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Amo / Muenchen

Informationen zum Hersteller

Aktiengesellschaft für Motorenbau 
Hindenburgstraße 40, München
(1/1922 bis 6/1922)

Hindenburgstraße 61, München
(11/1922 bis 6/1923)

Blutenburgstraße 112, München 
(2/1924 bis 2/1925)

Quitzowstraße 27-30, Berlin
(07.11.1924 bis 30.11.1925)

 

Im Januar 1922 wird die „Aktiengesellschaft für Motorenbau“ in München gegründet. Neben Rentamtmann a.D. Gustav Forstner und Direktor Oskar Herf gehören die „Motoren-, Maschinen- & Triebwagenbau GmbH“ und die „Hella Motoren Gesellschaft mbH“ sowie deren Geschäftsführer, Ing. Patrice Drexel, zu den Gründern. 

Die „Motoren-, Maschinen- & Triebwagenbau GmbH“ übernahm im Juli 1921 die in Konkurs geratene „Motoren- und Lokomotivbau Matthias Emeringer“. Die Ursprünge dieser Firma reichen bis ins Jahr 1919 zurück, in dem der Diplomingenieur Matthias Emeringer die Firma noch unter leicht abweichendem Namen eintragen ließ. Die „Aktiengesellschaft für Motorenbau“ übernimmt den Firmensitz an der Hindenburgstraße 40. 

Die „Hella Motoren Gesellschaft mbH“, vormals ansässig in der Giselastr. 1 in München, verlegt den Firmensitz ebenfalls an die oben genannte Adresse und wird vermutlich in das neue Unternehmen integriert. Einer der Geschäftsführer dieser GmbH, Felix Maeser, wird Vorstand der „Aktiengesellschaft für Motorenbau“, in seiner Funktion wird er ab Juni 1922 von Jakob Wallauer unterstützt. 

Zweck der „Aktiengesellschaft für Motorenbau“, im nachfolgenden „Amo“ genannt, ist die Herstellung und der Vertrieb von Motoren jeglicher Art, insbesondere von Verbrennungsmotoren und aller hiermit in Zusammenhang stehender Gegenstände. 

Bereits im ersten Geschäftsjahr beträgt der Reingewinn 3 Millionen Mark, daraus zahlt man eine Dividende von 25 Prozent. Neben der Fertigung des Hella-Fahrradeinbaumotors (siehe Hella) nimmt man im Februar 1923 die Serienfabrikation eines 2,5 PS Leichtmotorrades unter dem Markennamen „Amo“ auf. Das Modell verfügt über zwei Gänge, Leerlauf und Friktionskupplung. Dieses 1923er Modell B I hat einen Einzylinder-Zweitaktmotor mit einer Bohrung von 54 mm bei 64 mm Hub. Daraus resultiert ein Hubraum von 146 ccm, die Leistung beträgt 2,4 Brems-PS. Optional werden auch Versionen mit einer 52 mm bzw. 56 mm Bohrung und Leistungen von 1,5 bzw. 2,75 Brems-PS angeboten. Die Kraftübertragung erfolgt über eine Kette zum Getriebe und weiter mittels Riemen zum Hinterrad. Abgefedert wird das Vorderrad über eine Pendelgabel mit horizontaler Zentralfeder. Die Sattelhöhe beträgt 0,8 Meter, das Fahrzeug wiegt 47 kg. Es ist eine Höchstgeschwindigkeit von 55 km/h erreichbar. Verzögert wird die Maschine mit einer Felgenbremse und einer Bandbremse, die auf die Kupplung wirkt. Die Motorräder werden in einer silbergrauen Lackierung ausgeliefert.

Bei der ADAC-Reichsfahrt im Juli 1923 treten gleich drei Fahrer aus München auf Amo Motorrädern in der Klasse I bis 150 ccm an. Ludwig Reisinger belegt den zehnten, Karl Freihammer den elften und F. Maeser den vierzehnten Platz. 

Im Sommer beschließt „Amo“ die beiden Münchener Firmen „Motoren- Maschinen- & Triebwagenbau GmbH“ und die „Hansawerk GmbH“ in das eigene Unternehmen zu integrieren. Letztgenannte Firma produziert Leichtmotoren, speziell Fahrradhilfsmotoren, vermutlich für oder mit „Hella“. Die Fertigung liegt u.a. an der Baierbrunnerstraße 26, hier befindet sich im weiteren Verlauf auch die Rahmenfertigung von Amo. Die „Hansawerk GmbH“ wurde im Frühjahr 1922 an der Giselastraße 1 gegründet. Die vormals dort ansässige „Hella Motoren GmbH“ verlegt wie oben beschrieben zeitgleich Ihren Sitz an die Hindenburgstraße 40. 

Auch das Geschäftsjahr 1923 endet erfolgreich. Im September erwirbt man die erste eigene Immobilie, ein an der Hindenburgstr. 40 angrenzendes Baugrundstück. Zusätzlich wird ein Fabrikanwesen in München erworben, jedoch aus Liquiditätsgründen bereits im Juli des darauffolgenden Jahres wieder verkauft. So befindet sich bis ins Jahr 1925 der Motorenbau, der Einkauf und die Lagerhaltung an der Hindenburgstr. 40. Der Firmensitz selbst wechselt im Herbst 1922 zur Hindenburgstr. 61. 

Auf der Stuttgarter Sport-Ausstellung im Mai präsentiert Amo die zwei neuen Modelle des Jahres 1924. Für diese ist die Antriebseinheit neu konstruiert worden. Das Zweigang-Getriebe ist mit dem Motor zu einem Block vereinigt und verfügt über Leerlauf, Kickstarter und Kupplung. Es wird über eine Fußschaltung betätigt, Halt liefern Fußrasten, der Antrieb erfolgt über einen Keilriemen. Der Motor verfügt über einen Aluminium-Kolben und benötigt ein Mischverhältnis von 20:1 für die automatische Schmierung. Der Magnet stammt von Zulieferern wie Bosch bzw. Mea und wird über gekapselte Zahnräder angetrieben. Je eine Vorder- und Hinterradbremse verzögern die Räder, diese sind mit 26x2 Zoll etwas breiter als im Vorjahr bereift. Zwei Werkzeugkästen befinden sich seitlich am Gepäckträger, der vordere Kotflügel ist wie bereits im Vorjahr seitlich verkleidet.  Bei der Farbgebung der Zweiräder ist man auf schwarz umgestiegen. Folgende Merkmale weisen die Typen daneben auf:

Type B I – 2 PS
130 ccm, 0,745 Steuer-PS / 2,3 Brems-PS, steuer- und führerscheinfreies Kleinkraftrad,
der Auspuffkrümmer teilt sich am vorderen Rahmenrohr und führt dort in den Schalldämpfer,
das Vorderrad wird über eine Parallelogrammgabel nach System Druid abgefedert.
Gewicht 55 kg, Tankinhalt 5 Liter, Verbrauch 2,5 Liter, Sattelhöhe 0,75 m,
Höchstgeschwindigkeit 65 km/h.
Preis: 1020 Goldmark

Type B II – 3 PS
249 ccm, 1,49 Steuer-PS / 3,6 Brems-PS, mittelschweres Motorrad, der Zylinder verfügt über zwei Auslassschlitze, zwei Auspuffrohre führen vom Zylinder in den vorderen Schalldämpfer, 
die Vorderradfederung erfolgt über eine Parallelogrammgabel mit zentraler Doppelfeder.
Gewicht 62 kg, Tankinhalt 5,5 Liter, Sattelhöhe 0,75 m, 
Höchstgeschwindigkeit ca. 75 km/h.

Amo startet erfolgreich in das Sportjahr 1924, es werden die neuen Maschinen des Modelljahrgangs eingesetzt. Im Februar sind es zwei Siege bei der Winterfahrt des MSC-Sturmvogel am Schäftlarner Berg. In der Klasse bis 150 ccm der Fachfahrer gewinnt Salvermoser auf einer Amo Type B I. In der Klasse bis 250 ccm der Fachfahrer siegt Reisinger auf einer Amo Type B II. 
Bereits eine Woche vorher ist Ludwig Reisinger beim Bergrennen der ADAC-Winterfahrt auf gleicher Strecke erfolgreich. Er belegt den zweiten Platz, ebenfalls mit einer Type B II 3 PS. 
Im Mai nehmen Jakob Daiser, Karl Freihammer und Ludwig Reisinger auch am Solitude-Rennen in Stuttgart teil. Erwähnenswert bleibt noch der zweite Platz vom Hagener Rosenkranz beim „Selbecker Bergrennen“ in der Klasse bis 150 ccm.

Ein Umsatzrückgang belastet das Geschäftsjahr 1924. Ab Februar desselben Jahres wird mit der Blutenburgstraße 112 in München eine weitere offizielle Firmenadresse angegeben.  Im November fusioniert man mit der „Maschinen- und Metallwarenfabrik GmbH“ in Berlin. Der Firmensitz wird nach Berlin-Moabit in die Quitzowstraße 27-30 verlegt, der Anschrift des neuen Partners. Dessen Eigentümer, die Firma „Sylbe & Pondorf“ aus Schmölln in Thüringen, übernehmen maßgeblichen Einfluss auf die fusionierte Aktiengesellschaft. In Berlin verfügt man über ein eigenes Fabrikgebäude mit 2000 qm Arbeitsfläche. 

Sportlich gibt es für Freihammer aus Berlin einen Erfolg bei der Winterfahrt Berlin-Hirschberg, er bleibt strafpunktfrei. 

Für die Firma werden die finanziellen Probleme immer größer. Im November 1925 gibt man den Verlust der Hälfte des Eigenkapitals bekannt. Dies führt am 30.11.1925 zur Eröffnung des Konkursverfahrens und besiegelt das Ende des Unternehmens. In der Mittelgewichts-Klasse  präsentiert Amo auf der zeitgleich stattfindenden Deutschen Automobilausstellung noch ein neues Motorrad mit Namen „Imrad“. Leider liegen keine weiteren Informationen zu dieser Type vor. Vermutlich wird es nicht mehr zu einer nennenswerten Fertigung gekommen sein.  

In der zeitgenössischen Literatur wir erwähnt, dass die „Aktiengesellschaft für Motorenbau“ im Jahr 1925 ein Motorrad mit 496 ccm Einzylinder Motor und Fußschaltung entwickelte. Als Marke soll der Name „Evans-Pondorf“ genutzt worden sein. Auch wenn für diese Recherche keine Nachweise hierzu gefunden wurden, so lässt sich der Name „Evans-Pondorf“ vom neuen Mitinhaber der Amo, „Sylbe & Pondorf, ableiten. Daneben verfügten die Amo Modelle 1924 bereits über eine Fußschaltung. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zum oben beschriebenen „Imrad“. 

(Zusammengestellt von Frank Grüneboom, Februar 2026)

Quellen:
Adressbuch Berlin 1926
Adressbuch München 1922-1930
Berliner Börsenzeitung 1924-1925
Berliner Handelsregister 1927
Berliner Tagblatt 1924
Das Motorrad 1925
Der Auto-Markt Pössneck 1924
Deutsche allgemeine Zeitung 1925
Deutscher Reichsanzeiger 1922-1925
Die Motorräder des Jahres 1923 – Verlag der Automobilwelt – Flugwelt
Dortmunder Zeitung 1924
Erwin Tragatsch, Motorräder Deutschland Österreich Tschechoslowakei 5. Auflage 1922
Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften 1922-1926
Illustrierte Motorzeitung 1924
Kölnische Zeitung 1923-1924
Leipziger Tageblatt 1925
Münchener Neueste Nachrichten 1919-1926
Prospekt Modell 1923
Prospekt Modell 1924
Stuttgarter neues Tagblatt 1923-1925
 

 


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