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FAMO

Informationen zum Hersteller

Perplex und Famo

 

Ernst Burckhardt GmbH
Beilstraße 30–32
Mannheim
(1920–13.07.1923)

Fahrzeug- und Motorenfabrik AG
Beilstraße 30-32
Mannheim
(13.07.1923-09.09.1924)

 

Der Ingenieur Ernst Burckhardt betrieb spätestens seit 1905 eine mechanische Werkstätte in der Mannheimer Beilstraße 32. Um 1920 ging daraus die Ernst Burckhardt GmbH hervor. Für 1921 ist Karl Höhn als Geschäftsführer nachweisbar; in der Zwischenzeit wurde Höhn zudem Eigentümer der Immobilie Beilstraße 30–32.

Auf der Motorradausstellung im Rahmen der 2. Deutschen Erfindungs- und Neuheiten-Messe, die vom 28. April bis 5. Mai 1922 in Mannheim stattfand, wurde der 1,5-PS-Perplex-Zweitakt-Hilfsmotor vorgestellt. Wie der dort ebenfalls gezeigte G.S.-Einbaumotor von Gustav Schulze (siehe GS) arbeitete auch der Perplex-Motor mit Gemischschmierung.

Der luftgekühlte Fahrradmotor war so ausgelegt, dass er sich auch von Laien in kurzer Zeit in ein Herrenfahrrad einbauen ließ. Montiert wurde er mittig im Rahmen über dem Tretlager und durch zwei Schellen fixiert. Als Zweitakter kam der Motor ohne Ventile aus. Er besaß ein Aluminiumgehäuse, einen senkrecht stehenden Zylinder und eine durchgängig in Präzisionskugellagern geführte Lagerung. Der nach vorn ausgerichtete Magnet wurde über Zahnräder angetrieben. Das Fahrzeug erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h. Die Kraftübertragung erfolgte über eine untersetzte Riemenscheibe und einen Keilriemen auf die Hinterradfelge. Der schwimmerlose Spezialvergaser wurde aus einem Brennstoffbehälter gespeist, der drei Liter Benzin-Öl-Gemisch im Verhältnis 10:1 fasste; der Verbrauch wurde mit 1,25 Litern auf 100 km angegeben. Gestartet wurde durch Pedaltritte. Auf Wunsch waren ein Ständer und eine Vorderradfederung erhältlich. Geliefert wurde der Motor einschließlich Auspufftopf, Riemenfelge, Keilriemen, Brennstoffbehälter und Rohrleitungen für die Kraftstoffzuführung.

Im Frühjahr 1923 ergänzte die Ernst Burckhardt GmbH ihr Angebot um ein Perplex-Kleinkraftrad, das neben dem Fahrrad-Einbaumotor vertrieben wurde. Die Preise begannen inflationsbedingt bei 1 Million Papiermark. Das Perplex-Kleinkraftrad dürfte mit dem beschriebenen Motor ausgerüstet gewesen sein. Sein stabil ausgeführter Dreiecksrahmen besaß unter dem Tank eine Mittelstrebe. Das Vorderrad wurde von einer Pendelgabel mit horizontal angeordneter Feder geführt. Das vordere Schutzblech war seitlich weit heruntergezogen. Anstelle eines Tretlagers verfügte das Fahrzeug über Aluminiumtrittbretter; zur Ausstattung gehörte außerdem ein Gepäckträger mit Werkzeugkasten. Für den Vertrieb fanden sich 1923 mehrere Vertretungen: In Karlsruhe übernahm Franz Zerr & Co. die Vertretung für Perplex, während das Auto-Haus Petto als Generalvertretung in Berlin auftrat.

Am 13. Juli 1923 wurde die Ernst Burckhardt GmbH in die neu gegründete Fahrzeug- und Motorenfabrik AG eingebracht. Zu den Anteilseignern, die den Übergang vollzogen, gehörten Karl Höhn, Arthur Graff sowie Virginie und Marie Graff. Weitere Gründer der Aktiengesellschaft waren Fritz Müller aus Mannheim, Ingenieur Heinrich Eder aus Frankfurt a. M., Karl Müller aus Rheingönheim und der Mannheimer Fabrikant Ludwig Nagel. Den Vorstand bildeten zunächst Fritz Müller, Arthur Graff und Karl Höhn. Später übernahm der Ingenieur und Kaufmann Ludwig Siebeneck den Vorstandsposten von Fritz Müller, der in den Aufsichtsrat wechselte. Unternehmenszweck war die Herstellung und der Vertrieb von Sportfahrzeugen aller Art, die Fertigung von Betriebsmaschinen für solche Fahrzeuge sowie der Handel mit Roh-, Halb- und Fertigwaren der Branche.

Der Markenname Famo leitete sich aus den Anfangssilben von Fahrzeug- und Motorenfabrik ab. Das Unternehmen führte an der Beilstraße 30–32 die Fertigung von Motoren und Motorrädern fort. Im Mai 1924 umfasste das Programm unter anderem Motorvarianten mit 2,5 und 3,5 PS. Besonders hervorgehoben wurde eine neue Spül- und Frischluftvorrichtung. Eine Händleranzeige deutet darauf hin, dass mindestens ein Motorradmodell mit Zweiganggetriebe und Kickstarter ausgestattet war.

Erste sportliche Erfolge für Famo sind aus dem Frühjahr und Sommer 1924 überliefert. Bei der vom Motorfahrerklub Mannheim am 27. April 1924 ausgerichteten Dritten Zuverlässigkeitsfahrt durch den Odenwald belegte Ochs aus Plankstadt auf einer Famo in Kategorie I der Klasse B für Privatfahrer den vierten Platz. Am 11. Mai 1924 folgte ein Sieg bei der Motorrad-Prüfungsfahrt nach Schriesheim, veranstaltet vom Motorrad-Club Heidelberg (DMV): Das Dreiecksrennen umfasste vier Runden zu je 6 km; Blankenmeister war dort in der Klasse der Kleinkrafträder bis 150 ccm als Privatfahrer erfolgreich. Am 9. Juni 1924 erzielten Famo-Motorräder auf der Olympia-Bahn in Ludwigshafen a. Rh. einen ersten und einen zweiten Preis. Am 22. Juni 1924 veranstaltete der Gau 13 des ADAC ebenfalls eine Dreiecksfahrt bei Schriesheim. In der Klasse bis 150 ccm waren vier Runden über insgesamt 24,8 km zu absolvieren; Kurt Melke aus Heidelberg erreichte auf Famo den zweiten Platz. Der letzte bislang dokumentierte Wettbewerb mit Famo-Beteiligung war die am 20. Juli 1924 ausgetragene Erste Zuverlässigkeits- und Bergprüfungsfahrt im Bauland bei Osterburken. Dort wurde der Mannheimer Kempf Zweiter in der Klasse I.

Mit dem „Motorfußball“ erreichte 1923 eine neuartige, aus England kommende Motorsportart den deutschen Raum. Neben Cockerell und Flottweg stellte auch Famo über den Motor-Sportverein Mannheim (M.S.M.) eine Mannschaft, die am 22. Juni und am 10. August 1924 gegen „Flottweg München“ antrat. Beide Begegnungen entschieden die Münchener für sich; ihre 3,5-PS-Flottweg-Motorräder waren den 2 PS starken Famo-Maschinen deutlich überlegen.

Bereits im Februar 1924 wurde das Grundkapital der Aktiengesellschaft verdoppelt, vermutlich um die Fertigung von Motoren und Motorrädern auszubauen oder finanziell abzusichern. Eine breitere Marktdurchdringung gelang jedoch offenbar nicht: Die Verbreitung der Famo-Produkte blieb im Wesentlichen auf Mannheim und die nähere Umgebung beschränkt. Am 9. September 1924 wurde über das Unternehmen das Konkursverfahren eröffnet; mangels Masse wurde es im August 1925 abgeschlossen.

(Zusammengestellt von Frank Grüneboom, Juni 2026)


Quellen

Adressbücher und amtliche Nachweise:

Adressbuch der Stadt Mannheim, 1904/05, 1919–1922 und 1924.
Hoppenstedt: Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, 1923/24 und 1925.

Zeitungen und Zeitschriften:
Badische Presse, 1924.
Der Auto-Markt, Pößneck, 1924.
Karlsruher Tagblatt, 1923.
Karlsruher Zeitung, 1924.
Mannheimer General-Anzeiger, 1922–1925.
Neckar-Bergstrass-Post / Ladenburger Tageblatt, 1924.
Neue Mannheimer Zeitung, 1925.
Saale-Zeitung, 1924.

Firmenschriften:
Prospektblatt „Perplex“, um 1922.

 

 


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