K.M.S.
Informationen zum Hersteller
K.M.S.
Kunz & Müller
Militärstraße 88 b
Stuttgart
(1922–1924)
Der Markenname K.M.S. leitet sich vermutlich von den Namen Kunz und Müller sowie dem Standort Stuttgart ab. Ausgangspunkt war Johann Kunz, der bereits 1919 in der Militärstraße 88 b in Stuttgart eine mechanische Werkstätte betrieb. Spätestens ab Sommer 1922 handelte er unter dieser Anschrift auch mit Motorrädern.
Im September 1922 tauchte erstmals die Firmenbezeichnung „Kunz & Müller“, Stuttgart, auf. Vermutlich war der Stuttgarter Mechaniker Konrad Müller zu diesem Zeitpunkt in das Unternehmen eingetreten. Neben dem An- und Verkauf von Zweirädern bot die Firma ab November 1922 auch Reparaturen und den Einbau von Lichtmaschinen an.
Ein früher Hinweis auf die motorsportlichen Aktivitäten der beteiligten Personen findet sich beim Solitude-Bergrennen am 18. Juni 1922. In der Klasse bis 500 ccm belegte Konrad Müller auf Krieger-Gnädig den sechsten Platz; in der Klasse von 500 bis 750 ccm wurde Kunz auf einer englischen Triumph als Elfter geführt. Diese Ergebnisse stammen aus der Zeit vor dem Auftreten der Firma Kunz & Müller, belegen jedoch, dass beide bereits im Motorsport aktiv waren.
Im Januar und Februar 1923 warb Kunz & Müller zunächst für Busse-Motorräder. Bereits am 28. Februar 1923 erschien jedoch eine Verkaufsanzeige für ein „K.M.S.“-Motorrad mit 2,5-PS-Motor, Zweiganggetriebe, Leerlauf und Fußbrettern.
Vermutlich kam dabei ein DKW-Motor zum Einsatz, der in einem klassischen Rohrrahmen montiert war. Das Fahrzeug besaß eine Pendelgabel mit horizontaler Federung, Riemenantrieb und einen vermutlich von Steigboy stammenden „Vacuum-Auspuff“. Ob das Kraftrad eine Eigenkonstruktion oder ein Fremdfabrikat war, ist bislang nicht belegt.
Im September 1923 bot die Mannheimer Firma Wolf & Diefenbach ein K.M.S.-Zweirad mit 1 PS an. Wird diese Angabe als Steuer-PS verstanden, ergibt sich für einen Zweitaktmotor ein Hubraum von etwa 175 ccm.
K.M.S.-Maschinen erscheinen 1923 in mehreren Nennungslisten motorsportlicher Veranstaltungen. Für die Solitude-Bergprüfung am 17. Juni 1923 waren in der Klasse bis 200 ccm mit J. Kunz und K. Müller aus Stuttgart vermutlich die beiden Firmeninhaber gemeldet. Beim Motorrad- und Automobilturnier in Herrenalb am 26. August 1923 wurde Friedrich Stoll aus Pforzheim in der Klasse bis 175 ccm auf K.M.S. geführt. Rennerfolge für K.M.S. sind aus dem Jahr 1923 jedoch nicht dokumentiert.
Für das Solitude-Bergrennen am 18. Mai 1924 waren in der Klasse bis 200 ccm mehrere Fahrer auf K.M.S. gemeldet: Theodor Rüdenauer, Karl Volz, Konrad Müller und Johannes Kunz. Ergebnisse dieser Maschinen sind auch für dieses Rennen bislang nicht dokumentiert.
Auf der Motorrad-Sport-Ausstellung in Stuttgart vom 16. bis 22. Mai 1924 präsentierte Kunz & Müller mit Kompressoren ausgerüstete Motoren mit im Zylinderkopf hängenden Ventilen. Sie waren mit 0,75, 0,95, 1,15 und 1,32 Steuer-PS erhältlich, entsprechend Hubräumen von etwa 196, 249, 300 beziehungsweise 346 ccm. Die OHV-Motoren waren vollständig rollengelagert und mit Kolben aus Aluminiumguss ausgestattet. Der einfach ausgeführte Auslass mündete in einen zweigeteilten, mit Kühlrippen versehenen Krümmer. Von dort wurden die Abgase über zwei Leitungen zum unterhalb des Motorblocks angeordneten „Steigboy“-Auspuff geführt.
Von Juni bis September 1924 bewarb Kunz & Müller neben K.M.S.-Motorrädern auch Viertakt-Einbaumotoren mit 0,75 bis 1,9 Steuer-PS (etwa 196 bis 497 ccm). Zugleich sind dies die letzten bislang bekannten Veröffentlichungen unter dem Namen Kunz & Müller.
Anschließend trat Johann Kunz wieder allein auf. Er handelte weiterhin mit Motorrädern, teils unter der Anschrift Militärstraße 88 b, teils unter seiner Privatanschrift Senefelderstraße 69 b. In den zuletzt 1925 erschienenen Anzeigen wurden die Hersteller der angebotenen Maschinen nicht genannt.
Zusammengestellt von Frank Grüneboom, September 2026.
Quellen und Nachweise
Adress- und Registerquellen
Adressbücher der Stadt Stuttgart, Jg. 1918–1919, 1922–1923, 1925–1928.
Zeitgenössische Zeitungen und Tagespresse
Karlsruher Tagblatt, Jg. 1923.
Mannheimer General-Anzeiger, Jg. 1923.
Schwäbischer Merkur, Jg. 1924–1925.
Stuttgarter Neues Tagblatt, Jg. 1922–1925.
Württemberger Zeitung, Jg. 1922.
Motor- und Fachzeitschriften
Der Auto-Markt, Pößneck, Jg. 1924.
Der Motorfahrer, Jg. 1924.
Otto Lehmann, Handbuch für Motorradfahrer – Autotechnische Bibliothek, Band 35.
Verlag Richard Carl Schmidt & Co., 1925 (digital einsehbar auf der Internetseite motopedia-online.info).
Hinweis zur Zitierweise: „Jg.“ bezeichnet den ausgewerteten Jahrgang.
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