Paffrath, Altenburg
Informationen zum Hersteller
Paul Paffrath Motorenwerke Gesellschaft für Fahrzeugbau
Altenburg-Nobitz (Februar 1923 – April 1925)
Als offene Handelsgesellschaft gründete der Ingenieur Paul Paffrath zusammen mit dem Kaufmann Wilhelm Holzwarth im thüringischen Altenburg am 15. Februar 1923 die „Paul Paffrath Motorenwerke Gesellschaft für Fahrzeugbau“. Unternehmenszweck war die Fabrikation von Motorrädern, Motoren und Kleinautos.
Es dauerte allerdings etwa ein Jahr, bis ein erstes Fahrzeug entwickelt, Anfang des Jahres 1924 beworben und zur Stuttgarter Internationalen Motorrad-Sportausstellung im Mai 1924 präsentiert werden konnte.
Die Konstruktion des sogenannten „MW“-Rades unterschied sich in nahezu allen Aspekten von herkömmlichen Prinzipien. Der Rahmen bestand aus vier größeren, kompakten Bauteilen: zwei aus Elektron gegossene Elemente, wobei das untere als Fundamentplatte zur Aufnahme des Motors diente und das obere einen integrierten Brennstoffbehälter mit Steuerkopf umfasste, sowie zwei aus Leichtmetall gepresste Kotflügel, die seitlich mit Werkzeugkästen ausgestattet waren. Das Zweirad war an beiden Rädern gefedert und verfügte über Reibungsdämpfer. Die Hinterradfederung erfolgte analog zum Automobilbau durch ein langes Blattfederpaket an der Auslegergabel; auch das Vorderrad war mit Blattfedern versehen. Für das Hinterrad wurden zwei Bremsen verbaut, eine Innenbackenbremse und eine Keilbremse.
Der Motor war ein Zweitakter mit zwei hintereinanderstehenden Zylindern, zwischen denen sich das Getriebe befand. Er besaß ein Hubvolumen von 149 ccm und leistete etwa 4 PS. Beide Zylinder hatten eine Bohrung von 43 mm, der Hub betrug 50 mm, Die Zylinderköpfe waren abnehmbar, Kolben aus Elektron und Pleuelstangen aus Duralumin. Für den Laufzylinder verwendete man einen Stahlrohreinsatz, während die Kühlrippen aus Leichtmetall direkt auf den Stahlzylinder aufgezogen waren. Ein Keilriemen übertrug die Motorleistung auf das Hinterrad. Serienmäßig war eine elektrische Beleuchtung und ein Signalhorn in der Ausstattung enthalten. Bei einem Fahrzeuggewicht von ca. 75 kg konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h erreicht werden. Eine besondere Eigenheit des Fahrzeugs war der zweite Sitz für den Mitfahrer, der nicht wie üblich als abnehmbarer Soziussitz ausgebildet war, sondern ständig mit dem Rad verbunden blieb. Auch die Abfederung dieser beiden Sättel wurde durch Blattfedern bewerkstelligt.
Es ist aber davon auszugehen, dass der selbst entwickelte Motor nicht ausgereift genug war und dieser aufgrund größerer Probleme noch im gleichen Jahr durch den sportlicheren und etwas kräftigeren Columbus Einbaumotor der Motorenfabrik Oberursel ersetzt wurde. Der neue Einzylinder-Viertakt-ohv-Motor besaß bei 63 mm Bohrung und 80 mm Hub ein Hubvolumen von 249,6 ccm eine entsprechende Leistung von 0,96 Steuer-PS. An der Bremse gab das Aggregat 4,5 PS ab. Über das nachgeschaltete separate Dreigang-Getriebe wurde diese Motorleistung mittels einer Kette an das Hinterrad übertragen. Die Sitze waren bei diesem Modell einzeln am Fahrgestell angebracht. Dieses als „Modell 24 C“ benannte Motorrad konnte man im Jahr 1925 für 1750 Reichsmark erwerben.
Es wurden aber nur wenige Exemplare des Modells hergestellt und verkauft. Die Firma „Paul Paffrath Motorenwerke Gesellschaft für Fahrzeugbau“ wurde schließlich am 21. April 1925 aus dem Handelsregister gelöscht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte die Firma „Paul Paffrath, Motoren- und Apparatebau GmbH“ aus Linz am Rhein auf der Frankfurter Internationalen Fahrrad- und Motorrad-Ausstellung 1951 ihren Fahrrad-Hilfsmotor „Eilenriede“. Er hatte als einziger Hilfsmotor dieser Art einen Viertaktmotor, dessen Zylinderinhalt 48 ccm betrug. Der über dem Vorderrad montierte Motor leistete 1,4 PS, womit das Fahrzeug eine Geschwindigkeit von 30 km/h erreichen konnte. Das Getriebe besaß zwei Gänge und Leerlauf. Ob es sich hier bei Paul Paffrath um dieselbe Person wie den Schöpfer des „MW-Rad“ handelt, ist nicht zweifelsfrei belegbar.
(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. März 2026)
Quellen:
(1) Deutscher Reichsanzeiger, 1923-1925
(2) Stuttgarter neues Tagblatt, 1924
(3) Schwäbischer Merkur, 1924
(4) Der Motorfahrer, 1924
(5) Österreichischer Motor – Der Flug, 1925
(6) Motor und Sport, 1925
(7) Adressbuch Altenburg, 1929
(8) Bruchsaler Post, 1951
Zurück zur Herstellerliste.