Tautz
Informationen zum Hersteller
Franz Tautz-Motoren-Fabrik
Planitzstr. 31
Leipzig-Gohlis
(25.06.1921- ca. 1924)
Der Ingenieur Theodor Franz Tautz lässt im Mai 1921 seine Firma, die „Franz Tautz-Motoren-Fabrik“, ins Handelsregister eintragen. Firmensitz ist die Planitzstr. 31, Leipzig-Gohlis, im Kammergebäude der Artilleriekaserne. Ziel der Firma ist die Herstellung von Motoren, Motorrädern, Kleinautos und Zubehörteilen sowie der Handel mit diesen.
In dem Buch „Deutsche Krafträder und Kleinkraftfahrzeuge“ aus dem Jahr 1921 berichtet Ulrich W. B. Thäter, dass die Firma Tautz den Bau eines Fahrradhilfsmotors aufgenommen hat. Der Antrieb erfolgt über eine Kette, mit 50 mm Bohrung und 60 mm Hub entsprechen die Daten dem Motor des nachfolgend beschriebenen „Tautz Motorläufers“.
Vermutlich bereits im Frühjahr 1921 wird der „Tautz Motorläufer“ vorgestellt. Es handelt sich um ein leichtes Kleinkraftrad mit niedrigem Einstieg, das auch für die Damen als geeignet beworben wird. Der Motor kann durch „Anrudern“ mit den Beinen in sitzender Position gestartet werden, dies führte zur Namensgebung „Motorläufer“. Die kleinen Räder in der Größe 20 x 1,75 Zoll (ab spätestens September 1922 mit 20 x 2,5 Zoll) verstärken die Optik eines rollerähnlichen Zweirads.
Der liegend montierte, luftgekühlte Einzylinder-Zweitakt-Motor verfügt über 0,75 Steuer-PS. Das Schwungrad des hauseigenen Motors befindet sich außen, für die Zündung wird ein Bosch- bzw. Ruthardt-Magnet über Zahnräder angetrieben. Zwei Versionen stehen zur Wahl, der Typ A ist mit direktem Antrieb und Kupplung, der Typ B ist mit zwei Gängen, Leerlaufkupplung und Andrehvorrichtung versehen. Beide Modelle verfügen über eine Vorderradfederung und Fußbretter. Die Leistung wird mit 1,75 Brems-PS, das Gewicht mit 32 kg und die Höchstgeschwindigkeit mit 45 km/h angegeben. Der Verbrauch liegt bei etwa 1,5 Liter auf 100 km und ermöglicht bei einem Tankvolumen von 2,75 Litern eine Reichweite von etwa 150 km. Der Motor wird über eine Gemischschmierung versorgt, montiert ist 1921 ein Homa-Vergaser.
Neben dem geringen Gewicht profitiert das Zweirad durch die Anordnung des Motors von einem niedrigen Schwerpunkt, die Handhabung wird zusätzlich durch eine Sattelhöhe von 70 cm begünstigt. Der untere Rahmenzug besteht aus zwei Rohren, ein dazwischenliegendes Blech schützt den Motor vor Verschmutzung. Angetrieben wird das Hinterrad über eine Kette. Zwei voneinander unabhängige Bremsen wirken auf des Vorder- bzw. Hinterrad.
Anfang des Jahres 1924 wird das Damenmodell mit gefedertem Sattel angeboten. Ergänzt wird die Modellpalette um ein Herren- und Sportmodell. Dieses verfügt über eine moderne Motorradrahmenkonstruktion, bei der das obere Rahmenrohr geradlinig vom Steuerkopf zur Hinterradachse verläuft. Eine Pendelgabel federt das Vorderrad ab. Der Motor kann konstruktionsbedingt nun leicht nach vorne geneigt eingebaut werden. Die Leistung dieser ebenfalls führerscheinfreien Getriebemaschine wird mit 2 PS beworben. Carl Dahlhelm aus Halle fungiert als Generalvertreter für den Regierungsbezirk Merseburg und den Freistaat Anhalt.
Die Firma Tautz wird im Mai 1924 noch in den Ausstellerlisten für die im Herbst geplante „Deutsche Automobilausstellung“ am Kaiserdamm in Berlin geführt, ob die Teilnahme noch erfolgte, ist nicht übermittelt. Anzunehmen ist, dass auch Tautz in den wirtschaftlichen Wirren des Jahres 1924 aufgeben musste, zumindest finden sich ab Mai 1924 keine Hinweise zum Unternehmen, auch in den Adressbüchern der Stadt Leipzig ist die Firma 1925 nicht mehr genannt. Formell gelöscht wird sie aber erst 1931, vermutlich im Rahmen der Bereinigung von Handelsregistereintragungen.
Anmerkung:
Es ist anzunehmen, dass die Konstruktion des Tautz-Motorläufers über die drei Produktionsjahre fortlaufend angepasst wurde. Aus der vorliegenden Literatur lässt sich dies ableiten u.a. aus abweichenden Angaben zu den technischen Daten und aus Abbildungen dieses Modells mit unterschiedlichen konstruktiven Ausführungen. So verfügt ein sehr frühes Modell noch über ein einfaches unteres Rahmenrohr, die Linienführung erinnert hierbei an die „Hildebrand & Wolfmüller“ der 1890er Jahre.
(Zusammengestellt von Frank Grüneboom, Januar 1926)
Adressbuch Leipzig 1921-1925
Berliner Tageblatt 1924
Deutscher Reichsanzeiger 1921, 1931
Hallische Nachrichten 1924
Illustrierter Motorzeitung 1922
Klein MotorSport 1922
Prospekt Tautz – Das Sportmodell
Prospekt Tautz-Leicht-Kraftrad
Ulrich W. B. Thäter „Deutsche Krafträder und Kleinkraftfahrzeuge“ 1921
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