Torpedo
Informationen zum Hersteller
Weilwerke Aktiengesellschaft
Frankfurt am Main - Rödelheim (Dezember 1921 – Januar 1927)
Torpedo Fahrräder und Schreibmaschinen Weilwerke AG
Frankfurt am Main – Rödelheim, Alexander-Straße 69 (Januar 1927 – Januar 1934)
Torpedo-Werke Aktiengesellschaft. Fahrräder und Schreibmaschinen
Frankfurt am Main – Rödelheim, Alexander-Straße 69 (Januar 1934 – vermutlich 1967)
Frankfurt am Main, Hanauer Landstraße 208 (ca. 1935)
Unter dem Namen „Peter Weil & Co.“ gründeten die Rödelheimer Kaufleute Peter und Heinrich Weil am 1. Juli 1896 eine offene Handelsgesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main. Im Frühjahr 1898 wurde der Firmensitz nach Rödelheim verlegt. Der Geschäftsbetrieb umfasste die Herstellung und den Vertrieb von Fahrrädern sowie Fahrradbestandteilen. Als Markenname für die Fahrräder wurde „WEILRAD.“ gewählt, dessen Schutz im August 1898 beantragt wurde. Wenige Monate später erfolgte die Eintragung des erweiterten Markenzeichens für „WEIL-RAD Fahrradwerke Peter Weil & Co. Rödelheim, Frankfurt a.M.“.
Neben der Herstellung von Fahrrädern befasst man sich auch mit technischen Verbesserungen und meldet regelmäßig Neuerungen zum Patent an. In den ersten Jahren erfolgt der Vertrieb der Fahrräder zum Beispiel in Bonn durch das Zweiradgeschäft von Josef Voigt, in Jena durch den Händler Ernst Hartung sowie in Oschersleben durch den Fahrradhändler August Löwenstein.
Noch vor Produktionsbeginn der bekannten „Torpedo“-Fahrradnabe von Fichtel & Sachs beantragte die Firma Peter Weil & Co. im August 1902 den rechtlichen Schutz des Markennamens „Torpedo“ für Fahrräder. Daher wurden von Fichtel & Sachs keine Ansprüche bezüglich des Torpedo-Markennamens geltend gemacht. In den Folgejahren wurde der Anwendungsbereich des Markenschutzes auf Motorzweiräder, Schreibmaschinen und deren Zubehör erweitert. Im Jahr 1904 verbaute Peter Weil die Torpedo-Nabe von Fichtel & Sachs in den Rädern und berichtete über zufriedenstellende Erfahrungen damit. Ende 1905 wurde zudem der rechtliche Schutz des Markennamens „Mönus“ (lat. = der Main) beantragt. Dieser wurde im Jahr 1910 um „MOENUS Weilwerke GmbH Rödelheim-Frankfurt a.M.“ erweitert.
Patentanmeldungen belegen, dass das Unternehmen bereits im Sommer 1904 mit der Konstruktion von Schreibmaschinen begann. Mindestens ab November 1907 wurde die unter dem Namen „Torpedo“ beworbene Schnellschreibmaschine als deutsches Qualitätsprodukt präsentiert, was insbesondere auf ihre durchdachte Konstruktion und hochwertige Verarbeitung zurückzuführen ist. Das Unternehmen schrieb sich zu dieser Zeit als „Peter Weil & Co., Fahrradwerke und Schreibmaschinenfabrik“ und kündigte bereits eine geplante Erweiterung des Tätigkeitsbereichs auf die Herstellung von Motorfahrzeugen an.
Zu Beginn des Jahres 1908 erfolgte eine Umfirmierung. Der Geschäftsbeginn der neuen „Weil-Werke GmbH“ war der 24. Januar 1908. Die Firma, meist als „Weilwerke GmbH“ bezeichnet, führte weiterhin die Herstellung und den Vertrieb von Fahrrädern, Schreibmaschinen sowie verwandten Produkten als Unternehmenszweck. Gesellschafter waren Peter Weil und Heinrich Weil, die die Aktiva und Passiva des bisherigen Unternehmens „Peter Weil & Co.“ in das Kapital der GmbH einbrachten. Als Geschäftsführer wurden beide Gesellschafter sowie der Frankfurter Kaufmann und bisherige Prokurist Sally Wormser genannt.
Die Leitung der „Weil-Werke GmbH“ übernehmen im Herbst 1908 Sally Wormser und der Kaufmann Oscar Merckl. Die offene Handelsgesellschaft „Peter Weil & Co.“ wurde im Zuge der Umfirmierung aufgelöst, jedoch im November 1908 von den Fabrikanten Peter Weil und Heinrich Weil zum Zweck des Handels und der Herstellung von Fahrrädern neu gegründet. Hier trennten sich die Wege der beiden Firmen. Für die bei „Peter Weil & Co.“ produzierten Fahrräder wurde die Marke „MODELL Rödelheim, Frankfurt a.M.“ beantragt und im folgenden Jahr um die rechtlich geschützte Markenbezeichnung „P.W. & Co., Fahrradfabrik, Frankfurt am Main“ erweitert. Der Firmensitz befand sich zunächst in Rödelheim und wurde im Verlauf des Jahres 1910 nach Frankfurt am Main verlegt.
Die Weilwerke GmbH eröffnete 1910 zur Erweiterung ihrer Kundenpräsenz eine Verkaufsfiliale in der Berliner Mohrenstraße. Im Frühjahr 1913 wurde eine weitere Niederlassung in Karlsruhe gegründet, die jedoch im Jahr 1920 wieder geschlossen wurde. Die Torpedo-Fahrräder des Unternehmens wurden in zeitgenössischen Berichten als leicht, elegant, preisgünstig sowie durch ihren nahezu geräuschlosen Lauf besonders positiv bewertet. Ein geschütztes Gebrauchsmuster beschreibt einen Fahrradrahmen, dessen hochbeanspruchter Knotenpunkt am Steuerkopf mit einem gebogenen Rohrstück verstärkt ist; ein weiteres gebogenes Rahmenrohr befindet sich am hinteren Rahmenteil, welches aber auch aus einem Stück gefertigt sein kann. Darüber hinaus wird in einschlägigen Zeitungsberichten die hochwertige, mehrfarbige Emaillierung der Fahrräder hervorgehoben.
Im Unternehmen herrscht ein konstruktives Verhältnis zwischen der Belegschaft und der Geschäftsleitung. Unter Mitwirkung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes werden Lohntarifverträge mit einer Laufzeit von zwei Jahren abgeschlossen. Darüber hinaus dankt die Belegschaft für den von der Unternehmensleitung gestifteten Beitrag zur Arbeiter-Unterstützungskasse.
Unmittelbar nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Produktion auf den aktuellen Bedarf umgestellt. Unter dem Markennamen „Torpedo“ fertigte das Unternehmen metallene Lazarett-Bettgestelle, Nachttische für Lazarette, Krankenschild-Ständer sowie Tragbahren und lieferte diese an kommunale Behörden sowie das Rote Kreuz. Darüber hinaus wurden auch Zündladungskapseln für Granaten produziert.
Anfang 1917 übernahm die „Rheinische Schuckert-Gesellschaft für elektrische Industrie AG“ die Weilwerke GmbH. Es war vorgesehen, die Produktion nach dem Krieg auf Anlagen elektrischer Systeme umzustellen, was jedoch vermutlich nicht umgesetzt wurde. Die Geschäftsanteile an der Weilwerke GmbH wurden einige Zeit später an die „Motorenfabrik Oberursel AG“ veräußert. Nach dem Krieg firmierte die GmbH weiterhin als Fahrrad- und Schreibmaschinenfabrik und wurde im Dezember 1921 in die „Weilwerke Aktiengesellschaft“ umgewandelt. Anfang 1927 erfolgte die Umbenennung in „Torpedo Fahrräder und Schreibmaschinen Weilwerke AG“.
Nach zuvor überwiegend positiven Absatzzahlen im Fahrradsegment verzeichnet das Unternehmen infolge der ungünstigen Gesamtentwicklung auf dem deutschen Fahrradmarkt einen Rückgang der Verkäufe. Aus diesem Grund wurde die Fahrradproduktion im August 1928 zeitweise zu großen Teilen eingestellt. Um die Produktionskapazitäten weiterhin effizient zu nutzen, führte die Gesellschaft gegen Ende 1928 ein steuer- und führerscheinfreies Motorrad ein, das ab dem folgenden Jahr auch in überregionalen Zeitungen beworben wurde. In Hamburg war dieses Modell bei dem Händler Hugo Suberg in der Merkurstraße 28 erhältlich, in Witten beim Fahrradhaus Zimmermann und in Sinsheim beim lokalen Vertreter Fritz Zeiher.
Das Motorrad wurde vermutlich unter Verwendung eines firmeneigenen Fahrgestells entwickelt. Es war mit einem seitengesteuerten Einzylindermotor von Sturmey-Archer ausgestattet, der eine Leistung von 5 PS sowie einen Hubraum von 198 ccm aufwies. Der Zündmagnet war vor dem Motor platziert. Ebenfalls von Sturmey-Archer stammte das zugehörige Dreigang-Getriebe. Der Kraftstofftank setzte sich aus zwei seitlich am Rahmen befestigten Tankhälften zusammen und zeichnete sich durch ein ansprechendes Design aus. Mit 840 Reichsmark positionierte sich das Fahrzeug im marktüblichen Preissegment. Im Jahr 1930 wurde das Modell überarbeitet und erhielt eine Preßstahl-Tigergabel sowie einen vergrößerten Satteltank. Die Preislisten in den Fachzeitschriften führten das Modell bis etwa Mitte 1933 auf. Bereits 1929 stellte das Unternehmen eine Überproduktion im Motorradmarkt fest, meldete jedoch weiterhin zufriedenstellende Absatzzahlen. Jedoch leistete der Geschäftsbereich Motorrad zu dieser Zeit nur einen geringen Beitrag zum Gesamtergebnis des Unternehmens.
In der zweiten Hälfte des Jahres 1930 kamen Torpedo-Motorfahrräder mit eingebautem Fichtel & Sachs-Zweitakt-Hilfsmotor auf den Markt. Das Motorfahrrad war zunächst in einer Herrenausführung als „Torpedo-Fahrrad Nr. 61“ erhältlich. Dafür wurde ein verstärkter Fahrradrahmen mit Ballonbereifung verwendet. Der Motor hatte eine Bohrung von 42 mm und einen Hub von 54 mm, was zu einem Hubraum von 74 ccm führte. Die Leistung lag bei 1,25 PS, die Zündung erfolgte durch einen Schwungrad-Magneten. Das Gesamtgewicht betrug rund 33 kg, die Höchstgeschwindigkeit lag dank Zweigang-Getriebe bei etwa 31 km/h. Der Rahmen war tiefschwarz lackiert und mit doppelten Silberlinien versehen. Im darauffolgenden Jahr stand auch eine Damenausführung zur Verfügung. Werbeanzeigen für diese Modelle sind mindestens bis Oktober 1932 belegt; sie wiesen zu diesem Zeitpunkt auf den Einbau einer gefederten Vorderradnabe hin. Aufgrund geringer Nachfrage wurde die Produktion von Fahrrädern und Motorrädern im Jahr 1932 eingeschränkt; im Folgejahr erreichte der Absatz wieder das vorherige Niveau.
Zur weiteren Optimierung der Schreibmaschinentechnologie ging das Unternehmen Anfang 1932 in eine Kooperation mit der amerikanischen Remington Rand Inc. ein, um einen gegenseitigen Austausch von Patenten, Verfahren und Fertigungsmethoden zu ermöglichen. Darüber hinaus erwarb Remington Rand die Aktienmehrheit an dem Frankfurter Unternehmen. Im Januar 1934 erfolgte die Umbenennung des Unternehmens in „Torpedo-Werke AG Fahrräder und Schreibmaschinen“. Bis Ende 1935 zählte die Belegschaft rund 1000 Mitarbeitende. Aufgrund kontinuierlich hoher Nachfrage im gesamten Produktspektrum wurde die Produktion von Fahrrädern 1938 in bereits seit Jahren bestehende und bislang vermietete Werkshallen im östlichen Industrieviertel verlagert.
Um 1937 wurden neu entwickelte Motorfahrräder auf den Markt gebracht, die mit dem 2,25 PS Sachs Zweitaktmotor mit 98 ccm Hubraum ausgestattet waren. Es gab sie sowohl als Herrenausführung („Mofa 63“) als auch als Damenausführung („Mofa 64“). Beide Kleinkrafträder verfügten über eine Tiger-Preßstahl-Federgabel, Drehgas und einen Satteltank. Die Laufräder verfügten über eine Torpedo-Motorrad-Freilaufbremsnabe (hinten) und eine Fichtel & Sachs Vorderrad-Trommelbremsnabe. Die Standardfarbe war eine schwarze Emaillierung; gegen Aufpreis waren hellgraue und weidengrüne Varianten erhältlich. Um 1939 wurde eine weitere Variante eingeführt: Das Herrenmodell „Torpedo 65“, gefolgt vom Damenmodell „Torpedo 66“. Diese unterschieden sich von den Standard-Modellen durch einen Mittelständer anstelle eines Hinterradständers, Exzenterlager, Drilastic-Sattel, Beleuchtung in Torpedoform und Bleche in Kastenprofil. Diese sportlichen Motorfahrräder wurden bis etwa 1941 produziert. 1939 wurde zudem die Torpedo Saxonette beworben, bei der ein 60 ccm Sachs-Saxonette-Zweitaktmotor an der linken Seite des Hinterrades angebracht war.
Mit dem Modell 116 führte Torpedo voraussichtlich noch vor Ende des Krieges erstmals ein Leichtmotorrad mit einem Jlo-Einbaumotor ein. Der eingesetzte Doppelport-Zweitaktmotor verfügt über einen Hubraum von 125 ccm. Für die Vorderradfederung wurde zunächst eine Parallelogrammgabel verbaut, die später durch eine Telegabel ersetzt wurde. Zum Schutz der Antriebskette am Hinterrad wurde zudem eine großflächige Blechabdeckung angebracht.
Das Motorfahrrad Modell 63 wurde nach dem Krieg weiterhin angeboten, allerdings mit Unterschieden in der Rahmenausführung. Als Antrieb war zudem ein 98 ccm Sachs-Motor mit Kickstarter erhältlich. Alternativ konnte dieses als "63 K" bezeichnete Modell auch mit einem gleichstarken Jlo-Motor bestellt werden.
Ab etwa 1952 wurden Motorräder mit einem Hubraum von 150 ccm und 175 ccm angeboten. Das Modell mit 150 ccm war mit einem 6,5 PS starken Sachs-Motor ausgestattet, während beim 175 ccm-Modell ein Motor von Jlo verwendet wurde. Beide Varianten verfügten über eine Telegabel und Hinterradfederung. Ab 1953 war das Modell „Tornado 175 S“ zusätzlich mit einem 9,5 PS starken Sachs-Motor erhältlich. Die Produktpalette wurde um die Type „Tornado 200 J“ erweitert, die einen 197 ccm großen Jlo-Einzylindermotor mit einer Leistung von 11 PS besaß. Bei einem Gewicht von 119 kg erreichte dieses Modell eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 95 km/h. Alle genannten Motoren waren mit einem integrierten Viergang-Getriebe ausgestattet.
Ab etwa 1955 war der Verkauf von Motorrädern aufgrund eines allgemeinen Nachfragerückgangs im Zweiradbereich nur noch in geringem Umfang möglich. In den darauffolgenden Jahren verlagerte man die Produktion auf kleinere Krafträder mit einem Hubraum von 50 bis maximal 100 ccm. Das Modell „RS 100“ verfügte über einen 100 ccm Sachs-Zweitaktmotor mit einer Leistung von 5,2 bis 7 PS sowie ein Drei- bzw. später Viergang-Getriebe. Damit konnten Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreicht werden. Für die Federung des Vorderrads kam eine Schwingenkonstruktion zum Einsatz. Das Modell entsprach der Bauweise der Rixe „RS 100“ und wurde ungefähr zwischen 1955 und 1958 produziert.
Die 50 ccm Mopeds wurden in verschiedenen Varianten angeboten. Die Fahrgestelle waren entweder als Rohrrahmen oder als Stahlpresskonstruktionen ausgeführt. Die Motoren stammten ausschließlich von Fichtel & Sachs und verfügten teilweise über eine zusätzliche Kühlung durch einen angebauten Ventilator. Typenbezeichnungen waren unter anderem „Sport“, „Tourist“, „Sport Super“, „Tourist Super“, „Geschäftsmoped“, „RS 50K“, „Derby C“ und „Derby D“. Die Modelle besaßen im Motorgehäuse integrierte Viergang- oder Fünfgang-Getriebe. Etwa Mitte 1961 endete die Zweiradproduktion. Schreibmaschinen dagegen wurden noch bis etwa Mitte der 1960er Jahre hergestellt; danach erfolgte laut unbelegten Angaben die Unternehmensauflösung.
(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. Dezember 2025)
Quellen:
(1) Deutscher Reichsanzeiger, 1896-1913, 1920-1921, 1927, 1934
(2) Adressbuch Frankfurt, 1931, 1935
(3) General-Anzeiger, 1900
(4) Sächsische Rad- und Motorfahrer-Zeitung, 1905, 1912-1913
(5) Rhein- und Ruhrzeitung, 1907
(6) Kölnische Zeitung, 1907, 1917, 1920, 1925, 1931-1934, 1938
(7) Berliner Tageblatt, 1907-1909, 1912-1916
(8) Badische Presse, 1914, 1917
(9) Saale Zeitung, 1917
(10) Süddeutsche Zeitung, 1926-1928, 1930
(11) Berliner Börsen-Zeitung, 1927-1929
(12) Gießener Anzeiger, 1929-1930
(13) Neue Mannheimer Zeitung, 1929, 1932-1935
(14) Hamburger Volkszeitung, 1929-1930
(15) Hamburger Fremdenblatt, 1929
(16) Wittener Volks-Zeitung, 1929
(17) Schwäbischer Merkur, 1930
(18) Der Landbote, 1930
(19) Kemberger Zeitung, 1932
(20) Dorstener Volkszeitung, 1932
(21) Das Motorrad, 1933
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