Balaluwa
Informationen zum Hersteller
Bayerische Land-, Luft- und Wasser-Fahrzeug-Gesellschaft mbH
Schützenstraße 8
München
(August 1922 bis Ende Dezember 1922)
Balaluwa – Bayerische Land-, Luft- und Wasser-Fahrzeug-Gesellschaft mbH
Schommerstraße 1
München
(02.01.1923–22.09.1923)
Balaluwa Fahrzeug AG
Schommerstraße 1
München
(22.09.1923–07.08.1924; Konkurseröffnung)
Die Bayerische Land-, Luft- und Wasser-Fahrzeug-Gesellschaft mbH trat im Spätsommer 1922 zunächst als Generalvertretung für Lindcar-Automobile sowie für Nordflug-Personenwagen, Flug- und Wasserfahrzeuge auf. Neben dem Firmensitz in der Schützenstraße 8 in München unterhielt das Unternehmen Bootshäuser am Starnberger See und später auch eine Verkaufsstelle in Konstanz. Produkte der beiden Berliner Hersteller wurden bis Februar 1923, im Falle von Nordflug, beziehungsweise bis September 1923, im Falle von Lindcar, beworben.
Zum Jahresbeginn 1923 verlegte die Gesellschaft ihren Sitz in die Schommerstraße 1 in München. Ab diesem Zeitpunkt verwendete sie den Markennamen Balaluwa, unter dem eine eigene Motorradkonstruktion vorgestellt wurde. Dabei handelte es sich um eine Zweizylinder-Viertaktmaschine mit 2,75-PS-Bosch-Douglas-Motor. Sowohl Zwei- als auch Dreiganggetriebe scheinen verwendet worden zu sein. Bemerkenswert ist, dass die Firma im Februar 1923 in Zeitungsanzeigen nach fabrikneuen Bosch-Motoren suchte.
Im März 1923 wurde das Angebot durch Kotco-Leichtmotorräder ergänzt, ein Fabrikat der Münchener Firma Kothbauer & Co. Für dieses 1,5-PS-Zweirad mit Einzylinder-Viertaktmotor und Getriebe übernahm Balaluwa die Generalvertretung für Bayern, das Bodenseegebiet, Groß-Berlin und die Provinz Brandenburg. Unverändert blieben Jollen und Motorboote im Verkaufsprogramm.
Die Aktivitäten der Balaluwa GmbH endeten im September 1923 mit der Gründung der Balaluwa Fahrzeug AG in München. Auch diese Gesellschaft befasste sich mit der Herstellung und dem Vertrieb von Land-, Luft- und Wasserfahrzeugen. Zu den Gründern gehörten der Chemiker Hans Engelbert aus Bad Oeynhausen, der Kaufmann Dr. Herbert Franzelin, Major a. D. Hans Braune, der Kaufmann Friedrich Krick und Direktor Hans Laenger, sämtlich in München wohnhaft. Den Vorstand bildeten zunächst die Münchener Direktoren Hugo Blümer und Erich Theodor Gießen; später gehörte auch Freiherr von Thiele-Friesen dem Vorstand an.
Die neu gegründete Aktiengesellschaft übernahm die bayerische Generalvertretung der Martin Hildebrand Automobilwerke AG aus Singen am Hohentwiel. Diese Fahrzeuge wurden mindestens bis zum Frühjahr 1924 angeboten.
In einer Anzeige präsentierte Balaluwa im März 1923 ein neues Motorradmodell. Die Sportmaschine leistete 1,35 Steuer-PS beziehungsweise 11 Brems-PS und besaß einen Hubraum von 350 ccm bei 72 mm Bohrung und 86 mm Hub. Der Einzylinder-ohv-Einbaumotor stammte von Kühne aus Dresden und wog einschließlich gekapseltem Magnetantrieb und Variat-Vergaser 37 kg. Der Zylinderkopf war abnehmbar, die Kurbelwelle kugelgelagert, die Pleuelstange lief in einem Rollenlager, und der Kolben bestand aus Titanal.
Die beiwagentaugliche Maschine war für ihre Zeit modern ausgestattet. Sie verfügte über Innenbackenbremsen an Vorder- und Hinterrad, eine Pendelgabel mit doppelter Spiralfederung sowie Kettenantrieb. Alle wesentlichen Komponenten wurden als deutsche Erzeugnisse hervorgehoben, was vor dem Hintergrund der damals starken englischen Zweirad- und Zubehörindustrie ausdrücklich bemerkenswert war. Ein niedriger Stahlrohrrahmen sorgte für einen tiefen Schwerpunkt; die Sattelhöhe betrug 70 cm. Die Ölung erfolgte über eine automatische Zahnradpumpe; der Öltank war unter dem Sattel angeordnet. Das Dreiganggetriebe besaß Leerlauf, Kupplung und Kickstarter. Zwei Aluminium-Fußbretter und zwei Werkzeugkästen ergänzten die Ausstattung. Bei einer Gesamtlänge von 215 cm und einem Gewicht von etwa 100 kg wurde ein Verbrauch von 2,5 Litern auf 100 km angegeben; als Höchstgeschwindigkeit wurden bis zu 120 km/h genannt.
Die bislang nachweisbaren Balaluwa-Modelle und Vertriebsfahrzeuge lassen sich wie folgt zusammenfassen:
|
Baujahr |
Hubraum |
Motor und Steuerung |
Leistung |
Ausstattung / Merkmale |
|
1923 |
350 ccm |
Bosch-Douglas Zweizylinder-Viertaktmotor |
2,75 PS |
Zwei- oder Dreiganggetriebe |
|
1923–1924 |
350 ccm |
Kühne |
1,35 Steuer-PS |
beiwagentauglich; Innenbackenbremsen; Pendelgabel; Dreiganggetriebe mit Kickstarter |
Als Vertriebspartner trat in dieser Zeit die in Pforzheim und Karlsruhe ansässige Firma Nikolaus Deutsch, Automobile, auf. Sie vertrat Balaluwa auch auf der Stuttgarter Motorrad-Sport-Ausstellung im Mai 1924.
Trotz der fortschrittlichen Konstruktion blieb der geschäftliche Erfolg aus. Noch bis zur Eröffnung des Konkursverfahrens am 7. August 1924 wurde die 350er-Maschine beworben. Die Abwicklung der Aktiengesellschaft erfolgte rasch; die Löschung beim Amtsgericht wurde bereits im Januar 1925 vorgenommen.
Rennerfolge:
Im Motorsport traten Balaluwa-Motorräder nur vereinzelt in Erscheinung. Erstmals wird eine Balaluwa bei der Winterfahrt des ADAC am Böbinger Berg im Februar 1923 erwähnt; sie schied jedoch aus. Weitere Hinweise finden sich 1923 in der Nennungsliste zum Rad- und Motorrad-Derby in Daglfing sowie beim Oberjoch-Bergrennen im Allgäu, wo ein zweiter Preis erzielt wurde. Bei diesen Einsätzen dürfte es sich jeweils um Maschinen mit Bosch-Douglas-Motor gehandelt haben.
Hans Iglhaut wurde im Februar 1924 bei der ADAC-Winterfahrt genannt und stürzte im Mai beim Rennen „Rund um München“. Sieben Tage später erreichte eine Balaluwa zwar als schnellste deutsche Maschine das Ziel beim Solitude-Rennen in Stuttgart, belegte jedoch keinen der ersten drei Plätze. Auch ein zwölfter Platz bei der 3. Bergprüfungsfahrt „An der Pforte des Schwarzwaldes“ im Juni 1924 blieb ein Einzelerfolg. Diese Rennen wurden sämtlich in der 350-ccm-Klasse bestritten.
Zusammengestellt von Frank Grüneboom, Februar 2026; überarbeitet im August 2026.
Quellen und Nachweise
Zeitgenössische Zeitungen und Tagespresse
Badische Presse, Jg. 1924.
Berliner Börsenzeitung, Jg. 1924.
Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 1922–1926.
Neue Mannheimer Zeitung, Jg. 1925.
Schwäbischer Merkur, Jg. 1924.
Sportzeitung des Stuttgarter Neuen Tagblatts, Jg. 1924.
Stuttgarter Neues Tagblatt, Jg. 1924.
Süddeutsche Zeitung, Jg. 1924.
Württemberger Zeitung, Jg. 1924.
Motor- und Fachzeitschriften
Auto und Kraftrad, Jg. 1925.
Der Motorfahrer, Jg. 1924.
Illustrierte Motorzeitung, Jg. 1923–1924.
Amts- und Bekanntmachungsblätter
Deutscher Reichsanzeiger, Jg. 1923, 1925.
Nachschlagewerke
Hoppenstedt, Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften 1923/24.
Hinweis zur Zitierweise: „Jg.“ bezeichnet den ausgewerteten Jahrgang.
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