthur Kaehlert R.K.B.-Kleinmotoren-Vertrieb“ in Berlin, dessen Geschäftstätigkeit jedoch nur bis etwa Oktober des darauffolgenden Jahres andauerte.

Zur Person Hugo Ruppe:

Bevor Paul Hugo Ruppe den Bekamo-Motor entwickelte, war er zunächst bei Jörgen Skafte Rasmussen tätig, wo er für dessen Unternehmen unter anderem einen 1-PS-Fahrrad-Hilfsmotor konzipierte. Im Anschluss übernahm er die Leitung der „Rota-Magnetapparatebau GmbH“ in Zschopau, die im Juli 1920 gegründet wurde und sich auf die Herstellung sowie den Betrieb von Magnetapparaten, elektrischen Maschinen und anderen Geräten spezialisierte. Das Unternehmen verließ Ruppe bereits im März 1921. Während dieser Zeit entwickelte er den Bekamo-Motor mit Hilfskolben, der zwischen 1923 und 1925 zu den leistungsfähigsten Einzylinder-Zweitaktmotoren zählte. Das entsprechende Patent für dieses Motorenkonzept wurde bereits im Januar 1921 angemeldet, jedoch nicht auf den Namen Hugo Ruppe selbst, sondern auf seine Ehefrau Ida Ruppe, geborene Berneis, zusammen mit Wilhelmine Hucke, geborene Kunze, die Ehefrau des Monteurs Max Hucke. Man kann also davon ausgehen, dass auch Max Hucke einen gewissen Anteil an der Entwicklung dieses Motors hatte. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurden motortechnische Patente auf den Namen von Ida Ruppe ausgestellt, die im Jahr 1912 zudem Inhaberin der „Perkeo Apparate-Bauanstalt Ida Ruppe“ in Leutzsch war. Ende 1924 wurde in Berliner Fachzeitschriften der von Ingenieur Hugo Ruppe entwickelte „Ruko“ Zweistromart-Klein-Umformer (vermutlich ein Transformator) beworben, der sich unter anderem zum Laden von Heizbatterien oder als Antriebseinheit für den Haushalt und Kleinbetrieb eignete. Anfang Dezember 1925 gründete Ruppe gemeinsam mit Dr. jur. Paul Albert Wickmann die „Ruppe Motor GmbH“ mit Sitz in Berlin. Unternehmensgegenstand war die Fertigung und der Vertrieb technischer Entwicklungen, insbesondere jener von Ingenieur Hugo Ruppe. Zeichnungen und Schutzrechte zu einer kleinen Lichtanlage, einem stationären Motor, einem Lehrmittelmotor und einem Fahrradmotor, die beiden Gesellschaftern gemeinsam gehörten, wurden dem Stammkapital als Einlage angerechnet. Die Geschäftsführung lag bei Major a.D. Otto Schloifer und Dr. Wickmann. Der von Ruppe entwickelte Fahrrad-Motor verfügte über eine Leistung von 0,5 PS, wog lediglich 7 Kilogramm und konnte unkompliziert an einem Fahrrad montiert werden.

Anfang 1933 bis Frühjahr 1935 leitete Ruppe zusammen mit Sigismund Salomon die „Electrofan GmbH“ in Berlin.

 

Zurück zur Marke Bekamo

Im Juli 1925 eröffnete die „Bekamo Kraftfahrzeug AG“ eine Niederlassung in Bonn, die am 7. Juli als „Bekamo Motorfahrzeug GmbH“ ins Handelsregister eingetragen wurde. Das Unternehmen hatte sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Motoren und insbesondere von Bekamo-Motorfahrzeugen spezialisiert. Vermutlich war es lediglich eine Generalvertretung zum Vertrieb der Berliner Bekamo-Produkte. Jürgen Hahn, dessen gleichartiges Geschäft vollständig in die GmbH überging, wurde Gesellschafter. Die Geschäftsführung lag bei Jürgen Hahn und dem Kaufmann Emil Frisinger. Bereits im Frühjahr 1926 meldete das Unternehmen Insolvenz an.

Zwischen etwa 1925 und 1926 offeriert man einen dreirädrigen Lieferwagen, der mit einem Ventilator unterstütztem Bekamo-Motor ausgestattet war. Der Zylinder war hier vertikal positioniert. Ebenfalls mit einer solchen Antriebseinheit war ein Damen-Motorradmodell erhältlich. 

Beworben wurden die Bekamo-Motoren sowie die Motorräder und der Lieferwagen im Jahr 1926 auch durch die Berliner „Bekamo-Vertriebsgesellschaft Donath & Co. oHG“ in der Potsdamer Straße.

Für die Saison 1926 wurde der Hubraum beim bisherigen Motorentyp von 129 ccm auf etwa 118 ccm reduziert. Diese Anpassung erfolgte aufgrund einer Senkung des Leistungslimits für die Steuerbefreiung auf maximal 0,7 Steuer-PS. Bereits Ende 1925 stand zudem ein neuer Motor mit ca. 160 ccm Hubraum und 0,89 Steuer-PS zur Verfügung. Das Einzylinder-Zweitaktaggregat erreichte an der Bremse eine Leistung von 5,5 PS. Die für Bekamo charakteristische zusätzliche Frischluftzufuhr zur effizienten Spülung war bei dieser Ausführung neben dem Vergaser positioniert. Der Motor wurde sowohl als luftgekühlte als auch als wassergekühlte Variante angeboten. Ein Bekamo-Motorradmodell mit dem luftgekühlten Motor verwendete einen klassischen Stahlrohrrahmen mit Stecktank und Parallelogrammgabel, dessen Bauweise Anleihen beim Rahmen des „Modell Klasse“ der Motorradmarke „Bamo“ erkennen ließ. Das Getriebe mit Schaltschwert war separat hinter dem Motor verbaut; der Kraftschluss zum Hinterrad erfolgte über eine Kette. Die Produktion der Motoren und des genannten Motorradmodells durch die Berliner Kleinmotoren AG endete im Jahr 1926.

Die „Berliner Kleinmotoren Aktiengesellschaft“ wird im November 1927 aus dem Handelsregister gelöscht. Die „Bekamo-Kraftfahrzeug-Aktiengesellschaft“ wird Anfang des Jahres 1929 aus dem Handelsregister ausgetragen.

Nach Informationen aus Zeitschriften übernahm die Berliner Motorenbaufirma „Waldemar Haumann“ die Restbestände und Produktionseinrichtungen des früheren Fabrikanten und bot die Motoren sowie Ersatzteile dazu in Inseraten weiter an. Folgende Auswahl war noch verfügbar:

- Bekamo-Motor für Brand-Kraftrad, 0,74 Steuer-PS / 3,5 PS

- Bekamo-Motor für Brand-Kraftrad, 0,68 Steuer-PS / 3,0 PS, steuer- und führerscheinfrei

- Bekamo-Motor für Eichler-Kraftrad, 0,83 Steuer-PS / 4,0 PS

- Bekamo-Motor für TX-Kraftrad, 0,99 Steuer-PS / 5 PS

Auch Motorsägen wurden mit Bekamo-Motoren betrieben. So setzte die Berliner Firma „E. Ring & Co.“ um 1927 für ihre Rinco-Motorsäge einen 6,5 PS starken Bekamo-Motor ein. Die Modelle, die Mitte der 1920er Jahre verbaut wurden, waren einfache Zweitaktmotoren ohne Hilfskolben oder Getriebe. Zuvor kamen angeblich auch Bekamo-Motoren mit 129 ccm und 175 ccm Hubraum sowie Hilfskolben zum Einsatz. Produziert und vertrieben wurden die Motorsägen in Rumburg (Böhmen) durch die „Bekamo Motoren-Gesellschaft Kaehlert & Ruppe“. Ab den dreißiger Jahren entwickelte man für die Kettensägen eigene „B.B.1“-Motoren. Im Jahr 1932 wechselte das Werk in Rumburg den Besitzer und firmierte unter neuem Namen.

 

(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. Januar 2026)

Quellen:

(1)   Deutscher Reichsanzeiger, 1911-1935

(2)   Adressbuch Berlin, 1920-1925

(3)   Handelsregister Berlin, 1921-1923

(4)   Berliner Tageblatt, 1922-1923

(5)   Berliner Börsen-Zeitung, 1923-1929

(6)   Sächsische Staatszeitung, 1920-1921

(7)   Hoppenstedt, Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, 1921-1924

(8)   Der Motorwagen, 1922

(9)   Handelsregister Berlin, 1923

(10) Die Voss, 1922-1923

(11) Österreichischer Motor – Der Flug. 1923

(12) Wiener Sporttagblatt, 1923

(13) Allgemeine Automobil Zeitung, 1923

(14) Illustrierte Motorzeitung, 1923-1924

(15) Der Motorfahrer, 1924

(16) Kölnische Zeitung, 1924-1925

(17) Echo der Gegenwart, 1923

(18) Münchner neueste Nachrichten, 1923

(19) Hannoverscher Kurier, 1924

(20) Mannheimer General-Anzeiger, 1924

(21) Hallische Nachrichten, 1924

(22) Stuttgarter neues Tagblatt, 1922-1924

(23) Saale Zeitung, 1924

(24) Internationale Maschinenwelt, 1924

(25) Deutsche allgemeine Zeitung, 1923-1927

(26) General-Anzeiger, 1925

(27) Rheinische Volkswacht, 1926

(28) Sächsische Dorfzeitung, 1926

(29) Paderborner Anzeiger, 1926

(30) Prager Tagblatt, 1926

(31) Pilsner Tagblatt, 1926

(32) Motor Sport, 1928

(33) Vladimir Simanov / Radan Bernacky, Motorová Pila, 2018


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