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Wikro

Informationen zum Hersteller

W.J. Krauß & Co.

Maschinenfabrik

Köln-Höhenberg, Olpener Straße 95                                            (1888 – mindestens 1927)

 

Eine eher unbekannte Kölner Motorradmarke war die „Wikro“, die auch unter der Bezeichnung „Wikro-Präzision“ oder „Wikro-Precision“ in Erscheinung trat. In Sportberichten konnte man sie ab etwa Mai 1924 finden.

Hergestellt wurden die Wikro-Motorräder von der Maschinenfabrik „W.J. Krauß & Co.“ in Köln-Höhenberg im Zeitraum um 1924. Die von Wilhelm Joseph Krauß, Wilhelm Vogelsberg und Wilhelm Uebelacker in Köln-Kalk als Handelsgesellschaft gegründete Firma entstand bereits im Juli 1888. Nachdem Ausscheiden der Kompagnons löste man im November 1893 die Gesellschaft auf und Krauß wurde alleiniger Inhaber. Vermutlich um das Jahr 1915 starb dieser. Das Unternehmen wurde von seiner Witwe Catharina Krauß fortgeführt. Angeboten wurden um 1924 Kraftradmodelle mit Einbaumotoren des englischen Herstellers Blackburne in den Hubraumgrößen 350 ccm und 550 ccm. Die kleinere Ausführung war vermutlich als seitengesteuerte 9 PS Version wie auch als oben gesteuerte Version erhältlich, die größere Type besaß ein seitengesteuertes 14 PS Antriebsaggregat. Die erreichbaren Höchstgeschwindigkeiten lagen bei 90 bis 125 km/h. Das oben gesteuerte 350 ccm Modell besaß ein Dreigang-Getriebe mit Kupplung, Kickstarter und einen direkt am Getriebe montierten Schwertschalthebel. Geliefert wurde dieses vermutlich vom englischen Produzenten Sturmey-Archer. Der Antrieb zum Hinterrad erfolgte über eine Kette. Die Fahrgestelle waren als offene Stahlrohrrahmen ausgeführt und mit einer Parallelogrammgabel zur Federung des Vorderrades ausgestattet. 

Rennen:

Beim Bergrennen im Rahmen der Zuverlässigkeitsfahrt zum „Großen Straßenpreis von Köln“ am 11. Mai 1924, welcher vom Köln-Ehrenfelder Motorsport-Klub e.V. ausgetragen wurde, erzielte Krauß auf „Wikro-Präzision“ in der Klasse von 250 ccm bis 350 ccm Hubraum den dritten Platz, die gleiche Platzierung konnte er in der zugehörigen Flachprüfung und im Gesamtklassement erreichen. Der Wikro-Fahrer in diesem Rennen dürfte der Ingenieur Wilhelm Krauß gewesen sein.

Zwei Wochen später, beim Motorrad-Bahnrennen auf der Köln-Riehler Zementbahn, welches vom „Club für Motorsport Köln e.V,“ (CMK) veranstaltet wurde, konnte Faust auf „Wikro-Präzision“ beim Wettbewerb um den Ehrenpreis des CMK den vierten Platz in der Klasse bis 350 ccm Hubraum erreichen. Mitte Juni waren Wilhelm Krauß und der Erfurter Friedrich Waszilewitz in der Nennungsliste zur Deutschen Kraftrad Straßenmeisterschaft bei Schleiz zu finden.

Am 29. Juni 1924 erreichte Krauß beim Selbecker Bergrennen in der Klasse der 350 ccm Industriefahrer erneut den dritten Platz. Im darauffolgenden Monat war der Detmolder K. Feldmann auf einer „Wikro-Präzision“ auf der Sportbahn Münster zu sehen. Zudem tauchte Mitte Juli bei der Eifelrundfahrt eine „Wikro“-Maschine in der Nennungsliste auf. Bei der Eisenacher Bergprüfungsfahrt am 27. Juli belegte Krauß den zweiten Platz in der Kategorie der Industriefahrer bis 350 ccm. Sein Markenkollege aus Gotha, vermutlich Bernhard Kallensee, folgte ihm auf dem nächsten Rang. Waszilewitz beteiligte sich an der Motorrad-Zielfahrt „Rund um den Schlachtfeldgau“ der „Vereinigung Leipziger Motorradfahrer“ im August 1924.

Im Rahmen der Klubmeisterschaften der rheinischen Ortsgruppen des ADAC am 6. September 1924 absolvierte der Fahrer Braun die Zuverlässigkeitsfahrt von Köln nach Darmstadt auf einer 350 ccm Wikro-Maschine.

Vom 10. bis 13. September 1924 fand die Reichsfahrt statt. In der Klasse bis 350 ccm gingen laut Nennungsliste Waszilewitz aus Erfurt und Kallensee aus Gotha auf Wikro-Präzision an den Start. Beim zugehörigen Bergrennen in Eisenach erreichte Kallensee den dritten Platz. Das Flachrennen bei Kriescht schloss Damhorst mit dem zweiten Platz in der Klasse bis 250 ccm Hubraum ab.

Im Oktober 1924 richtete der Düsseldorfer Motoradklub die Rheinische Zuverlässigkeitsfahrt aus, bei der Krauß den siebten Platz belegte.

Beim Herkules-Bergrennen in Kassel am 24. Mai 1925 fuhr Dörrbecker aus Kassel auf seiner Wikro in der Klasse bis 350 ccm als Zweiter durchs Ziel.

Da nach 1924 keine Anzeigen für Wikro-Motorräder mehr erschienen, kann angenommen werden, dass die Firma die Motorradproduktion eingestellt hatte. Mindestens bis 1927 existierte das Unternehmen und wurde als Schrauben- und Maschinenfabrik in Adressbüchern geführt. Zudem betrieb die Firma zu dieser Zeit offenbar eine Garage in Köln-Deutz.

 

(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. Mai 2026)

Quellen:

(1)   Adressbuch Köln, 1915-1927

(2)   Adressbuch Erfurt, 1924

(3)   Ohligser Anzeiger, 1924

(4)   Kölnische Zeitung, 1888-1889, 1924

(5)   Kölner Sonntags-Anzeiger, 1888

(6)   Allgemeiner Anzeiger für Rheinland-Westphalen, 1889

(7)   Deutscher Reichsanzeiger, 1889-1893

(8)   Münchner neueste Nachrichten, 1924

(9)   Hannoverscher Kurier, 1924-1925

(10) Dortmunder Zeitung, 1924

(11) Münsterischer Anzeiger, 1924

(12) Leipziger Tageblatt, 1924

(13) Bergische Post, 1924

(14) Hamburger Fremdenblatt, 1924

(15) Badische Presse, 1924

(16) Karlsruher Tagblatt, 1924

(17) Ohligser Anzeiger, 1924

(18) Süddeutsche Zeitung, 1924-1925

(19) Schwäbischer Merkur, 1924

(20) General-Anzeiger, 1924, 1928

(21) Mannheimer Zeitung, 1925

(22) Württemberger Zeitung, 1925

(23) Stuttgarter neues Tagblatt, 1925


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