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Dobro

Informationen zum Hersteller

Dobro“-Krafträder-GmbH

Berlin-Charlottenburg, Berliner Straße 86/87                                           (Januar 1923 – 1924)

Motorist-Automobilvertrieb GmbH

Berlin-Charlottenburg, Berliner Straße 86/87      (Vertrieb)                     (1922 – vermutlich 1928)   

 

Der Ingenieur Boris Dobroborski und der Kaufmann Eduard Keuller gründeten am 27. Januar 1923 in Berlin die „‘Dobro‘-Krafträder-GmbH“, die als Unternehmenszweck die Herstellung von Krafträdern und Zubehörteilen hatte.

Für die Fahrzeugkonstruktion zeichnete Dobroborski in Kooperation mit Dr. Ing. Friedrich Wettstädt verantwortlich. Wettstädt bekleidete später das Amt des Verbandssportleiters im Deutschen Motorradfahrer Verband (DMV) und verfasste die Werke „Der Automobilmotor und sein Bau“ sowie „Kraftfahrpraxis“. Gemeinsam entwickelten sie für das zu Beginn des Jahres 1923 vorgestellte Leichtkraftrad einen innovativen Rohrrahmen, dessen Streben im doppelten Dreiecksverbund angeordnet waren. Dobroborski ließ dieses Konzept patentieren. Der Rahmen wies eine große Ähnlichkeit mit dem Design der englischen Cotton Motorräder auf. Das Vorderrad der „Dobro“ wurde mithilfe einer Parallelogrammgabel geführt, die beidseitig mit Federn ausgestattet war. Das Kraftrad verfügte über einen einzylindrigen, luftgekühlten 2,5 PS DKW-Zweitaktmotor mit zusätzlicher Ventilatorkühlung, Schwungrad-Magnetzündung und zweistufiger Riemenscheibenuntersetzung. Mit einem Hubraum von 143 ccm bei einer Bohrung von 55 mm, einem Hub von 60 mm und einer Steuerleistung von 0,817 PS war das Fahrzeug dabei nicht steuerbefreit. Die Kraftübertragung zum Hinterrad erfolgte über einen Gummi- oder Lederriemen. Innen- und Außenbremsen wirkten auf die Riemenfelge und konnten sowohl per Hand als auch per Fuß bedient werden. Der Leerlauf konnte durch das Auseinanderdrücken der beweglichen Riemenscheibenhälften erreicht werden, sodass der Riemen in die Leerlaufscheibe fiel und der Motor entkuppelte. Wurden die Riemenscheiben zusammengeführt, wanderte der Riemen nach außen und das Übersetzungsverhältnis veränderte sich, was ein sicheres Anfahren aus dem Stand ermöglichte. Bei einem Fahrzeuggewicht von circa 45 kg konnte eine Geschwindigkeit von etwa 75 bis 80 km/h erzielt werden. Die tiefe Schwerpunktlage begünstigte die Fahreigenschaften.

Die „Motorist-Automobilvertrieb GmbH“ mit Sitz in Berlin-Charlottenburg übernahm die Vermarktung des Fahrzeuges. Gegründet wurde das Unternehmen zu Beginn des Jahres 1922 von den Kaufleuten Rudolf Knierim und Eduard Keuller. Die Geschäftsleitung wechselte im Mai 1922 auf den Kaufmann Kurt Graetz und zwei Jahre später auf den Kaufmann Wilhelm Richter. Beide genannten Firmen waren unter der Adresse Berliner Straße 86/87 in Charlottenburg gemeldet. Dort präsentierte man zur Eröffnung der neu eingerichteten Ausstellungs- und Verkaufsräume das Dobro-Kraftrad der Fachpresse. Im Rahmen dieser Kooperation offerierte man die Motorräder auch unter dem Markennamen „Dobro Motorist“, den Boris Dobroborski neben der Marke „Dobrow.“ rechtlich schützen ließ. Die Fahrzeuge waren zudem in Stuttgart bei der Kraftfahrzeughandlung „Schmid, von Hinrichs & Co. GmbH“ erhältlich, während die Generalvertretung in Hamburg durch die „Schoer & Zimmer GmbH“ am Alstertor wahrgenommen wurde. In Düsseldorf offerierte die Fahrzeughandlung „H.F. Günter GmbH“ die 2,5 PS Dobro-Motorräder.

Bereits im Frühjahr 1923 wurden in den Sportseiten der Tagespresse bemerkenswerte Erfolge von Dobro-Maschinen in höheren Hubraumklassen verzeichnet. Es ist daher anzunehmen, dass für den Motorsportbereich bereits frühzeitig ein spezielles Dobro-Motorist-Sportmodell mit einem 2,75 PS JAP-ohv-Motor entwickelt wurde. Der Hubraum lag vermutlich bei 350 ccm. Die Fahrzeuge wurden auch auf der Berliner Automobilausstellung im Herbst 1923 präsentiert. Darüber hinaus wurden Ausführungen mit seitengesteuerten JAP-Motoren produziert.

Ende Februar 1924 wurde Dr. Friedrich Wettstädt Geschäftsführer der „Dobro“-Kräfträder-GmbH und trat damit die Nachfolge von Eduard Keuller an. Im Oktober desselben Jahres löste sich das Unternehmen auf und wurde schließlich im August 1929 offiziell aus dem Handelsregister gelöscht.

Dobro Rennteilnahmen im Jahr 1923:

Beim DMV-Motorradrennen im Grunewald-Stadion am 6. Mai 1923 wurde der in Berlin ansässige russische Fliegeroffizier Georg von Djounkowsky mit einer Dobro in der Klasse bis 250 ccm Hubraum als Teilnehmer genannt.

Im Rahmen des DMV-Motorradrennens auf der AVUS am 24. Juni 1923 erzielte Georg von Djounkowsky in der Laienklasse bis 350 ccm Hubraum auf einem Dobro-Motorist Sportmodell einen deutlichen Sieg mit einem Vorsprung von fünf Minuten vor dem Zweitplatzierten.

Beim Motorradrennen in Farmsen zum Auftakt der Hamburger Motorsport-Saison am 15. Juli 1923 erreichte Alfred Dralle in der Klasse der Leichtmotorräder bis 150 ccm bei insgesamt 17 Teilnehmern den dritten Platz. Für den „Großen Wanderpreis von Deutschland“ am 29. Juli 1923 in Swinemünde war die Marke Dobro-JAP in der offiziellen Nennungsliste verzeichnet.

Am 23. September nahm der Rostocker Fahrer Dralle erneut am Motorradrennen in Farmsen teil, diesmal auf einer JAP-motorisierten Maschine, die möglicherweise ebenfalls eine Dobro war. Im Rennen um den Nordseepreis, das für Motorräder bis 350 ccm ausgeschrieben war, belegte er den dritten Platz in der Fachklasse. Beim Großen Preis von Hamburg erreichte er den zweiten Rang. Der Berliner Georg von Djounkowsky konnte mit einer Dobro-Maschine den vierten Platz erringen.

Dobro Rennteilnahmen im Jahr 1924:

Im Mai 1924 belegte der Berliner Engler auf einer Dobro-JAP bei der Zuverlässigkeitsfahrt auf der Prinz-Heinrichstrecke in der Ostmark den zweiten Platz in der Hubraumklasse bis 350 ccm. Im selben Monat erreichte Engler beim Solitude-Bergrennen in der Gruppe B II derselben Klasse den siebten Rang. Michael Ruhlmann aus Wangen sicherte sich im Juni 1924 den dritten Platz beim Jägerhausrennen in Heilbronn. Bei den Motorradrennen des Berliner Motorrad Clubs im Juli 1924 fuhr Engler erneut auf seiner Dobro-JAP und erzielte in der Klasse bis 500 ccm den zweiten Platz. Am 21. September 1924 trat Engler auf der Berliner AVUS in der 350er Klasse an und konnte sich zunächst unter den Spitzenfahrern behaupten, bevor er wegen eines Defekts ausschied. Beim Rennen in Berlin-Weißensee am 12. Oktober 1924 konnte er dann den zweiten Platz in der Klasse bis 350 ccm sichern.

Dobro Rennteilnahmen im Jahr 1927 und 1928:

Auf der Berliner AVUS beim großen Herbstrennen am 10. September 1927 erreichte G. Loechner auf einer Dobro-JAP-Maschine den dritten Platz in der Junioren-Klasse bis 350 ccm Hubraum. Beim Schleizer Dreieckrennen 1928 war der Berliner D. von Gervais mit einer Dobro-JAP gemeldet.

 

(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. April 2026)

Quellen:

(1)   Deutscher Reichsanzeiger, 1923-1929

(2)   Adressbuch Berlin, 1923-1924

(3)   Adressbuch Hamburg, 1924

(4)   Handelsregister Berlin, 1923-1929

(5)   Sport im Bild, 1923

(6)   Der Motorwagen, 1922

(7)   Illustrierte Zeitung Berlin, 1923

(8)   Leipziger Tageblatt, 1923-1924

(9)   Vogelsang, Ausgabe 1923

(10) Der Motorfahrer, 1923

(11) Der Motorfahrer (Ö), 1927

(12) Klein-MotorSport, vermutlich 1923

(13) Die Voss, 1923

(14) Deutsche allgemeine Zeitung, 1923

(15) Berliner Tageblatt, 1923

(16) Württemberger Zeitung, 1923-1924

(17) Hannoverscher Kurier, 1923

(18) Hamburgischer Correspondent, 1923

(19) Der Mittag, 1923

(20) Stuttgarter neues Tagblatt, 1924

(21) Süddeutsche Zeitung, 1924

(22) Der Motorfahrer, 1924

(23) Berliner Börsen-Zeitung, 1924

(24) Münchner neueste Nachrichten, 1928

(25) Allgemeine Zeitung, 1928

(26) Echo der Gegenwart, 1924, 1928

(27) Motor-Rad-Sport Verkehr und Technik, 1924


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