Elfa
Informationen zum Hersteller
Elsterwerdaer Fahrradfabrik Springer & Reichenbach
Elsterwerda (Oktober 1894 – November 1895)
Elsterwerdaer Fahrradfabrik C. W. Reichenbach
Elsterwerda - Biehla (November 1895 – ca. 1934)
Elsterwerdaer Fahrradfabrik E. W. Reichenbach GmbH
Elsterwerda – Biehla (Februar 1934 – ca. 1939)
Im Oktober 1894 berichtete das „Großenhainer Tageblatt“ mit Stolz, dass Elsterwerda durch eine neue gewerbliche Anlage bereichert werde: In der Nähe des Oberlausitzer Bahnhofes sollte unter der Firma „Springer & Reichenbach“ eine Fahrradfabrik entstehen. Die Fertigstellung war für Anfang Januar 1895 geplant. Zur Fabrik gehörten eine Vernickelungs- und Emaillieranstalt sowie eine Reparaturwerkstatt. Inhaber der am 15. Oktober 1894 gegründeten Firma „Elsterwerdaer Fahrradfabrik Springer & Reichenbach“ waren der Kaufmann Carl Wilhelm Reichenbach aus Elsterwerda und der damals in Oberhammer wohnhafte Werkmeister Hermann Springer. Die Fabrik wurde am 1. März 1895 eröffnet. Bereits wenige Tage später warben Zeitungsbeilagen für die ersten Fahrradprodukte.
Springer galt als anerkannter und tüchtiger Techniker. Er war für die innere Einrichtung der Fabrik sowie für den technischen Betrieb verantwortlich. Nach einer Auseinandersetzung mit Herrn Reichenbach schied er Ende 1895 aus der Firma aus. In der Folge wurde im November 1895 der Firmenname in „Elsterwerdaer Fahrradfabrik C. W. Reichenbach“ geändert; die Geschäftsadresse befand sich nun in Elsterwerda-Biehla. Auch auf technischem Gebiet blieb die Fahrradfabrik nicht untätig: Für Neuerungen an der Kurbellagerung von Fahrrädern wurden Patente angemeldet.
Bereits am 29. Mai 1895 wurde die Schutzmarke „Aegir Fahrräder“ für die Warengruppe Nieder-Fahrräder rechtlich geschützt. Es ist zu vermuten, dass der Name „Aegir“ in Anlehnung an die 1894 erschienene Musikkomposition Kaiser Wilhelms II. „Sang an Aegir“ gewählt wurde. Anfang 1905 wurde die Schutzmarke „Aegir Fahrräder“ aufgegeben und durch die einfachere Markenbezeichnung „Aegir“ ersetzt, die für Fahrräder, Motorräder, Nähmaschinen und Milchseparatoren verwendet wurde.
Eine Diebstahlgeschichte, die im August 1896 öffentlich wurde, war in Elsterwerda Tagesgespräch. Ein Werkführer der Fahrradfabrik, der dort seit etwa einem halben Jahr angestellt war, hatte bereits in den ersten Wochen seiner Tätigkeit nicht weniger als drei Fahrräder entwendet. Weitere gestohlene Fahrradteile schickte er nach Dresden an einen gleichgesinnten Kollegen, der diese zusammen mit ebenfalls gestohlenen Fahrradbestandteilen verwendete, um daraus fertige Räder herzustellen und anschließend zu verkaufen. Mit Rücksicht auf seine Familie und auf seine Bitte um Gnade verzichtete die Fahrradfabrik zunächst auf eine Anzeige. Dies „belohnte“ der Werkführer jedoch damit, dass er wenige Tage später einen erneuten Diebstahlversuch unternahm, bei dem er es auf die Kasse des Buchhalters abgesehen hatte. Der geplanten Verhaftung entzog sich der Täter durch Flucht.
Nach den frühen Ereignissen der Gründerjahre weitete das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit vorübergehend über Elsterwerda hinaus aus: Anfang 1919 wurde in Hamburg eine Zweigniederlassung unter der Firma „Elsterwerdaer Fahrradfabrik C. W. Reichenbach Filiale Hamburg“ eingerichtet. Gegen Ende des Jahres 1921 wurde diese Filiale jedoch wieder aufgelöst.
Nur wenige Jahre nach der Auflösung der Hamburger Filiale traf die Firma ein schwerer Rückschlag: Im November 1924 zerstörte ein Brand den älteren Teil der großen Fabrikanlage nahezu vollständig. Betroffen waren die Dreherei mit zahlreichen Maschinen sowie die Tischlerei, die Vernickelanstalt, die Schlosserei und das Lager. Auch die Büroräume wurden in Mitleidenschaft gezogen. Der Betrieb konnte jedoch in den verschont gebliebenen Teilen der Fabrik weitergeführt werden.
Auf den Brand folgten bald weitere wirtschaftliche Schwierigkeiten: Wegen Absatzmangels musste die Fahrradfabrik Anfang 1926 vorläufig stillgelegt werden; rund 350 Arbeiter verloren dadurch ihre Stelle. Bereits zur Mitte des Jahres lief die Produktion jedoch wieder an. In dieser Phase wurden die Erzeugnisse der Elsterwerdaer Fahrradfabrik unter dem Markennamen „Elfa“ verkauft.
Als Fahrradhersteller hatte Elfa Erfahrungen im Rahmenbau, die man in den folgenden Jahren in die Fertigung von motorisierten Zweirädern einbrachte. Elfa trat als Konfektionär auf und nutzte bis zum Produktionsende Motoren unterschiedlicher deutscher Produzenten. Im Folgenden findet sich eine nach Baujahren geordnete Aufstellung.
Das Motorradmodell für 1928:
- M 200, 200 ccm, steuerfrei
Die Modelle für 1929:
- T 200, Tourenmodell, 200 ccm Windhoff-Zweitaktmotor mit Doppelport-Auspuff, 4 PS, Windhoff-Schwungmagnet und Lichtspule, Dreigang-Getriebe, Kettenantrieb, Stecktank, steuerfrei, führerscheinfrei
- 200 ccm, Luxus-Sport, DKW-Motor, angeblocktes Zweigang-Getriebe, vermutlich wahlweise mit Riemen- oder Kettenantrieb, Stecktank, steuerfrei
- LS 200 Luxus-Sport, 200 ccm Windhoff-Zweitaktmotor mit Doppelport-Auspuff, 7 PS, Windhoff-Schwungmagnet und Lichtspule, Dreiganggetriebe, steuerfrei
- 300 ccm, Luxus-Sport, Kühne-(Bark)-Zweitaktmotor, Dreiganggetriebe
- 350 ccm, ohc-Küchen-Viertaktmotor mit Königswelle, Bohrung 70 mm, Hub 90 mm, 16 PS, Bosch-Magnet, Hurth-Dreiganggetriebe mit Leerlauf, Kickstartet und Korklamellenkupplung, Kettenantrieb, Stahlrohrrahmen, Parallelogramm-Vorderradgabel, groß dimensionierte Trommelbremsen, Satteltank mit 14 Liter Fassungsvermögen
- 500 ccm ohc-Küchen-Viertaktmotor, Bohrung 80 mm, Hub 100 mm, 19 PS, ansonsten gleiche Ausrüstung wie die 350 ccm Version
Das 350 ccm und das 500 ccm Model wurde auch mit Beiwagen angeboten. Eine umfangreiche Liste über Sonderausstattungen wie Soziussattel, Hupe, Rückspielgel Tachometer, etc. ließ kaum Wünsche offen. Vermutlich gab es auch eine Ausführung mit einem Kühne-350 ccm- ohv-Viertaktmotor. Eine Abbildung davon war in einer Werbeanzeige zu finden. Ob dies nur ein Prototyp war oder auch käuflich war, ist leider nicht bekannt.
Als General-Vertreter der Elsterwerdaer Fahrradfabrik warb „Carl Wilhelm Hess“ in Mannheim für diese Motorradmodelle. In Hamburg-Harburg konnte man die Elfa-Motorräder in der Handlung von „Oskar Lembke“ erwerben.
Die Modelle für 1930:
- 200 ccm, Windhoff-Zweitaktmotor mit Doppelport, 4 PS, Windhoff-Schwungradmagnet mit Lichtspule, Kettenantrieb, Satteltank, steuerfrei, führerscheinfrei
- 200 ccm, DKW-Zweitaktmotor (Angaben siehe 1929)
- 300 ccm, Windhoff-Zweitaktmotor mit Doppelport, 6 PS, Dreiganggetriebe mit Kickstarter und Lamellenkupplung, Schwungradlichtspule wahlweise Lichtmaschine mit Akkumulator, kombiniert auf Vorder- und Hinterrad wirkende Handbremse, Fußbremse nur auf Hinterrad wirkend, Stoß- und Steuerungsdämpfer, auf Wunsch mit im Tank eingebautem Tachometer
- 350 ccm, Küchen-Motor, 16 PS
- 500 ccm, Küchen-Motor, Touren- und Sportmaschine, 19 PS
Ein Lieferdreirad mit 300 ccm Zweitaktmotorantrieb war ebenfalls ohne Aufbau und in schwarzer Lackierung für 1240.- RM erhältlich. Gegen Aufpreis konnten diverse Aufbauten mitbestellt werden.
Bei sportlichen Wettbewerben schlugen sich die großen Elfa-Modelle in dieser Zeit mit gutem Erfolg. So beim Lückendorfer Bergrennen am 18. Mai 1930 mit einem Ersten Platz. Einen Sieg konnte man auch beim II. Sächsischen Grasbahnrennen am 25. Mai 1930 verbuchen.
Die Modelle für 1931:
- Modell LM 75, 74 ccm, Fichtel & Sachs-Zweitaktmotor
- 200 ccm, 6,5 PS
- 200 ccm, 7,2 PS, in diversen Ausstattungsvarianten u.a. mit Lichtanlage
- 300 ccm, 10 PS, in zwei Varianten
- 350 ccm, Küchen ohv-Motor, 16 PS
- 500 ccm, Küchen ohv-Motor, 19 PS
- 500 ccm, Küchen sv-Motor mit senkrecht stehendem Zylinder. Das Fahrwerk dieses Modells wird im Laufe der folgenden Jahre, vermutlich um 1934/35, umkonstruiert und in diesem Zuge mit einem geänderten Küchen-Motor mit leicht schräg nach vorne stehendem Zylinder ausgeführt.
Dass die Firma weiterhin Qualität lieferte, zeigt die von der bulgarischen Heeresverwaltung für 1931 beauftragte Lieferung von Fahrrädern. Dennoch beantragte das Unternehmen im Juli 1931 die Stilllegung, stellte seine Zahlungen ein und entließ in diesem Zusammenhang mehrere Mitarbeiter. Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass im Dezember 1931 über das Vermögen des Kaufmanns Carl Wilhelm Reichenbach, des Alleininhabers der Elsterwerdaer Fahrradfabrik, das Konkursverfahren eröffnet wurde. Wenige Wochen später konnte dieses jedoch nach einem bestätigten Vergleich wieder aufgehoben werden.
Die Modelle für 1932:
- Modell T 200, 198 ccm, Zweitaktmotor, steuerfrei
- Modell LS 200, 192 ccm, Bark-Zweitaktmotor, steuerfrei
- Modell LS 300, 296 ccm, Zweitaktmotor
- Modell T 500, 496 ccm, sv-Viertaktmotor
- Modell LS 500, 496 ccm, ohv-Viertaktmotor
Das Modell LS 200 war mittlerweile mit einem 192-ccm-Bark-Zweitaktmotor nach dem Dreikanalsystem ausgestattet. Der Motor verfügte über einen Doppelport-Auspuff, einen abnehmbaren Zylinderkopf und einen Kolben aus Titanal. Mit einer Bohrung von 60 mm und einem Hub von 68 mm erreichte er in dieser Motorenauslegung eine Dauerleistung von 3,5 PS; die Spitzenleistung wurde mit 5 PS angegeben. Als Getriebe kam der Typ „BH 2a“ von Fichtel & Sachs mit drei Gängen und Kupplung zum Einsatz. Das Fahrgestell bestand aus einem Stahlrohrrahmen mit Parallelogramm-Vorderradfedergabel. Zur weiteren Ausstattung gehörten eine Luma-Schwungrad-Batteriezündlichtanlage, ein Graetzin-Kolbenvergaser des Typs „Kf“, zwei Innenbackenbremsen mit 150 mm Trommeldurchmesser, ein Tank mit einem Fassungsvermögen von 11 Litern sowie ein Veleda-Sattel. Das Fahrzeug konnte steuerfrei betrieben werden und war zum Preis von 750 RM erhältlich. Bei einem Gewicht von 119 kg erreichte es eine Geschwindigkeit von etwa 80 km/h.
Modelle 1933:
- Modell LM 75, 74 ccm, Fichtel & Sachs-Zweitaktmotor, auch als Damenrad-Ausführung
- Modell T 200 mit Lichtanlage (wird nur bis etwa April angeboten)
- Modell LS 200, Bark-Zweitaktmotor. Das Modell LS 200 konnte man ab dieser Zeit mit einer 12 Watt- oder einer 50 Watt Lichtanlage erhalten. Die Innenbackenbremsen wirkten nun kombiniert auf beide Räder, der Fußbremshebel war für dieses Baujahr etwas verbreitert.
- Modell LS 300 (wird nur bis etwa April angeboten)
- Modell T 500
- Modell LS 500
Am 1. Februar 1934 wurde die Firma „Elsterwerdaer Fahrradfabrik E. W. Reichenbach GmbH“ mit Sitz in Elsterwerda-Biehla gegründet und im April desselben Jahres in das Handelsregister eingetragen. Gegenstand des Unternehmens war die Herstellung und der Vertrieb von Fahr- und Motorrädern, einzelnen Teilen sowie Büromaschinen. Zu Geschäftsführern wurden die Ingenieure Dr. jur. Gerhard Beyer und Erich Walter Reichenbach bestellt; Letzterer war zuvor Prokurist der „Elsterwerdaer Fahrradfabrik C. W. Reichenbach“. Die Gesellschafter leisteten ihre Stammeinlagen, indem sie in entsprechender Höhe Forderungen gegen die Firma „Elsterwerdaer Fahrradfabrik C. W. Reichenbach“ einbrachten:
- Ingenieur Erich Walter Reichenbach: 12.500 Reichsmark (RM)
- Kaufmann Emil Herrmann: 7.500 RM
- Kaufmann Walther Blaurock: 11.000 RM
- Allgemeine Deutsche Credit-Anstalt Leipzig: 29.000 RM
Die Modelle für 1934:
- Modell LS 200 mit 12 Watt-Lichtanlage oder mit 50 Watt-Lichtanlage
- Modell T 500
- Modell LS 500
- 98 ccm, Fichtel & Sachs-Zweitaktmotor
Ab November 1934 bis etwa 1939 nahm man die großen Motorradmodelle aus dem Programm und konzentrierte sich nurmehr auf die Produktion von Motorfahrrädern. Dies waren die Modelle „5“ und „6“ mit Tretkurbelausführung sowie das Modell „10“ mit Kickstarter.
Für das Jahr 1939 versuchte man außerdem mit den Modellen „8“ und „9“, die mit einem am Hinterrad montierten 60 ccm Saxonette-Motor ausgeführt waren, weitere Käufer zu erreichen. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges stoppte vermutlich die erwarteten Verkäufe für diese Zweiräder. Man stellte zwangsläufig die Produktion auf andere Produkte um.
Unter neuer Firmierung produzierte man nach dem Zweiten Weltkrieg Melkanlagen.
(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. August 2026)
Quellen:
(1) Deutscher Reichsanzeiger, 1894-1921, 1932-1934
(2) Berliner Börsen-Zeitung, 1894
(3) Großenhainer Tageblatt, 1894-1896
(4) Riesaer Tageblatt, 1895, 1926
(5) Stuttgarter neues Tagblatt, 1921-1926
(6) Deutscher Reichsanzeiger, 1919-1928
(7) Hamburger Fremdenblatt, 1920
(8) Ottendorfer Zeitung, 1924
(9) Saale-Zeitung, 1924, 1930
(10) Volksblatt Halle/Saale, 1926, 1931
(11) Hamburger Fremdenblatt, 1928
(12) Das Motorrad, 1929-1935
(13) Motor und Sport, 1929-1933
(14) Neue Mannheimer Zeitung, 1929
(15) Harburger Anzeigen, 1929
(16) Kemberger Zeitung, 1930
(17) Annaburger Zeitung, 1931
(18) Hallische Nachrichten, 1931
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