Bodo
Informationen zum Hersteller
Autozentrale Franz Kindermann
Fahrzeugfabrik
Joachimstraße 13, Thale am Harz (1924 – 1925)
Die Fahrzeugfabrik „Franz Kindermann“ aus Thale am Harz war ein typischer Hersteller von konfektionierten Leichtmotorrädern und brachte ab etwa 1924 Zweiräder unter dem Namen „Bodo“ auf den Markt. Offiziell trug das Unternehmen die Bezeichnung „Autozentrale Franz Kindermann“.
Das „Modell 1924“ besaß einen 143 ccm starken 1,5 PS DKW-Zweitakt-Einbaumotor mit effektiven 2,5 PS. Es war mit 0,82 Steuer-PS nicht als steuerfrei eingestuft. Ausgelegt war der Motor mit einer Bohrung von 55 mm und einem Hub von 60 mm. Das Fahrgestell bestand aus einem geschlossenen Stahlrohrrahmen und einer Pendelgabel am Vorderrad. Die Motorleistung wurde über einen Chromlederkeilriemen an das Hinterrad übertragen, auf welches auch die Startvorrichtung und eine Klotzbremse wirkte. Die erreichbare Geschwindigkeit war mit 75 km/h angegeben.
Für die Saison 1925 wurde das Motorradangebot um zusätzliche Modelle erweitert. Das bereits bekannte Modell konnte jetzt auch als „Modell 1924 b“ mit einem 2,5 PS Grade-Zweitaktmotor bestellt werden. Dieser Motor verfügte über ein außenliegendes Schwungrad und einen Hubraum von 131 ccm. Mit einer Steuerleistung von 0,749 PS war das Fahrzeug steuer- und zulassungsfrei, außerdem durfte es ohne Führerschein gefahren werden. Die Zylinderbohrung betrug 52,5 mm bei einem Hub von 60 mm. Dank eines Eigengewichts von 40 kg waren Geschwindigkeiten von bis zu 75 km/h möglich. Gegen Aufpreis war zudem eine Doppelübersetzungsnabe von Fichtel & Sachs erhältlich, die Kupplung, Leerlauf und zwei Gänge bot.
Das „Modell 1925 a“ war mit einem 2,5 PS Zweigang-DKW-Blockmotor ausgestattet. Bei einer Bohrung von 52 mm und einem Hub von 60 mm ergab sich ein Hubraum von 128 ccm sowie eine Steuerleistung von 0,73 PS. Das Getriebe verfügte über eine Kupplung, einen Leerlauf sowie einen Kickstarter. Mit dieser Konfiguration erreichte das Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Es war steuer- und zulassungsfrei und konnte ohne Führerschein betrieben werden.
Das leistungsstärkste Modell, das „Modell 1925“, war mit einem 3 PS DKW-Zweitakt-Getriebemotor vom Typ Z ausgestattet. Der Motor besaß eine Bohrung von 59 mm und einen Hub von 64 mm, was zu einem Hubraum von 175 ccm und einer Steuerleistung von 1 PS führte. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit betrug 75 km/h. In der weiteren Ausstattung entsprach dieses Modell den anderen Modellen.
Das Konkursverfahren über das Vermögen der Firma „Automobilzentrale Franz Kindermann“ wurde am 8. Dezember 1924 eröffnet und dauerte mindestens bis August 1925 an. In dieser Zeit fertigte Kindermann wahrscheinlich weiterhin Fahrräder und führte eine Kraftfahrzeugreparaturwerkstatt. Im Mai 1926 kam er bei einem Verkehrsunfall ums Leben: Während einer Probefahrt auf einem reparierten Motorrad kollidierte er mit einem Passanten, stürzte und erlag noch am Unfallort seinen schweren Kopfverletzungen. Sein Sozius, der Autoschlosser Schinzel wurde dabei nur leicht verletzt. Die Firma „Autozentrale Franz Kindermann“ wurde schließlich im Juni 1927 offiziell aus dem Handelsregister gelöscht.
(Zusammengestellt von: Helmut Kraus. März 2026)
Quellen:
(1) Der Motorfahrer, 1924
(2) Deutscher Reichsanzeiger, 1924-1927
(3) Süddeutsche Zeitung, 1924
(4) Kölnische Zeitung, 1924
(5) Merseburger Korrespondent, 1926
(6) Iserlohner Kreisanzeiger, 1926
(7) Stadtarchiv Thale
Zurück zur Herstellerliste.