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Ewabra

Informationen zum Hersteller

Ewabra-Motorfahrzeugbau Ewald Brackelsberg

Milspe in Westfalen, Kölner Straße 187                                             (1921 – ca. 1927)

 

Ewabra ist ein Akronym, das sich aus dem Namen des Firmengründers Ewald Brackelsberg zusammensetzt. Es wird angenommen, dass Ewald Brackelsberg der Familie von Julius Brackelsberg entstammte, welche in Milspe eine Eisengießerei betrieb; hierbei ist zu beachten, dass diese nicht mit der Milsper Gießerei „J.D. Brackelsberg“ zu verwechseln ist, die von seinen Neffen Robert und Karl Brackelsberg geleitet wurde. Am 19. Juli 1917 gründete Ewald Brackelsberg gemeinsam mit dem Betriebsleiter Josef Klefisch die „Metall-Industrie GmbH“ mit Sitz in Schwelm. Das Unternehmen konzentrierte sich auf die Produktion und den Vertrieb von Werkzeugen und Maschinen sowie die Durchführung von Handelsgeschäften. Produkte für die Automobil- und Flugzeugindustrie wurden unter dem Warenzeichen „EWABRA“, welches Ewald Brackelsberg rechtlich schützen ließ, vermarktet. Zu den beworbenen Artikeln gehörten beispielsweise Reifenmontierhebel für Kleinfahrzeuge, die ab etwa 1920 unter der Firma „Ewald Brackelsberg angeboten wurden, die vermutlich die „Metall-Industrie GmbH“ ablöste. Darüber hinaus umfasste das Sortiment Autoreifen, Zündmagnete und Fahrzeuge, wie entsprechende Inserate belegen.

Im Jahr 1920 expandiert Brackelsberg sein Geschäftsfeld um den Handel mit Motorfahrzeugen und richtet zu einem späteren Zeitpunkt eine Werkstatt für die Instandsetzung von Automobilen ein.

Das erste entwickelte Motorrad trug die Bezeichnung „T. 22“ und wurde im Oktober 1922 in Anzeigen verschiedener Fachzeitschriften vorgestellt. Das durchlief Fahrzeug umfangreiche Testfahrten im Rahmen sportlicher Wettbewerbe. Die Bauweise des Rahmens zeigte Ähnlichkeiten mit der Cito-/Krieger-Gnädig-Maschine und deutete auf eine zuverlässige und stabile Konstruktion hin. Der offene Rohrrahmen war hinten stark abfallend gestaltet, wodurch eine niedrige Sattelhöhe erzielt werden konnte. Für die Motoraufhängung wurde eine Gabel sowie zwei Laschen verwendet. Der eigens konstruierte Motor war ein seitengesteuerter Einzylinder-Viertaktmotor mit 4,5 PS, vertikalem Zylinder, einer Bohrung von 90 mm und einem Hub von 97 mm. Nach Steuerformel ergab sich eine Leistung von 2,36 PS und ein Hubraum von 618 ccm. Bei 2000 U/min konnte an der Bremse eine effektive Leistung von 4,5 PS nachgewiesen werden. Zur Zündung verwendete man einen Bosch-Magneten, während für die Kraftstoffgemischbildung ein Variat-Zweihebel-Vergaser zum Einsatz kam.

Kippständer wurden sowohl am Hinter- als auch am Vorderrad installiert. Das Dreiganggetriebe verfügte über eine Lamellenkupplung und einen Kickstarter; bedient wurde es über einen rechtsseitig angeordneten Schalthebel. Die Kraftübertragung vom Motor zum Getriebe erfolgte durch eine Kette, während vom Getriebe zum Hinterrad zunächst ein Riemenantrieb verwendet wurde. Die vordere Federung war zuerst als Kurzschwinge ausgeführt und wurde später durch eine Parallelogrammgabel mit doppelter Spiralfederung und gekapselter Gegenfeder ersetzt. Die Hinterradbremse wirkte anfangs auf die Riemenfelge, während die Vorderradbremse auf die Felge des Laufrades griff. In der Folge wurde die Kraftübertragung zum Hinterrad auf Kettenantrieb umgestellt und die dort arbeitende Riemenfelgenbremse durch eine moderne Innenbackenbremse ersetzt.

Das Zweirad war für Sozius- oder Seitenwagenbetrieb ausgelegt und wog 115 kg. Es erreichte bis zu 105 km/h, wurde vermutlich bis 1925 gebaut und 1927 als überarbeitetes Modell „Ta“ erneut produziert.

Im Verlauf bis zum Jahr 1929 wurden noch weitere Modelle produziert, von denen aber leider keine detaillierten Angaben vorliegen:

Ab 1926 gab es auch fertige Einbaumotoren, darunter einen 700-cm³-Viertakt-Einzylindermotor (2,67 Steuer-PS) mit Vergaser und Kettenrad.

Ewabra-Motorräder wurden 1924 in Remscheid von der „Automobil-Gesellschaft mbH“ angeboten.

 

In folgenden sportlichen Wettbewerben fand man Teilnehmer auf Ewabra-Motorrädern:

1921:

An der Sternfahrt des ADAC-Motorradklubs Elberfeld beteiligte sich Otto Karpe aus Milspe und siegte auf einer 4 PS Ewabra-Maschine.

1922:

Zur Bergprüfungsfahrt Elberfeld im Mai 1922 war Ewald Brackelsberg auf einer 2,39 PS Ewabra in der Klasse bis 750 ccm gemeldet.

Das ADAC-AVUS-Rennen in Berlin-Grunewald fand am 10. bis 11. Juni 1922 statt. Im Rennen für Krafträder fand man am ersten Tag eine Ewabra-Maschine in der Nennungsliste für das Rennen bis 1000 ccm.

Die Bergprüfungsfahrt bei Hagen in Westfalen am 17. September 1922 absolvierte wieder Karpe in der Klasse der Motorräder über 0,75 Steuer-PS und erreichte den siebten Platz, gefolgt von Brackelsberg auf dem achten Platz.

1923:

Einen Sieg beim Automobilrennen in Wuppertal am 19. August 1923 um die Bergmeisterschaft des Bergischen Landes erzielte Willy Erlenbruch aus Elberfeld in der Motorradklasse bis 750 ccm Hubraum. Otto Karpe wurde in diesem Rennen Vierter.

Das Selbecker Bergrennen folgte am 18. September 1923. In der Klasse bis 750 ccm der Privatfahrer wird Erlenbruch Dritter, bei den Industriefahrern siegt Brackelsberg ohne Konkurrenz.

1924:

Bei der Sauerländischen Bergprüfungsfahrt nahe Lüdenscheid am 30. Mai 1924 erzielten Otto Karpe und Willy Decker aus Gevelsberg in der Klasse bis 750 ccm der Privatfahrer den vierten und fünften Platz. In der Kategorie der Industriefahrer erreichte Ewald Brackelsberg den dritten Rang.

Das Selbecker Bergrennen am 29. Juni 1924 gewann der Drogeriebesitzer Hans Theisen aus Milspe bei den Privatfahrern in der Klasse bis 750 ccm, Brackelsberg wurde Zweiter bei den Industriefahrern. In der Klasse bis 150 ccm der Privatfahrer siegte August Plätzer aus Milspe auf einer DKW-Ewabra.

Beim Bünder Autorennen am 17. August 1924 erzielte Plätzer in der Motorradklasse bis 150 ccm der Herrenfahrer den vierten Platz. Theisen auf der schweren Ewabra-Maschine fiel auf dem Weg zum sicher geglaubten Sieg kurz vor vorher durch einen Defekt aus.

Einen Sieg erreichte Theisen ebenfalls im Motorradrennen am 7. September im Bergischen Stadion bei Barmen. Aufgeben musste er allerdings im Berliner AVUS-Rennen am 21. September 1924, da er nach Zeitungsberichten „von Anfang an eine traurige Geschwindigkeit fuhr“.

Die Bergmeisterschaft des Bergischen Landes am 28. September 1924 beendete der Monteur Emil Reinecke aus Milspe in Klasse der Industriefahrer bis 750 ccm mit einem guten dritten Platz.

1925:

Zur ADAC-Deutschlandfahrt 1925 war Hans Theisen in der Klasse von 500 bis 750 ccm gemeldet. Das Rennen konnte er aber vermutlich nicht beenden.

„Rund um die Baumberge“ hieß die Westfälische Zuverlässigkeitsfahrt am 17. Mai 1925, bei der Brackelsberg in der Bergprüfungsfahrt den zweiten Platz in der Klasse bis 150 ccm erzielte; in der Klasse vermutlich bis 250 ccm siegte August Plätzer. In der Gesamtwertung kam Brackelsberg auf den zweiten Platz.

Sehr erfolgreich war man auch beim Brocksberg-Rennen bei Paderborn am 24. Mai 1925, bei dem Brackelsberg in der Klasse bis 200 ccm siegte.

In der Selbecker Bergprüfungsfahrt bei Hagen am 19. Juli 1925 war dem Ewabra-Fahrer Plätzer der Sieg in der Junioren-Klasse bis 250 ccm nicht zu nehmen. Ewald Brackelsberg erreichte in der gleichen Klasse bei den Senioren den dritten Platz. Hans Theisen erzielte bei den Senioren zudem den dritten Platz in der Klasse bis 750 ccm.

Anfang August 1925 fand das Rennen um die Bergmeisterschaft des Sauerlandes statt. In der Klasse bis 250 ccm der Senioren erreicht Plätzer den dritten Platz. Auch Brackelsberg war in dieser Klasse unter den Teilnehmern.

1926:

Plätzer erzielte während der Bergprüfungsfahrt des Motor-Sportklub Schwelm am 28. Februar 1926 die beste Tageszeit in der Kategorie bis 250 ccm Hubraum. In der Klasse bis 175 ccm ging Ewald Brackelsberg als Sieger hervor. Darüber hinaus setzte sich Plätzer auch in der Klasse bis 1000 ccm durch und erreichte Platz eins.

Im Mai bot Hans Theisen sein fast neues Ewabra-Motorrad zum Verkauf an. In seinen folgenden Rennen nutzte er hauptsächlich Tornax-Maschinen aus Düsseldorf.

Von 18 gestarteten Maschinen bei der Zuverlässigkeitsfahrt Gevelsberg Anfang Mai waren vier Ewabra-Maschinen im Feld. Hier siegte Plätzer strafpunktefrei in der Klasse bis 350 ccm, Brackelsberg erzielte den dritten Platz, Emil Reinecke erreichte den zweiten Platz in der Klasse von 350 bis 1000 ccm Hubraum. In der Beiwagen-Klasse erzielte Schmitz den Sieg mit zwei Strafpunkten. 

Im Juni folgte das Hohensyburg-Rundstrecken-Rennen. Ewald Brackelsberg konnte hier in der Klasse bis 175 ccm der Senioren den dritten Platz und August Plätzer einen zweiten Platz in der Klasse bis 250 ccm der Senioren besetzen.

Das 1926er Rennen um die Bergmeisterschaft des Sauerlandes am 27. Juni wurde mit einem Sieg von Brackelsberg in der Klasse bis 175 ccm bei den Senioren sehr erfolgreich abgeschlossen.

Im September fand die Zuverlässigkeitsfahrt rund um den Kreis Mettmann statt. In der Klasse bis 1000 ccm erreichte Fritz Schirmer aus Barmen den zweiten Platz, Erich Engelhard aus Barmen folgte auf den dritten Platz.

Bei der Zuverlässigkeitsfahrt um Schwelm am 12. September siegte Ewald Brackelsberg in der Gruppe bis 350 ccm Hubraum. In der Gruppe von 350 ccm bis 1000 ccm siegte Emil Reinecke. Fritz Schirmer wird Zweiter. Klubmeister für 1926-27 wurde nach diesem Rennen Plätzer in der 250 ccm-Motorradklasse.

Zur Bergrundfahrt in Wald bei Solingen Anfang Oktober war Ewald Brackelsberg in der Meldeliste zu finden.

1927:

Auch zum Selbecker Bergrennen am 31. Juli 1927 wurde Ewald Brackelsberg auf Ewabra-Sport, die einen Blackburne Motor verbaut hatte, in der Nennungsliste angegeben und siegte im Rennen in der Klasse bis 250 ccm der Senioren.

Das Rennen des ADAC-Auto- und Motorradklub Siegen im August 1927 beendete H. Kratz aus Milspe in der Klasse 6 der Junioren mit dem zweiten Platz.

Die Fahrer Baltes aus Annen und Brackelsberg waren zum Hohensyburg-Rundstreckenrennen am 10. September 1927 in der Nennungsliste angegeben. Brackelsberg startete dort in der Klasse bis 250 ccm Hubraum.  Einen zweiten Platz konnte Flüshöh aus Gevelsberg in der Klasse bis 350 ccm der Junioren erreichen.

 

(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. Mai 2026)

Quellen:

(1)   Münchner Neueste Nachrichten, 1922

(2)   Deutscher Reichsanzeiger, 1917-1919

(3)   Kölnische Zeitung, 1917-1927

(4)   Adressbuch Kreis Schwelm, 1926-1928/29

(5)   Der Motorfahrer, 1920

(6)   Zeitungsanzeige, angeblich 1922

(7)   Der Motorrad-Markt Pössneck, 1924

(8)   Remscheider General-Anzeiger, 1924

(9)   Gevelsberger Zeitung, 1921-1926

(10) Berliner Tageblatt, 1922

(11) Stuttgarter neues Tagblatt, 1922

(12) Barmer Zeitung, 1922

(13) Dortmunder Zeitung, 1922-1926

(14) Hagener Zeitung, 1923-1925

(15) Ohligser Anzeiger, 1923-1925

(16) Duisburger General-Anzeiger, 1923-1926

(17) Bergisch-Märkische Zeitung, 1924

(18) Hasper Zeitung, 1924

(19) Westfälische Zeitung, 1924

(20) Westdeutsche Volkszeitung, 1924-1925

(21) Stadt-Anzeiger für Barmen, 1924

(22) Hannoverscher Kurier, 1924-1926

(23) Karlsruher Tagblatt, 1925

(24) Schwäbischer Merkur, 1925

(25) Münsterischer Anzeiger, 1925

(26) Wittener Volks-Zeitung, 1925-1927

(27) Westfälisches Tageblatt, 1925-1927

(28) Rheinische Tageszeitung, 1926

(29) Rhein- und Ruhrzeitung, 1926

(30) Solinger Tageblatt, 1926

(31) Schwerter Zeitung, 1926-1927

(32) Bergische Zeitung, 1926

(33) Castrop-Rauxeler Volkszeitung, 1927

(34) Dorstener Volkszeitung, 1927

(35) Deutsche Vacuum Oel, Schmiertabellen, 1924-1929

(36) Auto-Markt, 1926

(37) Echo der Gegenwart, 1927

(38) Der Mittag, 1927


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